«Mission Mobilität»

Die Rolle des Garagisten: was ändert – und was bleibt.

Am «Tag der Schweizer Garagisten» 2018 erörterten kompetente Referenten und Diskussionsteilnehmer alle relevanten Aspekte rund um die Frage, was es für das künftige Geschäftsmodell des Garagisten bedeutet, wenn sich die Hersteller zunehmend in Richtung Mobilitätsdienstleister entwickeln. Beleuchtet wurden insbesondere unternehmerische Aspekte, aber auch die Auswirkungen auf die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden. Den Abschluss der Veranstaltung bildete das inzwischen schon traditionelle «Dîner des garagistes».
 

Eröffnung

«Der Garagist wird in Zukunft aktiver in Erscheinung treten müssen»: Mit einem Appell für Initiative und Mut, Neues anzupacken, eröffnete AGVS-Zentralpräsident Urs Wernli den «Tag der Schweizer Garagisten» 2018 in Bern. Die 800 Teilnehmer im ausgebuchten Kursaal erwartete ein reichhaltiges Programm mit spannenden Referentinnen und Referenten.

Die Autobranche stehe vor dem wahrscheinlich tiefgreifendsten Wandel ihrer Geschichte, sagte Urs Wernli zur Eröffnung des «Tag der Schweizer Garagisten» 2018. Das biete Chancen: «Das Nebeneinander diverser Technologien schafft neue unternehmerische Möglichkeiten, sich zu spezialisieren und eigenständige Dienstleistungen zu erbringen». Urs Wernli rief die AGVS-Mitglieder auf, die Zukunft mit Selbstvertrauen und Zuversicht anzugehen. Der Bedarf an individueller motorisierter Mobilität werde steigen, bleiben werde die Faszination Auto.

Keine Behinderung des Wettbewerbs
Die Digitalisierung basiere vor allem auf Daten über Kunden und deren Fahrzeuge und der Arbeit damit, sagte Urs Wernli, deshalb werde Konnektivität eines der Schlüsselthemen der Zukunft. Der freie und uneingeschränkte Zugang zu Fahrzeugdaten sei für den Garagisten deshalb von existenzieller Bedeutung. «Eine Behinderung des Datenzugriffs etwa durch die Hersteller ist nicht im Interesse der Automobilisten und damit auch nicht im Interesse der Hersteller und der Garagisten.» Wernli sprach sich damit klar gegen jegliche Form von Wettbewerbsbenachteiligung aus.

Digitalisierung

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Marc Walder: Er wolle aufrütteln, provozieren und inspirieren, sagte Marc Walder vor seinem Auftritt vor der Mittagspause am «Tag der Schweizer Garagisten» 2018. Der CEO des Medienunternehmens Ringier und Initiant von Digitalswitzerland hielt Wort.

Für seine Provokationen suchte sich Walder einen seiner Vorredner aus: TCS-Zentralpräsident Peter Götschi hatte gesagt, mit der Digitalisierung komme etwas auf die Branche zu, aber man habe noch Zeit. «Das ist die Untertreibung des Jahres», sagte Walder und zog Parallelen zur Medienindustrie: «Da war nicht ‚etwas im Gang‘. Das war ein Tsunami.»

Für 1,8 Milliarden Franken hat Walder den Medienkonzern Ringier in den letzten zehn Jahren umgebaut. Die erste Schwierigkeit bestand für ihn darin, die Aktionäre zu überzeugen: «Ringier ist 180 Jahre alt. Da stehen viele Oldtimer in der Garage, an den Wänden hängt teure Kunst. Der Leidensdruck war gleich Null, das Aktionariat 65-jährig und älter.» Walder stellte die fünfte Generation der Gründerfamilie vor die Wahl: «Entweder wir verkaufen oder wir transformieren das Unternehmen komplett. Und das wird teuer und schmerzhaft.» Zehn Jahre später generiert Ringier 62 Prozent seines Gewinns (EBITDA) im digitalen Bereich.

Die Disruption lässt sich sehr genau datieren: 2007 hat Apple-Gründer Steve Jobs das iPhone vorgestellt. «Apple erfindet das Telefon neu», sagte Jobs damals. Eine Untertreibung: Apple stellte die Wirtschaft auf den Kopf. «Das Smartphone entscheidet, ob Sie und Ihr Geschäft überleben. Wenn es Ihnen gelingt, damit mit Ihren Kunden zu kommunizieren, dann haben Sie vielleicht eine Chance. Wenn nicht, vergessen Sie es.»

