«Das Auto wird kühlschrankartiger»

Vergangenheit prägt die Zukunft

«Das Auto wird kühlschrankartiger»

17. Januar 2023 agvs-upsa.ch – Ohne Vergangenheit keine Zukunft: Technikhistoriker Kurt Möser erläuterte in einer kurzweiligen Zeitreise, wieso Autofaszination einst den Verbrenner am Elektroauto vorbeiziehen habe lassen, weshalb das Zukunftsauto «kühlschrankartiger» werde – und was die heutigen Klimakleber antreibe.

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Zeitreise durch Autohistorie und -zukunft: Technikhistoriker Kurt Möser am «Tag der Schweizer Garagisten».

tpf. «Geschichte ist eine gute Lehrmeisterin, aber sie hat oft verdammt schlechte Schüler», sagt Kurt Möser, deutscher Technikhistoriker, Buchautor und ehemals Professor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) als Einleitung zur Zeitreise von der Vergangenheit in die Zukunft des Automobils. Mösers von vielen historischen Bildern begleiteter Vortrag beginnt nicht etwa 1886 mit der Erfindung des Autos im heutigen Sinne durch Carl Benz, sondern um 1900. «Denn da wurde neu ausgehandelt, was das Auto eigentlich ist», merkt Möser an.

«Benz wollte Familienwagen», so Möser, «aber die Kunden eine Abenteuermaschine – und Geschwindigkeit!» Diese kundengetriebene Entwicklung habe das Rennen um die Antriebstechnologie entschieden. «Es herrschte Technologieoffenheit: Elektro, Benzin, Dampf. Man erwartete, dass das Jahrhundert der Kohle vom Jahrhundert der Elektrizität abgelöst wird.» Doch der Verbrenner gewann, «weil man sich mit ihm in die Wildnis wagen konnte, infrastrukturunabhängig war. Die Nutzer wollen nichts Vernünftiges. Das Auto war die Herausforderung, die Welt zu erobern.» Und sei auch kein Verkehrsmittel, sondern «Faszinationsgeschichte.»

Dann referiert Möser kurz über das Auto als ästhetisch inszeniertes Objekt, als «Freiheitsmaschine» und kommt zum «demokratischen Auto»: Je nach Land wurde das Auto von den 1920er- bis 1950er-Jahren und vom Ford Model T bis VW Käfer zum Auto für alle. «Wir haben weltweit 1,3 Milliarden Privatautos, die Zahl hat sich seit der Jahrtausendwende verdoppelt», führt Möser als Grund an, weshalb das Auto ab den 1960er-Jahren in die Kritik geriet. «Das Auto wurde zum Kapitalismussymbol. Deshalb hat es Symbolcharakter, sich auf der Strasse festzukleben – man blockiert das Auto, weil man mit dem System nichts mehr zu tun haben will.» Doch habe «die Kritik das Auto stärker gemacht.» Es sei dadurch sicherer und umweltfreundlicher geworden.

Was lernt man aus Vergangenheit für die Zukunft? «Utopien scheitern häufig», sagt Möser und verweist auf Turbinenautos oder den Wasserstoffhype der frühen 2000er-Jahre. Möser resümiert: «Wir sollten offener über mögliche Zukünfte nachdenken.» Mösers Vision: «Das Auto wird kühlschrankartiger, weil Motoren elektrisch austauschbar werden. Aber wir werden für die nächsten Jahrzehnte ans Auto gebunden bleiben.» Am Ende fragt Moderator Röbi Koller nach, was Möser fährt. «Peugeot 407 SW von 2005 mit Dieselmotor», antwortet Möser und sagt: «Autos lange fahren! Das ökologischste Auto ist jenes, das nicht produziert wird.»
 
Die ausführliche Berichterstattung zum «Tag der Schweizer Garagisten 2023» lesen Sie im AUTOINSIDE 2/2023.



Alles über den «Tag der Schweizer Garagisten» 2023
erfahren Sie hier.

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