Diesel-Gipfel: Was das AGVS-Mitglied jetzt wissen muss

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Aktuell vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo auf dem Dieselantrieb herumgeprügelt wird. Gerade in der aktuellen Zeit ist es für den Garagisten wichtig, allenfalls verunsicherte Kunden sachlich zu beraten und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Der AGVS bietet seinen Mitgliedern eine aktuelle Übersicht - und zeigt Handlungsoptionen auf.


In Berlin trafen sich am Mittwoch dieser Woche Politik und Hersteller zum «Diesel-Gipfel». Im Zentrum standen rasche und nachhaltige Lösungen zur Absenkung der Stickoxidwerte (NOx). Die getroffene Einigung sieht primär eine Verbesserung des Stickoxid-Ausstosses für Dieselfahrzeuge der Emissionsklassen Euro-5 und Euro-6 vor – die Rede ist von über 5 Millionen Fahrzeugen in Deutschland. Sie sollen über ein Software-Update nachgebessert werden. Parallel dazu haben sich die deutschen Hersteller verpflichtet, „herstellerspezifische Vertriebsmassnahmen“ zu treffen, sprich: Eintauschprämien für Autos mit einem hohen Schadstoffausstoss.

Beim Gipfel ging es auch darum, die Diskussion um den Selbstzünder wieder zu versachlichen. Das ist nötig, denn die Situation ist gerade in Deutschland aktuell sehr angespannt: Weil in mehreren Städten teilweise seit Jahren die EU-Grenzwerte für Stickoxid (NOx) überschritten werden und sie deswegen bereits von Umweltverbänden verklagt wurden, droht eine Kettenreaktion. Um Sanktionen seitens der EU wie beispielsweise eine radikale Ausserverkehrssetzung von Dieselfahrzeugen abzuwenden, planen die betroffenen Städte Fahrverbote für alle Selbstzünder unterhalb der Euro-6-Norm. Alleine in Deutschland wären davon Millionen Fahrzeuge betroffen, darunter sechs Millionen Euro-5-Diesel. Das bringt den Diesel als Antrieb zusätzlich unter Druck – als ob er das seit zwei Jahren nicht ohnehin schon genug ist. Die negative Stimmung gegenüber dem Selbstzünder hat bereits auf die Nachfrage durchgeschlagen: Deutschland, der wichtigsten Markt für Dieselfahrzeuge überhaupt, verzeichnet im ersten Halbjahr 2017 bereits rückläufige Verkäufe. In der Schweiz sind die Rückgänge zwar noch sehr gering, doch dies könnte sich bei fehlender Aufklärung bald ändern.

Keine «Krise» in der Schweiz
Obwohl es sich bei den in Aussicht gestellten Fahrverboten für Diesel in ausgewählten Städten um ein Problem ausserhalb der Schweiz handelt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch eine gewisse Verunsicherung auf die Schweizer Besitzer von Dieselfahrzeugen übergreift. Die Medien jedenfalls helfen da bereits mit. So nutzte das Internet-Vergleichsportal Comparis die Situation, um für seinen Fahrzeugmarkt zu werben. Comparis verkündete zu Beginn der vergangenen Woche, das Suchvolumen nach Dieselfahrzeugen auf ihrer Plattform sei «um 23 Prozent eingebrochen» und die «Diesel-Krise» schlage «mit voller Wucht in den Schweizer Gebrauchtwagenmarkt ein». Dass auf dieser Basis der «Blick» am nächsten Tag titelte: «Diesel auch bei den Occasionen in der Krise», ist unvermeintlich. Und selbstredend wurden auch die am Donnerstag dieser Woche veröffentlichten Halbjahreszahlen von auto-schweiz umgehend dazu genutzt, das Trommelfeuer gegenüber dem Dieselantrieb aufrecht zu erhalten.

Versachlichung der Diskussion ist nötig
Doch das ist Panikmache, verunsichert die Autobesitzer und trägt überhaupt nichts zu einer Versachlichung der Diskussion bei. Tatsache ist: Es gibt im Moment keine konkreten Hinweise, dass auch hierzulande eine Unsicherheit auf breiter Front um sich greift. Bei der auf Marktanalysen und Fahrzeugdaten spezialisierten auto-i-dat ag heisst es auf Anfrage von AGVS Online: «Wir registrieren aktuell keine Zunahme bei den Standzeiten von Diesel-Occasionen», sagt auto-i-Datenspezialist René Mitteregger – im Gegenteil: «die Standzeiten sowohl bei Diesel als auch bei Benzinern haben sich in den vergangenen Monaten verkürzt; der Occasionsmarkt läuft ausgesprochen gut.» Dasselbe Bild präsentiert sich bei den Neuwagen: Alleine im ersten Quartal 2017 wurden gegenüber dem Vorjahr 35 Prozent mehr Diesel-SUV verkauft, bei den Kombis war es ein Plus von 18 Prozent. Und auch AutoScout24 als grösster Schweizer Onlinehandelsplatz für Fahrzeuge bestätigt nach einer im Auftrag von AGVS Online durchgeführten Analyse der Zahlen: «Aufgrund der aktuellen Entwicklung über alle Marken kann kein expliziter Image- oder Vertrauensverlust in die von der Abgas-Thematik betroffenen Marken beobachtet werden.»