40 Prozent des Traffics läuft heute über mobile Endgeräte, 2020 werden es laut Walder 60 Prozent sein. Am Beispiel von Autoscout24 zeigte Walder die zunehmende Bedeutung des mobilen Traffics: Von täglich 445’000 Sessionen erfolgen 334’000 über mobile Geräte. Autoscout24 ist ein gutes Beispiel dafür, wie Walder die digitale Transformation von Ringier vorangetrieben hat: «Wir waren nicht besonders innovativ. Wir haben vor allem geschickt eingekauft und diese Firmen clever weiterentwickelt.» 2014 hat Ringier Autoscout24 gekauft, heute gehört die Plattform zu je 50 Prozent dem Medienhaus und dem Versicherer Mobiliar.

Seinen Weckruf vor dem Mittagessen schloss Marc Walder mit einer kurzen Präsentation von Digitalswitzerland. Die Standortinitiative hatte Walder am WEF 2017 gegründet, heute gehören dem Netzwerk mehr als 100 Unternehmen an, unter anderen auch die Emil Frey Gruppe, BMW und Mercedes.


Prof. Andrea Back: «Hier steht eine Frau, die sich für Technik interessiert», stellte Dr. Andrea Back klar, kaum war sie von Moderator Patrick Rohr auf die Bühne gebeten worden. Die Professorin für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik der Hochschule St. Gallen schloss mit ihrem Referat an jenes von Hirnforscher Hans-Georg Häusel an, der die neurologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern zu einem Running Gag gemacht hatte.
 
Und auch Andrea Back stellte das menschliche Denken an den Anfang ihres Referats. Wir Menschen denken linear und unterschätzten dadurch exponentielle Veränderungen. Als Beispiel: 1894 hatte die Zeitung «British Times» geschrieben, dass bis 1950 jede Strasse in London von drei Metern Pferdemist bedeckt sein werde. «Lineares Denken macht zukunftsblind», stellte Andrea Back fest. Genau das mache uns den Umgang mit der Digitalisierung so schwer: «Die Entwicklung erfolgt exponentiell.»

Mit einer Gruppe von Studierenden entwickelte Andrea Back  mit dem AGVS als Antwort auf die Frage nach neuen Geschäftsprozessen die «Garagenvision 2025» mit ihren Konzepten «Service-Center», «Mobilitätsdienstleister» und «digitale Garage». Sie ermunterte die Tagungsteilnehmer, der Digitalisierung proaktiv und initiativ entgegenzutreten: «Probieren Sie aus, Lernen Sie dabei. Dann sind Sie gut vorbereitet für den Punkt, an dem die Veränderung tatsächlich eintritt.»

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Einer, der probiert und gelernt hat, ist Dominique Kolly, im AGVS-Zentralvorstand für den Bereich Nutzfahrzeuge zuständig. Der Garagist aus Le Mouret FR hatte früh die Bedeutung der Digitalisierung erkannt und entwickelte gemeinsam mit Software-Spezialisten eigene Informatiklösungen. «Ich habe viele Fehler gemacht, die Geld gekostet haben. Aber heute ist mein Betrieb effizienter.»
 
Auch Garagist Kurt Aeschlimann, der  mit Dominique Kolly die Zukunftsaussichten von Professorin Andrea Back einem Realitätscheck unterzog, betonte die Chancen der Digitalisierung. Aeschlimann ist im AGVS für die Digitalisierung zuständig und hat seinen Betrieb in Thun schon früh auf die digitale Reise geschickt. Im Alltag stosse er immer wieder an Grenzen: «Habe ich die Ressourcen, um 10’000 Ersatzteile zu erfassen? Wie bringe ich drei Hersteller unter einen Hut? Tools existieren, aber was ist mit den Schnittstellen?» Aeschlimann sah die Zukunft für KMU in Kooperationen und nannte als Beispiel die Plattform Garagino, mit der die ESA den Garagisten ein digitales Werkzeug zur Verfügung stellt.
 

