Mehr Elektrofahrzeuge, aber Tesla kommt nicht vom Fleck

12. April 2018 agvs-upsa.ch – Im ersten Quartal 2018 wurden in der Schweiz deutlich mehr Autos mit rein elektrischem Antrieb verkauft als vor einem Jahr. Wer vom Boom nicht profitiert, ist der Pionier Tesla.

sco. 1305 rein elektrisch angetriebene Autos wurden von Januar bis März 2018 in der Schweiz neu immatrikuliert. Das entspricht einem Plus von 23,9 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Insgesamt beträgt der Marktanteil der Elektrofahrzeuge in der Schweiz mittlerweile 2,4 Prozent, Und der Boom bei den alternativen Antrieben hat erst begonnen. Bis 2020 sollen in Europa rund 100 Modelle mit reinem Elektroantrieb auf dem Markt sein.

Eitel Freude also bei den Herstellern von E-Autos? Mitnichten. Ausgerechnet Pionier Tesla fällt mit einem Minus von 31 Prozent aus dem Rahmen. Lediglich 374 Fahrzeuge konnte Tesla von Januar bis März in der Schweiz verkaufen, im Vorjahr waren es noch 542 gewesen.


Dochdoch, es gibt sie: Frisch produzierte Tesla 3 warten auf ihre Auslieferung.​

Verluste auch in Deutschland
Die Schweiz ist kein Einzelfall. Auch in Deutschland schockierte Tesla mit einem Rückgang der Verkäufe um über 30 Prozent. Sogar in den USA sind die Zahlen recht bescheiden. Zwar gab es im letzten Quartal 2017 rund 400 000 Bestellungen für das Model 3. Aber es bestehen erhebliche Produktionsengpässe. Das Model 3 gilt unter Experten als Schlüsselprodukt für die langfristige Produktivität von Tesla. Die Limousine ist deutlich günstiger als das Model S und der SUV Model X. Mit dem Tesla 3 will Gründer und Firmenchef Elon Musk den Massenmarkt erobern.

Möglich, dass ihm die traditionellen Hersteller zuvorkommen. BMW setzte von Januar bis März in der Schweiz 362 Einheiten seines rein elektrischen i3 ab, Renault verkaufte 192 Zoe und Nissan brachte im März die ersten neuen Leaf in die Schweiz. Mit weltweit 300 000 verkauften Einheiten ist der kleine Japaner das erfolgreichste E-Auto der Welt.

Aktie im freien Fall
Elon Musk hatte bei der Präsentation des Tesla 3 im Juli 2017 versprochen, er werde bis Ende Jahr 500 000 Fahrzeuge herstellen, schraubte diese Ansage dann auf 100 000 zurück. Die Realität sieht anders aus: 2000 Exemplare stellt Tesla derzeit pro Woche her, 5000 müssen es laut UBS-Analyst Colin Langan sein, sonst wird weiterhin Cash verbrannt.

Das Vertrauen der Finanzmärkte in Tesla schwindet. Autohersteller benötigen viel Kapital, um in Massen produzieren zu können. Deswegen ist Musk abhängig von den Kapitalmärkten. Nur: Die Aktie hat seit ihrem Höchststand im September 2017 rund einen Viertel ihres Wertes eingebüsst und die vor einem Jahr ausgegebenen Anleihen notieren weit unter ihrem Nennwert. Tesla schreibt mit jedem produzieren Auto Verlust und muss sich schon bald wieder am Kapitalmarkt mit frischem Geld versorgen. Zu welchen Konditionen Elon Musk das tun kann, ist ungewiss – zumal die Ratingagentur Moody‘s die Tesla-Anleihen auf Ramschniveau abgewertet hat.

Derweil hat der charismatische E-Auto-Pionier wieder einmal versprochen, zum Ende dieses Quartals bis zu 5000 Model 3 pro Woche produzieren zu können. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr, den Massenmarkt zu erobern.
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