Die Differenz zwischen der gefühlten Situation und dem, was tatsächlich auf dem Markt passiert, könnte aktuell also grösser kaum sein. Darauf weist auch Markus Peter hin, beim AGVS zuständig für Technik und Umwelt: In der Tagesschau vom Dienstag, 25. Juli, relativiert er zur besten Sendezeit die Stimmungsmache gegen den Diesel: Die Zahlen alleine auf Basis von Suchanfragen seien nicht aussagekräftig und die Rückmeldungen der Garagisten zum Handel mit Dieselfahrzeugen seien nach wie vor gut. Gemäss dem Garagistenverband müssten Dieselfahrzeugbesitzer aufgrund der aktuellen Marktentwicklung keinen substanziellen Preiszerfall ihrer Fahrzeuge befürchten, sagt Markus Peter im Beitrag (http://www.srf.ch/sendungen/tagesschau/fahndung-in-schaffhausen-abgesang-auf-den-diesel-polo-hofer).

Die Kunden mit Rat und Tat unterstützen
Die aktuelle Situation ist auch für den einzelnen Markenhändler unangenehm. Seitens Hersteller stehen im aktuell möglicherweise zu wenig Informationen zur Verfügung. Das ist insofern verständlich, als die gesamte Kommunikation eines Herstellers in einer solchen Situation von den Juristen geprüft werden muss. Und das dauert. Gleichzeitig wäre es aber von Vorteil, brauchbare Antworten für allenfalls verunsicherte Kunden bereit zu haben. Dieses starke Bedürfnis nach Informationen ist sowohl auf der Ebene des Europäischen Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes (CECRA) als auch auf Ebene des nationalen Verbandes, des Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) erkannt. Im Einklang erwarten die beiden Verbände vom «Diesel-Gipfel» primär, «dass die Hersteller die Umrüstung der betroffenen Dieselfahrzeuge unkompliziert und rasch organisieren und finanzieren, damit die Händler auf Basis von konkreten Informationen das Vertrauen ihrer Kunden erhalten können», sagt AGVS-Zentralpräsident Urs Wernli.
 
Handlungsoptionen für das AGVS-Mitglied
Gleichzeitig empfiehlt der AGVS seinen Mitgliedern, ihren Kunden als Treuhänder mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Um sie in ihrer Funktion als Mobilitätsdienstleister zu unterstützen hat der AGVS auch in Abstimmung mit auto-schweiz eine Reihe von Handlungsoptionen formuliert, auf die der Garagist in Gesprächssituationen zurückgreifen kann.
 