Entwicklung, Folgen und Ausblick

Ferdinand Dudenhöffer: Spannende Zukunftsaussichten präsentierte Professor Ferdinand Dudenhöffer. Zwar stellte er dem Autogewerbe bezüglich Digitalisierung ein durchzogenes Zeugnis aus: «Digitalisierung heisst heute eine Website mit einem Konfigurator.» Als Beispiel für den Schritt in die Zukunft nannte er Tesla und dessen Vertriebsmodell mit Stores in den Städten und Servicestellen ausserhalb der Ballungszentren. Der Autopapst prognostizierte auch, dass die Bedeutung des Carsharings massiv an Bedeutung gewinnen werde – wenn vielleicht auch in unterschiedlichem Tempo, wie er pointiert bemerkte: «In Deutschland wird es mit allen Diskussionen wohl eher 2035, bis autonome Taxis die Regel sein werden. Bis dann fahren die Chinesen schon mit Autos auf dem Mond.»

Dennoch sieht er die Zukunft für die Garagisten nicht schwarz, wie er sich an die rund 800 Teilnehmenden im Kursaal Bern wandte. «Man muss sich heute Gedanken machen über die Rolle von morgen», so der Rat des Autopapsts. Vor allem der Neuwagenhandel werde andere Kanäle finden. In Grossstädten sei dieser im Moment zu kostenintensiv. Neue Player wie Amazon würden auf den Markt drängen. «Aber Wartungsarbeiten kann und will Amazon nicht machen», sagte Dudenhöffer. Diese Veränderung werde aber nicht morgen passieren, sondern erst übermorgen: «Sie haben Zeit, sich vernünftig damit zu beschäftigen.»

Das Referat von Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist erhältlich unter: ferdinand.dudenhoeffer@uni-due.de 



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Gerhard Schürmann und Jean-Charles Herrenschmidt: Die Folgen des Wandels für den Garagisten standen im Zentrum des Doppelinterviews, das Moderatorin Mélanie Freymond mit Jean-Charles Herrenschmidt, Garagist und Präsident des Europäischen Kraftfahrzeugverbands Cecra, und mit Gerhard Schürmann, CEO der Emil Frey Gruppe, führte.

Bei diesem Wandel steht die Digitalisierung im Vordergrund. Für Gerhard Schürmann ist sie mit ein Grund für die Wachstumsstrategie der Emil Frey Gruppe: «Ein Digitalisierungsprojekt kostet gleich viel, ob ich es nun für 50 oder für 100 Betriebe durchführe. Aber die Kosten pro Betrieb nehmen ab.» Es sind Skaleneffekte, wie man sie seit Henry Fords Modell T bei den Herstellern kennt. Wichtig bei der Digitalisierung sei eines, rief Schürmann den 800 Teilnehmenden am «Tag der Schweizer Garagisten» 2018 zu: «Man muss den Mut haben, Fehler zu machen.» Die Impulse für Digitalprojekte kommen bei Emil Frey nicht aus der Zentrale, sondern von den Betrieben. Schürmann führt seine Betriebe und Marken nach dem Subsidiaritätsprinzip.
 
Als Garagist müsse man sich die Frage stellen, wo man investieren wolle, ergänzte Jean-Charles Herrenschmidt: «In den Showroom oder in die digitale Welt?» Entscheidend sei letztlich der Kontakt zum Kunden: «Ob in der Garage oder im Internet. Im Zentrum steht die Kundenerfahrung.» Im Handel sei der persönliche Kontakt noch immer ausschlaggebend.

Eine Aussage von Renault-CEO Carlos Ghosn, der damit rechnet, dass schon 2025 100 Prozent aller Fahrzeuge konnektiv seien und in wenigen Jahren jeder vierte Wagen ein Elektrofahrzeug sei, bildete den Impuls für eine Diskussion um die Antriebe der Zukunft. Gerhard Schürmann stellte die Frage in den Raum, ob wirklich 25 Prozent der Kunden ein Elektrofahrzeug kaufen möchten oder ob nicht vielmehr der Gesetzgeber mit den CO2-Grenzwerten die Hersteller dazu zwinge, 25 Prozent Elektrofahrzeuge zu verkaufen. «Ob diese Pläne aufgehen oder die Kunden bereit sind, CO2-Bussen zu bezahlen, um kein Elektrofahrzeug kaufen zu müssen, wird sich weisen.»
 

