So können Sie auf den Kassensturz-Beitrag reagieren

16. Dezember 2016 agvs-upsa.ch – Der «Kassensturz» brachte einen Beitrag über die Tricks der Autohersteller bei der Dieselabgasreinigung. Die Vorwürfe sind happig und könnten dazu führen, dass Ihre Kunden kritische Fragen stellen. Im Interview rät Markus Peter, Leiter Umwelt & Technik beim AGVS, wie Sie reagieren sollten und wie Sie Fragen beantworten können.

Ist an den Vorwürfen des «Kassensturz» etwas dran – wird betrogen?
Markus Peter: Von Betrug kann – mit Ausnahme der bereits bekannten und geahndeten Fälle einzelner Fahrzeugtypen – nicht gesprochen werden. Natürlich wirkt es für die Fahrzeugbesitzer nicht vertrauenserweckend, wenn die tatsächlichen Emissionen deutlich von den deklarierten abweichen. Gründe dafür gibt es mehrere. Zum einen entsprechen die in der Norm beschriebenen Umgebungsbedingungen und die Fahrt auf dem Rollenprüfstand nicht dem tatsächlichen Fahrverhalten im Strassenverkehr. Sinn und Zweck der Norm ist und bleibt jedoch die Vergleichbarkeit der Fahrzeuge untereinander. Deshalb ist es unumgänglich, einige in der Realität variable Grössen wie z.B. die Umgebungstemperatur oder die Höhe über Meer auf einen bestimmten Bereich festzusetzen. Einige Autohersteller reizen zur Erfüllung der Emissionsnormen den Spielraum, den der Gesetzgeber setzt, mit zum Teil eher fragwürdigen Begründungen maximal aus. Dies ist weder für Automobilisten noch für Garagisten eine angenehme Situation. Beide verlassen sich darauf, dass die beim Hersteller bestellten Produkte nicht nur unter idealisierten Bedingungen einen möglichst geringen Schadstoffausstoss aufweisen.

Wie soll der Garagist reagieren, wenn ihm ein Kunde Fragen stellt oder gar Vorwürfe macht?
Es ist wichtig, bei solchen Diskussionen sachlich zu bleiben. Natürlich stellt die Position des Garagisten als Schnittstelle zwischen Konsument und Hersteller eine Herausforderung dar. So muss er sowohl Verständnis für das Anliegen des Kunden äussern als auch im Sinne der durch ihn vertriebenen Fahrzeugmarke handeln. Für weiterführende Informationen, Gesprächsleitfäden oder kulante Lösungen erhalten die Garagisten in der Regel auch Unterstützung durch ihren Fahrzeuglieferanten bzw. Importeur.

Wie wird der Garagist bei diesem Thema vom AGVS unterstützt?
Der AGVS hat stets ein offenes Ohr für die Anliegen seiner Mitglieder und hilft sowohl bei rechtlichen als auch technischen Anfragen gerne weiter. Er unterstützt die AGVS-Garagisten mit sachlichen und fundierten Informationen.

Ist das der Anfang vom Ende für den Diesel?
Nein. Dieselmotoren sind aufgrund ihres besseren Wirkungsgrades nach wie vor sparsamer als vergleichbare Benzinmotoren und tragen damit zu tieferen CO2-Emissionen bei. Aufgrund der aufwendigeren Abgasreinigung kosten Dieselmotoren in der Regel zwar mehr als vergleichbare Benzinmotoren. Gerade für Vielfahrer lohnt sich jedoch die Investition, da der Mehrpreis beim Fahrzeugkauf mit der Zeit durch die geringeren Treibstoffkosten mehr als kompensiert wird. Dieselmotoren stossen bei korrekt konzipierter und einwandfrei arbeitender Motorregelung, Einspritzung und Abgasreinigungsanlage in betriebswarmem Zustand sehr wenige Schadstoffe aus. Damit können sie die strengen Abgasnormen sowohl bei der Homologation als auch im Praxiseinsatz erfüllen. Den besten Beweis liefern die seit einiger Zeit bei schweren Nutzfahrzeugen mit Euro-VI-Technologie eingesetzten Dieselmotoren. Auch bei Personenwagenherstellern finden sich immer mehr effiziente Dieselmotoren, die nicht nur auf dem Rollenprüfstand, sondern auch im täglichen Einsatz auf der Strasse die geltenden Emissionsnormen erfüllen. Damit stehen die Zeichen gut, dass der Dieselmotor auch die strengeren Bedingungen des WLTP-Zyklus, der im Verlauf des nächsten Jahres eingeführt werden wird, erfüllen wird.

Hier können Sie den Kassensturz-Beitrag nochmals sehen!
 

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