  • Bleiben Sie ruhig, übertragen Sie diese Ruhe auf Ihren Kunden und nehmen Sie sich die nötige Zeit für Gespräche.
  • Warten Sie nicht, bis Sie angesprochen werden, sondern gehen Sie das Thema aktiv an, wenn Sie glauben, dass das Thema den Kunden belastet.
  • Zeigen Sie, dass Sie über die aktuelle Situation informiert sind.
  • Betonen Sie die nach wie vor vorhandenen und unbestrittenen Vorteile des Diesels: günstiger Unterhalt weil geringerer Treibstoffverbrauch und weniger CO2-Ausstoss. Weisen Sie auch darauf hin, dass die verschärften CO2-Grenzwerte ohne einen entsprechenden Anteil an Dieselfahrzeugen gar nicht zu erreichen sind.
  • Weisen Sie darauf hin, dass der Markt für Dieselfahrzeuge in der Schweiz gut funktioniert und ein überdurchschnittlicher Wertzerfall nicht zu befürchten ist. Entsprechende Daten von auto-i-dat ag und AutoScout24 sprechen eine klare Sprache.
  • Weisen Sie darauf hin, dass viele namhafte Autohersteller Milliarden in die Weiterentwicklung des Dieselmotors investieren – das würden sie nicht tun, wenn sie nicht an diese Technologie glauben. Ausserdem sind die Fortschritte im Bereich Energieeffizienz, die in den vergangenen Jahren beim Verbrennungsmotor erzielt wurden, beachtlich.
  • Bieten Sie proaktiv eine Überprüfung des Füllstandes des AdBlue-Tanks an – und füllen Sie ihn wenn nötig auf.
  • Weisen Sie darauf hin, dass in der Schweiz keine Fahrverbote für Diesel drohen.
  • Falls Ihre Marke bereits Software-Updates oder Nachrüstlösungen organisiert hat: Stellen Sie aktiv weitere Informationen in Aussicht, sobald Sie sie haben. Hinweis: Im Anschluss an den «Diesel-Gipfel» vom 2. August in Berlin haben die deutschen Hersteller Informationen in Aussicht gestellt, wie die Nachbesserung für Dieselfahrzeuge aussehen wird.
  • Erwähnen Sie, dass derzeit für immer mehr Modelle wirksame Nachrüstlösungen für die Stickoxid-Entgiftung entwickelt werden.
  • Falls Ihre Marke eine Eintauschprämie für alte Dieselautos anbietet: Informieren Sie Ihre Kunden aktiv und transparent über die Möglichkeiten eines Eintausches und die dafür notwendigen Voraussetzungen. Erörtern Sie im Gespräch mit dem Kunden dessen Bedürfnisse für ein neues Fahrzeug und wählen Sie mit dem Kunden zusammen die für ihn ideale Motorisierung aus.
  • Reizen Sie die Grenze Ihrer Kulanz aus; es ist ein Investment in die Vertiefung Ihrer Kundenbeziehung. So unangenehm die aktuelle Situation auch sein mag: sie bietet eine gute Gelegenheit, sich als Dienstleister zu beweisen. Stehen Sie Ihren Kunden also unbedingt und wo immer möglich mit Rat und Tat zur Seite.
Hardware- oder Software-Update?
Der Diesel steht – im übertragenen Sinn – auf dem Prüfstand. Es muss den Vertretern der Hersteller jetzt rasch gelingen, das angeschlagene Vertrauen durch konkrete Massnahmen wieder herzustellen. Im Zentrum steht eine rasche Nachrüstung von vornehmlich Euro-5 und, zumindest teilweise, auch Euro-6-Dieselfahrzeugen und damit eine nachhaltige Lösung der Stickoxid-Problematik. Zwei Ansätze stehen dafür zur Diskussion:

Über die Hardware via Nachrüstung einer SCR-Anlage: Erste, durch den Katalysator-Hersteller Twintec Baumont an einem einzigen Prototypen durchgeführte Tests auf Basis eines Euro-5-Motors in einem VW Passat TDI mit Jahrgang 2014 waren sehr erfolgreich: Der NOx-Ausstoss sank durch den Umbau von rund 1000 mg (EU-5-Grenzwert: 180 mg) auf unter 80 mg. Und das im Realbetrieb. Nur: Eine solche Umrüstung ist mit entsprechenden Kosten verbunden – Fachleute schätzen sie umgerechnet auf rund 1‘700 Franken.

Über ein Update der Software: Die Fahrzeughersteller favorisieren eine Nachrüstung über ein Software-Update. Offensichtlich hat sich diese Variante jetzt - vorerst - durchgesetzt. Nach Berechnungen der Hochschule Heilbronn liessen sich die Stickstoff-Emissionen mit einer solchen Massnahme von durchschnittlich 900 auf unter 350 Milligramm NOx drücken. Vorteil bei dieser Variante: sie kostet im Vergleich deutlich weniger. Aber Euro-6-Werte werden damit nicht erreicht, weshalb man hier von Euro-5+ spricht.

Mercedes und Audi haben mit der Rückrufaktion bereits auf freiwilliger Basis begonnen; alleine bei Mercedes handelt es sich um mehr als drei Millionen Fahrzeuge in Deutschland, bei denen im Rahmen der freiwilligen Servicemassnahme der Schadstoffausstoss verbessert wird. Damit soll das Vertrauen in diese Antriebstechnologie verbessert werden. Diese Aktion beläuft sich alleine bei Daimler auf Kosten von umgerechnet über 240 Millionen Franken. Parallel dazu verschärft Daimler das Tempo bei der Entwicklung seiner neuen Generation von Dieselmotoren – die dafür bisher eingesetzten über drei Milliarden Franken sind ein starkes Zeichen, dass der Konzern an die Zukunft des Selbstzünders glaubt.