Dienstleistung und Kundenbeziehung

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Peter Goetschi, Luzi Thomann, Bettina Schmid: «Es gibt nicht den Automobilisten», erklärte Peter Goetschi zu Beginn seines Referats. Entsprechend unterschiedlich, so der TCS-Präsident, werden auch in Zukunft die Bedürfnisse der Automobilistinnen und Automobilisten sein. Er wies daraufhin, dass es auch in Zukunft Autos geben wird, die Personen von A nach B transportieren werden: «Und es wird Leute brauchen, die sich um die Autos kümmern werden.» Goetschi ist überzeugt, dass die Garagisten gegenüber Herstellern und Importeuren einen riesigen Vorteil besitzen: «Sie haben den persönlichen Kontakt, einen direkten Draht zum Kunden. Lesen Sie die Wünsche von den Lippen ab – das kann kein Informatikprogramm und keine Datenbank», forderte er die rund 800 Teilnehmenden der Branchenfachtagung im Kursaal auf.

Der Kunde werde weiterhin den persönlichen Kontakt wünschen und diesen Vorteil gelte es auszunutzen. «Wenn die Kunden vertrauen, dann bleiben sie auch treu», ist er überzeugt. Er forderte die Garagisten auf, auch Neues zu wagen – wie es der AGVS mit dem AutoEnergieCheck gemacht habe. In einer Podiumsdiskussion brachten Bettina Schmid von der Garage B. Schmid in Reinach BL sowie Luzi Thomann von der Thomann Nutzfahrzeuge AG in Schmerikon SG praktische Beispiele aus ihrem Alltag mit. «Unsere Kunden erwarten von uns flexible Handhabung mit Terminen. Und wir wollen ihnen ein Lächeln schenken, wenn sie zu uns kommen. Es sind die kleinen Sachen, die wichtig sind», erzählte Bettina Schmid. Und Luzi Thomann, dessen Betrieb 40 verschiedene flexible Arbeitszeiten kennt, sagte: «Wir haben nicht viel Kundenkontakt – umso mehr müssen wir diesen nutzen.»


Dr. Hans-Georg Häusel: Eine Autowerbung weckt das Interesse – dieser Gedanke lässt den Kunden nicht mehr los, bis er sich das Prachtstück im Showroom seines Garagisten ansieht – und hoffentlich kauft. Doch wie funktioniert der Prozess des Kaufentscheids im Hirn des Kunden konkret? Und wie kann ich diesen als Garagist beeinflussen? Dr. Hans-Georg Häusel, Psychologe und Vordenker des Neuromarketings, brachte dies den Besuchern des «Tag der Schweizer Garagisten» 2018 auf humorvolle Weise näher.

Und beim Humor beginnt das Marketing bereits. Seit wenigen Jahren herrsche in der Hirnforschung der Konsens, dass das limbische System, das der Verarbeitung von Emotionen und der Entstehung von Triebverhalten dient, das absolute Sagen hat. «Alles, was keine Emotionen auslöst, ist für unser Gehirn wert- und bedeutungslos.» Ein verlässlicher Partner? Ein effizienter Alltagshelfer? Eine wahrte Granate? Das Auto ist sowohl im Showroom als auch im Kundengespräch emotional in Szene zu setzen und mit Wertvorstellungen in Verbindung zu bringen. Genauso die menschlichen Werte einer Garage. «Geben Sie Ihrem Betrieb ein Gesicht, eine Identität», legte es der Münchner Marketingpionier den Anwesenden näher. Denn genau diese DNA hinterlasse in der immer anonymeren, digitaleren Welt einen lang anhaltenden Effekt. Fest stehe: «Kunden verfügen nicht über einen, sondern über viele verschiedene Kaufknöpfe», betonte Häusel – eine Chance für Garagisten, Digitalisierung hin oder her.

