Rolf Erbs Tod: letzter Akt des Familiendramas

10. April 2017 agvs-upsa.ch – Rolf Erb wurde laut Blick am vergangenen Samstag tot in seinem Schloss in Salenstein TG aufgefunden. Sein Tod ist das tragische Ende eines der grössten Dramen im Schweizer Autogewerbe.

Links die Mitsubishi-Garage in der Steig, eines der ersten, mehrstöckigen Garagengebäude der Schweiz. Rechts Familie Erb: Vorne Vater Hugo Jun., in der Mitte Sohn Rolf und hinten Sohn Christian Erb.

mbo. Von der kleinen Autowerkstatt zum ernstzunehmenden Gegenspieler der Emil Frey AG und der Amag. Die Erb-Gruppe aus Winterthur gehörte einst zu den Vorzeigeunternehmen im Schweizer Autogewerbe. Nach dem Tod des Firmenchefs Hugo Erb kam es 2003 zum grossen Knall.

Von der kleinen Werkstatt zum Imperium
Angefangen hatte alles 1920, als Hugo Erb Senior in Winterthur-Töss eine kleine Autowerkstatt eröffnete; 1927 wurde eine Garage angegliedert. Erb hatte Automechaniker gelernt und in München, wo er Werkstattchef einer Grossgarage war, die Meisterprüfung gemacht. Sohn Hugo Jun. (Jahrgang 1918) stieg 1946 ins Geschäft ein. Dieser kaufte seinem Vater die bestehende Ford-Garage ab und baute einige hundert Meter weiter Richtung Innenstadt ein neues Garagengebäude. In der Parkgarage konnten die Winterthurer ab 1951 Fahrzeuge der Marke Mercedes kaufen. 1954 begann Hugo Erb Jun. mit Auto-Finanzierungs-Geschäften, die sich zu einem sehr gewichtigen Ertragspfeiler der Erb-Gruppe entwickelten.

Leise, kraftvoll, Mitsubishi
Aber auch das Autogeschäft wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren schnell und schweizweit ausgebaut. Nebst der Übernahme von verschiedenen Garagen in Luzern und Ebikon kamen Fiat- und Opel-Vertretungen dazu. Erb wurde 1977 belächelt, als er die Mitsubishi-Generalvertretung übernahm. Das gewagte Unterfangen sollte sich aber auszahlen. Denn Mitsubishi wurde mit dem Slogan „Leise, kraftvoll, Mitsubishi“ und Walter Roderer national bekannt und beliebt. Später kamen noch Suzuki und Hyundai hinzu. Erb war nicht nur zu den grössten Autohändlern der Schweiz aufgestiegen, er war nun auch Importeur. In dieser Zeit war der Winterthurer Konzern ein ernst zu nehmender Gegenspieler der Emil Frey AG und der Amag.

In ihren besten Zeiten veräusserte die Erb jährlich 30'000 Neuwagen und Occasionsfahrzeuge, die gesamte Gruppe (inkl. Kaffee, Immobilien, Beteiligungen) setzte pro Jahr mehr als 4,4 Milliarden Franken um. Doch Mitte 1990er-Jahre geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, die sich mit dem Tod von Hugo Erb jun. Mitte 2003 zuspitzten und schliesslich mit einem der grössten Firmenkonkurse der Schweiz endeten. Der Schuldenberg belief sich auf gigantische 2,3 Mrd. Franken. Hugos Sohn Rolf, der zuletzt die operative Leitung des Konzerns innehatte, musste sich dafür vor Gericht verantworten. Das Verfahren gegen Rolf Erb zog sich bis Mitte September 2015 hin. Dann sprach ihn das Bundesgericht des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Urkundenfälschung und der Gläubigerschädigung schuldig. Rolf Erb wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Die Strafe hätte der 65-Jährige im Mai antreten müssen.

 

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