Lesen Sie hier einen der lesenswertesten Analysen zum Thema Restwerte von Dieselfahrzeugen.
 

Aus aktuellem Anlass hat der AGVS zu diesem Thema vergangene Woche auch eine Medieninformation verschickt:

Fragen zum Diesel?
Schweizer Garagisten verstärken ihre Beratung

Bern, 31. Juli 2017 – Im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion rund um den Dieselantrieb hat der Auto Gewerbe Verband Schweiz seine Mitglieder aufgerufen, ihre Beratungsdienstleistungen zu verstärken. Ausserdem plädiert er für mehr Sachlichkeit und Augenmass.

Ausgelöst durch das Verhalten der Hersteller in Deutschland, steht der Dieselantrieb aktuell unter politischem Druck. Der Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) bedauert diese Entwicklung – umso mehr, als dass damit nicht nur das Vertrauen in die Hersteller, sondern auch jenes in die Schweizer Garagisten in Mitleidenschaft gezogen wird.

Um zur Beruhigung der Situation beizutragen, hat der AGVS seine 4‘000 Mitglieder aufgerufen, ihre Beratungsdienstleistung rund um den Diesel zu verstärken. AGVS-Zentralpräsident Urs Wernli weist darauf hin, «dass die Schweizer Garagisten die beratenden Treuhänder des Automobilisten sind». Besitzer von Dieselfahrzeugen können sich mit allfälligen Fragen vertrauensvoll an ihren Garagisten wenden. «Unsere Mitglieder sind es gewohnt, ihren Kunden wo immer möglich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen».

In der aktuellen Diskussion rund um den Diesel vermisst der AGVS die nötige Sachlichkeit, was weder den Automobilisten, noch Politik und Behörden diene. Im Gegenteil: Die verschärfte Polemik führe nur zu einer Verunsicherung. Die Differenz zwischen der gefühlten Situation und dem, was tatsächlich auf dem Markt passiert, könne aktuell nämlich kaum grösser sein: Die Marktzahlen rund um Dieselfahrzeuge würden eine klare Sprache sprechen. «Der Handel mit Dieselfahrzeugen ist nicht eingebrochen und es ist nicht zu erwarten, dass er es hier in der Schweiz auch tatsächlich tut», sagt Markus Peter, Leiter Umwelt und Technik beim AGVS. Gestützt wird diese Aussage durch die Zahlen von auto-i-dat ag, einem Schweizer Spezialisten im Bereich Fahrzeugdaten: «Wir registrieren keine Zunahme der Standzeiten von Diesel-Occasionen», sagt auto-i-Datenspezialist René Mitteregger, die Standzeiten sowohl bei Diesel- als auch bei Benzinfahrzeugen hätten sich in den vergangenen Monaten sogar verkürzt; der Handel laufe ausgesprochen gut. Grund dafür sei, dass der Diesel nach wie vor eine moderne und effiziente Antriebsart sei und substanziell zum Erreichen der von der Politik festgelegten, strengen CO2-Ziele beitrage. Auch aus diesem Grund investieren die Hersteller erhebliche Budgets zur Weiterentwicklung dieser Technologie.

Im Hinblick auf den am kommenden Mittwoch stattfindenden «Diesel-Gipfel» in Berlin hat der AGVS im Interesse seiner Mitglieder und deren Kunden eine klare Haltung: «Wir erwarten von den Herstellern, dass sie die in Aussicht gestellte Umrüstung der betroffenen Dieselfahrzeuge unkompliziert und rasch organisieren und auch finanzieren», sagt Urs Wernli. Den betroffenen Kunden dürften keine Kosten entstehen. So lasse sich das Vertrauen der Kunden erhalten. Daran hätten die Garagisten allergrösstes Interesse.

Tipp für Automobilisten: den AEC machen!
Ein Besuch in der Garage wäre zudem eine gute Gelegenheit, sich nach dem AutoEnergieCheck (AEC) zu erkundigen, den rund 1000 der 4000 AGVS-Mitglieder anbieten. Resultat dieses knapp 30 Minuten dauernden Checks ist ein bis zu 20 Prozent geringerer Treibstoffverbrauch und CO2-Ausstoss. Allein mit dieser Dienstleistung der Schweizer Garagisten lassen sich pro Jahr und Fahrzeug bis zu 360 Franken und eine halbe Tonne CO2 einsparen. Der AEC wurde zusammen mit dem Bundesamt für Energie entwickelt. Die bisher 30‘500 Checks reduzierten den CO2-Ausstoss um über 35‘000 Tonnen.
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