Aus- und Weiterbildung

Pierre Dillenbourg, Olivier Maeder, Flavio Helfenstein: Professor Pierre Dillenbourg machte auf lebendige Weise klar, dass sich in den letzten 100 Jahren zwar das Automobil rasant verändert hat, aber Klassenzimmer im Grunde noch gleich aussehen wie 1918. «Wir vermitteln Wissen, das der Vergangenheit angehört. Wir müssen in der Ausbildung umdenken», forderte der Professor der ETH Lausanne. Als Beispiel nannte er die Lehre der Statik bei Zimmerleuten: «Wir entwickelten eine App, dank der mit erweiterter Realität statische Probleme ohne mathematische Kenntnisse gelöst werden können.»
 
Als zweite Problematik wies Dillenbourg darauf hin, dass Lernende von heute erst 2065 pensioniert werden. «Wir haben keine Ahnung, wie das Auto 2065 aussehen wird – ob es noch fährt oder fliegt. Das heisst, wir bilden für eine unbekannte Zukunft aus», führte Dillenbourg aus. Lernende in der Automobilbranche müssten keine Software-Programmierer sein, aber Grundkonzepte der zukünftigen Systeme verstehen. «Die Lernenden müssen in Zukunft die Käufer schulen können.» Dillenbourg riet auch, dass Technologien, mit denen die heutigen Jugendlichen vertraut sind, nicht am Arbeitsplatz verboten werden sollten: «Sie sollten sinnvoll eingesetzt werden. Das Smartphone kann zum Beispiel für die Lehrdokumentation gut genutzt werden.»


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Im Anschluss diskutierten Olivier Maeder, zuständig für Bildung im AGVS, sowie Flavio Helfenstein, Berufsweltmeister 2011, über die aktuellen Trends in der Ausbildung. Dabei waren sich beide einig, neben dem Verständnis für die elektronischen Systeme auch die mechanischen Kenntnisse weiterhin wichtig sind. «Aber wir haben noch immer die Tendenz, einen Vergaser zu erklären. Das interessiert einen Lernenden von heute nicht mehr. Dafür haben wir die Weiterbildung zum Fahrzeugrestaurator», sagte Oliver Maeder.
 

Fazit

In seinem Fazit über den «Tag der Schweizer Garagisten» 2018 fand Professor Ferdinand Dudenhöffer sehr positive Worte: «Es war sehr beeindruckend!» Er wies auf die Gegensätze zwischen den Referaten von TCS-Zentralpräsident Peter Goetschi sowie jenem von Ringier-CEO Marc Walder hin: «Das eine war bewährend, traditionell – das andere hiess Speed, Speed, Speed.» Mit Augenzwinkern wiederholte er einige Aussagen des Tages – zum Beispiel einen kleinen Seitenhieb an die Adresse von Gerhard Schürmann, CEO der Emil Frey AG: «Sie investieren wie die Weltmeister – in die alte Welt.» Im gleichen Atemzug lobt Dudenhöffer die Arbeit ins Digitalisierungsteam. Eine wichtige Erkenntnis sei, dass man unverkrampft in die Zukunft gehe – «einfach nicht zu langsam». Kontinuierliche Verbesserung genüge indes nicht: «Die Glühbirne wurde nicht erfunden, weil die Kerze stetig verbessert worden war.»
 
Als wichtige Botschaft für die Garagisten gab ihnen Dudenhöffer mit: «Die Autobauer wissen, wie ihre Autos in zehn bis 15 Jahren aussehen werden. Stellen Sie bohrende Fragen! Lassen Sie nicht locker, wenn sie keine Antworten auf ihre Fragen erhalten.» Er habe viel Offenheit gespürt – auch in den Gesprächen während des Lunchs am «Tag der Schweizer Garagisten» 2018. Deshalb sei er optimistisch für die Zukunft der Schweizer Garagisten: «Sie investieren sehr viel – Herzblut und Geld. Sie schaffen das!»

Dîner des Garagistes

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AEC-Preisverleihung: «Ein Couvert habe ich nicht dabei. Denn wir wissen, selbst bei der Oscarverleihung kann das schiefgehen», leitete Markus Peter, Leiter Technik & Umwelt beim AGVS, auf die Preisverleihung zum AEC-Garagist des Jahres 2017 über und bat einen bekannten Gast auf die Bühne: Pierre-Yves Lüthi, Geschäftsleiter der Garage Moderne SA in Bulle. Seinem Team gelangen im abgelaufenen Jahr 1330 AEC, womit man aufgrund der «noch kleinen Zahl» AEC-Anbieter in seiner Region gut auf sich als Mobilitätsdienstleister und CO2-Optimierer aufmerksam machen könne, spornte er seine AGVS-Kollegen in der Romandie an.
 
Eine doppelte Überraschung zeichnete sich im Urnerland ab: Kein Kanton ist in Sachen AEC derart aktiv wie Uri. Dies wirkt sich auf die Jahreswertung aus, in der es wie schon vor Jahresfrist zwei Urner Betriebe aufs Podest geschafft haben. Die Garage Gisler AG aus Erstfeld erreichte mit 665 AEC den zweiten Platz, die Walker GmbH aus Altdorf wurde mit 598 AEC Dritte. Beide wurden am «Tag der Schweizer Garagisten» 2018 im Kursaal für dieses Engagement ausgezeichnet, wobei ein AEC-Dienstleister deutlich überrascht war: «Wir starteten im März mit dem AEC und rechneten nicht damit, gleich unter den besten Checkanbietern des Jahres zu sein», gab Mario Gisler von der gleichnamigen Garage zu.

Denn der Betrieb rund um den stellvertretenden Geschäftsführer und Automobildiagnostiker EFA tauchte 2017 praktisch aus dem Nichts auf. «Karl Baumann vom AGVS hat uns mehrmals besucht und motiviert», so der Juniorchef des Familienbetriebs. Mit Erfolg, sei das ganze Team doch derzeit äusserst motiviert und engagiert. Eine Haltung, die auf die Kunden überschwappe, wie der junge Urner betonte. Es brauchte einen Mentalitätswandel im Team, um einen bei der Kundschaft zu erreichen. Ein Schlusswort ganz im Sinne Markus Peters: «In erster Linie geht es beim AEC um die Kundenbindung. Man leistet etwas mehr, als vom Kunden erwartet wird – das kommt an.»
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Norbert Haug und Mario Illien: Einen sportlichen Leckerbissen gab es am «Dîner des garagistes»: Norbert Haug und Mario Illien kramten in gemeinsamen Erinnerungen aus gar nicht mal so lange vergangenen Formel-1-Zeiten. Der Mercedes-Motorsportchef und der Konstrukteur sind die Väter des WM-Titels von Mika Häkkinen im Jahr 1998 im McLaren-Mercedes. Zur Einstimmung auf den Talk gab es bewegte Bilder aus Suzuka vom 1. November 1998, als der Finne eine 43-jährige Durststrecke für Mercedes beendete.

Sie hätten diese Bilder nie gesehen, eröffneten sowohl Illien wie auch Haug dem staunenden Auditorium. «Es fühlt sich an, als ob es gestern gewesen wäre», meinte Haug, er erinnere sich an jeden Moment. Und dann erzählte der frühere Journalist von der grossen Spannung, vom Abbruch des ersten Startes, weil Jarno Trulli den Motor abgewürgt hatte, vom zweiten Startversuch, als Häkkinens grossem Konkurrenten Michael Schumacher dasselbe Malheur passierte, vom Fehler Häkkinens, der in seiner Nervosität das Mercedes-Triebwerk im Leerlauf in den roten Bereich gedrückt habe… Von der immensen Spannung an der Boxenmauer berichtete Mario Illien: «Das Rennen wollte kein Ende nehmen. Ein Ausrutscher, ein Fehler, ein Reifenschaden und alles ist vorbei.» Sowohl der Fahrer aus Finnland, die Reifen aus Japan (Bridgestone) und der Motor des Bündners Illien aus Brixworth in England hielten dem Druck stand.

2005 veräusserte Mario Illien die Aktien seiner Firma Ilmor, die er mit dem 2001 verstorbenen Paul Morgan gegründet hatte, an Mercedes. Die DNA ist geblieben: Heute werden in Brixworth die Triebwerke hergestellt, die in den letzten vier Jahren die Konstrukteurs-WM gewonnen haben. «Nicht der, der vorneweg fährt, ist schuld, wenn es langweilig ist, sondern der, der nicht hinterher kommt», stellte Norbert Haug zur jahrelangen Dominanz von Mercedes trocken fest. Der 65-Jährige ist froh, dass 2017 endlich wieder etwas Spannung in die Königsklasse zurückgekehrt ist.
 
Selber ist er kaum mehr in der Formel 1 anzutreffen. Er macht sich nichts aus VIP- und Hospitality-Bereichen: «Ohne Aufgabe in der Boxengasse herumzuhängen, wo ich früher gearbeitet habe? Das brauche ich nicht.» Mario Illien ist 68 und konstruiert noch immer Motoren. Den aktuellen 1,6-Liter-Turbos der Formel 1 kann er wenig abgewinnen: «Technisch sind sie eine ganz tolle Sache. Es ist fantastisch, wie der thermische Leistungsgrad auf 50 Prozent und mehr erhöht werden konnte.» Auf das Lob folgt ein grosses Aber: «1998 waren die Rennen noch geil (!), es hat gelärmt, es wurde gefightet. Heute sind die Rennen eine Prozession.» Motorsport wecke Emotionen: «Und da ist der Sound ein wichtiger Faktor.» Der fehlt heute weitgehend.
 
Von der Formel E, die 2018 erstmals in der Schweiz fährt, hält Mario Illien nur eines: Abstand. «Da muss ich nicht hin. Für mich sind das Rennen mit Staubsaugern.» Im Saal gab es Applaus für dieses Statement.
 
Mario Illien und Norbert Haug. Zwei Racer, zwei Legenden, zwei leidenschaftliche Motorsportler. «Diese Leidenschaft hält jung», stellte Haug fest: «Spät bremsen, früh aufs Gas und in der nächsten Kurve rausfliegen, ist eine gute Lebenseinstellung.»
 

Nächste Tagung – Datum Reservieren

Nach der Tagung ist vor der Tagung. Reservieren Sie sich schon jetzt den Termin des nächsten «Tag der Schweizer Garagisten». Er findet statt am:
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Tagungsort wird wieder der Kursaal in Bern sein. Über das Programm werden wir Sie selbstverständlich möglichst frühzeitig orientieren – via AGVS-Website, AUTOINSIDE und Newsletter.

Hinweis für Medienvertreter: Die Medienmitteilung zum «Tag der Schweizer Garagisten» 2017 finden Sie – wie alle AGVS-Medienmitteilungen – in unserem Medien-Corner.

 

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Ferdinand Dudenhöffer
«Wer kriegt die Kurve?»

 

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Stimmen zur Tagung

«Als Entscheidungsträger sind wir heutzutage alle gestresst. Darum ist dieser Tag für die Branche so wichtig: 800 Entscheidungsträger einer Branche sitzen in einem Raum, hören die Referate und beschäftigen sich mit der Zukunft und ihren Herausforderungen. Für mich geht dieser Event unter Aus- und Weiterbildung, weshalb wir ihn auch als Sponsor gerne unterstützen.»

Marc Kessler, CEO Quality1 AG


«Der Tag der Schweizer Garagisten ist eine Plattform, an der sich die ganze Branche trifft. Wir treffen hier viele unserer Kunden und können uns mit ihnen austauschen. Autoscout24 unterstützt diesen Anlass als Partner, weil wir hier Zeit haben, einen Blick in die Zukunft zu werfen und unser Netzwerk zu pflegen. Es ist zudem wichtig, dass das Autogewerbe medial wahrgenommen wird, schliesslich geht es um viele Arbeitsplätze.»

Christoph Aebi, Director AutoScout24


«Dieser Tag zeigt, dass wir alle denselben Kunden haben, nämlich den Endkonsumenten. Es muss in unserem gemeinsamen Interesse sein, dass wir diesen Kunden für unser Produkt begeistern.»

Andreas Burgener, Direktor Auto-Schweiz


«Der Tag der Schweizer Garagisten ist eine Branchenzusammenkunft, die den Teilnehmern wichtige Impulse gibt.»

Giorgio Feitknecht, CEO der ESA

«Ich freue mich jedes Jahr auf diesen Tag und die spannenden Referate. Die Agenda war nie so gut wie 2018. Die Themen sind sehr gut durchmischt und – was mir wichtig erscheint – es kommen auch Garagisten zu Wort.»

Dieter Jermann, Area Director Central Europe, Pirelli Tyre (Suisse) SA


«Wir sind mit der ganzen Klasse am Tag der Schweizer Garagisten. Mir gefällt die Themenwahl ausgesprochen gut, angefangen beim Motto Mission Mobilität: Damit muss sich der Garagist in seiner täglichen Arbeit auseinandersetzen.»

Rolf Schürpf, Geschäftsleiter Aftersales Binelli Zürich-City AG, in Weiterbildung zum diplomierten Betriebswirt im Automobilgewerbe


«Für mich ist der Tag der Schweizer Garagisten der beste autogewerbliche Anlass der Schweiz. Ich erhalte hier News aus der Branche und viele Informationen, was das Gewerbe bewegt. Es ist auch ein toller Anlass, um Networking zu betreiben.»

André Frey, Figas


«An diesem Event werden die Themen der Zukunft angesprochen. Für uns ist der Tag wichtig als Branchentreff. Als Dienstleister brauchen wir den persönlichen Kontakt.»

Toni von Dach, Figas


«Dieser Event verschafft mir die Möglichkeit, aus erster Hand News aus der Branche zu erhalten. Ich kann hier mein Netzwerk pflegen und auch Leute aus dem AGVS treffen. Da ich zum ersten Mal als SAA-Präsident hier bin, bin ich sozusagen ein Newcomer…» (lacht)

Erhard Luginbühl, Präsident Swiss Automotive Aftermarket


«Wir befinden uns mitten in der Digitalisierung. Heute können wir schauen, ob die Garagisten wach sind, bereit sind, sich diesem Wandel mit Mut und Zuversicht entgegenzustellen. Es ist wichtig, dass wir jedes Jahr wieder auf die rasante voranschreitende Digitalisierung aufmerksam machen. Das tut diese Tagung.»

Bernadette Langenick, ehemalige SAA-Präsidentin, ihres Zeichens VR-Delegierte und Gründerin der auto-i-dat AG


«Ich erwarte mir von diesem Tag gute Gespräche mit interessanten Vertretern der Schweizer Automobilbranche. Das Tagungsthema ist derweil topaktuell: Die Garagisten müssen eine Balance zwischen Angst vor Veränderung und Zuversicht, dieser mutig entgegenzutreten, finden. Die Garagisten haben sehr gute, treue Kunden. Diese gilt es, durch die Digitalisierung zu begleiten und mit in die unternehmerische Zukunft zu nehmen.»

Sandro Piffaretti, CEO der Swiss Automotive Group


«Ich liess mich vom Inhalt der heutigen Fachtagung überraschen. Klar war, dass die grossen Herausforderungen des Autogewerbes zur Sprache kommen. Es wurden aber auch Visionen aufgezeigt. Auch wenn nicht alle Garagisten beim Thema Digitalisierung gleicher Meinung sind, halfen die Referenten, sich klar zu werden, dass die Entwicklung in unserem Beruf ein Prozess ist, auf den wir aufspringen müssen.»

Mario Gisler, stellvertretender Geschäftsführer der Garage Gisler GmbH Erstfeld, Automobildiagnostiker EFA, Strassenhelfer mit EFA


«Wir möchten bei der Promotion von Erdgasfahrzeugen näher mit dem AGVS zusammenarbeiten. Die heutigen Referate haben gezeigt, dass die Mobilität und somit auch der Verband der Schweizer Garagisten vor einem Umbruch stehen. Die Erdgasmobilität bietet eine veritable Alternative zur Elektrifizierung der Antriebe, die aber bei Garagisten und somit auch auf Kundenebene noch zu wenig bekannt ist, aber eine grosse Zukunft vor sich hat.»

Hans Wach, CEO Gasverbund Mittelland AG (GVM) mit Sitz in Arlesheim


«Ich war erstaunt, wie professionell die Tagung aufgezogen war und welch tolle Referate wir zu hören bekamen. Wir machten uns fleissig Notizen. Wir sind eine Garage in Stadtnähe, in Sachen Verkaufszahlen und Kundenbedürfnisse haben wir Luft nach oben. Wir nehmen diverse Inputs mit nach Hause und wollen uns kreativere Marketingmodelle überlegen.»

Philipp Bürgi-Meier, Garage Otto Meier AG, Flaach
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Impressionen vom «Tag der Schweizer Garagisten» 2018