«Der Kunde ist keine Nummer»

Karl Heusi, CEO SAG Schweiz

«Der Kunde ist keine Nummer»

15. Juni 2022 agvs-upsa.ch – Mit Karl Heusi leitet ein neuer CEO die Geschicke der SAG Schweiz AG. Im Interview sagt er, dass die Freundlichkeit und die Flexibilität die wichtigsten Werte für erfolgreiche Geschäfte sind – sowohl für die SAG als auch für die Garagisten.

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Kontinuität gegenüber Kunden, Mitarbeitenden und Partnern: Der neue CEO Karl Heusi ist seit vielen Jahren eng mit der SAG verbunden und freut sich auf spannende Gespräche an der SAS. Foto: AGVS-Medien

kro. Sie, Herr Heusi, sind bei der SAG für die weitere Entwicklung in der Schweiz ­verantwortlich. Wo sehen Sie künftiges Geschäftspotenzial für den Garagisten – und damit für Sie?
Karl Heusi, CEO SAG Schweiz AG:
Die Fahrzeuge werden immer komplexer: Klimaanlage, automatische Getriebe, alternative Antriebssysteme und Fahrerassistenzsysteme finden sich mittlerweile in allen Fahrzeugklassen. Diese Systeme sollen gewartet und repariert werden. Wir unterstützen den Garagisten dabei. Zudem entwickeln wir die Geschäftssparten OE-Teile/Carrosserie (Normauto) und LKW-Teile (Matik) laufend weiter. 

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation bezogen auf Preisentwicklung und Warenverfügbarkeit? 
Wir stellen im PW-Bereich eine mehr oder weniger genügende Verfügbarkeit fest. Wir sind jedoch gespannt, wie viele der bestellten Reifen wir erhalten werden. Im LKW-Bereich gibt es Probleme bei einigen wichtigen Lieferanten.

In welchen Bereichen müssen sich Garagisten auf Preiserhöhungen vorbereiten?
Es gibt wahrscheinlich keinen Bereich mehr, der von den Preiserhöhungen ausgeschlossen ist.

Ihre Fahrzeuge versorgen täglich mehrmals Garagenbetriebe in der Schweiz. Wie geht die SAG mit den gestiegenen Treibstoffkosten um?
Nach einer längeren Beobachtungsperiode, in der sich die Situation nicht entspannt hat, sahen wir uns gezwungen, einen Teil der Preissteigerung an unsere Kunden weiterzugeben.

Wo sieht die SAG für sich selbst die grössten Herausforderungen, sowohl im Moment als auch in der mittelfristigen Zukunft? 
Die ständig steigenden Erwartungen der Endkunden an den Service, die Kompetenz und die Geschwindigkeit unserer Partner bedingen bei uns dieselben Verbesserungen in Bezug auf die Dienstleistungen. Unsere Prozesse werden schneller, effizienter, durchgängiger und digitaler. Alternative Antriebstechniken verändern zudem den Markt und unser Gewerbe. Wir bereiten uns entsprechend vor.

Eine grössere und dauerhafte Herausforderung für das Autogewerbe ist die Digitalisierung. Wie unterstützt die 
SAG den Garagisten bei einer sinnvollen Digitalisierung?

Die Digitalisierung ist seit längerem im Gange. Ich denke dabei zum Beispiel an die Garagensoftwares mit Online-Terminvereinbarung und der Möglichkeit von Online-Bestellungen. Der nächste Schritt ist die Ferndiagnose. Unsere Firma nahm seinerzeit eine Pionierrolle bei Online-Bestellungen ein und baute schon bald darauf die Schnittstelle zu den verschiedensten Garagensoftwares. In der jüngsten Vergangenheit haben wir zudem die Rapid-Box-App zur Autoteilebestellung auf den Markt gebracht. Und an der Swiss Automotive Show werden wir unsere Kunden mit weiteren Neuigkeiten überraschen.

Im Autogewerbe sind Konzentrationstendenzen sichtbar. Grössere Betriebe übernehmen kleinere Betriebe. Wie  beobachtet die SAG die Entwicklung im Autogewerbe und was geht Ihnen dabei persönlich durch den Kopf?
Die von Ihnen angesprochene Konzentration findet bei den Markengaragen statt – die Importeure wollen mit einem immer kleineren Netz und immer grösseren Partnern die Schweiz abdecken und Autos am liebsten nur noch online und direkt verkaufen. Der Endkunde will aber einen Partner vor Ort, in seinem Tal, in seinem Bezirk, idealerweise in seinem Ort. Dieses Bedürfnis deckt die freie Garage ab. Dies tut sie mit Freundlichkeit, Flexibilität und dem Pluspunkt, dass die Kunden vom Chef und der Chefin persönlich bedient werden. Zudem gibt es jeden Tag neue Mechaniker, die sich selbstständig machen und die wir tatkräftig dabei unterstützen.

Eine der grossen Herausforderungen ist der sich immer stärker abzeichnende Fachkräftemangel. Hat die SAG Möglichkeiten, das Autogewerbe hier zu unterstützen?
Nur beschränkt. Durch einfache und zuverlässige Prozesse sorgen wir dafür, dass sich die Fachkräfte auf die Reparatur konzentrieren und die Administration möglichst einfach abwickeln können.

Wenn Sie selbst Garagist wären, worauf würden Sie sich heute im Hinblick auf morgen konzentrieren?
Das Wichtigste ist die Freundlichkeit und die Flexibilität. Das war schon gestern so und gilt heute und morgen immer noch. Der Kunde ist keine Nummer, sondern ein Mensch, der als solcher wahrgenommen werden will. Technologisch gilt es ganz klar am Ball zu bleiben. Der Wandel findet statt.
 
Über Karl Heusi 
Seit dem 9. Mai 2022 leitet Karl Heusi die SAG Schweiz AG. Er ist seit vielen Jahren eng mit der Swiss Automotive Group verbunden. Von 2008 bis 2013 leitete er erfolgreich die Derendinger Schweiz AG und übernahm im Anschluss leitende Funktionen in Gesellschaften ausserhalb der SAG, die jedoch zur Unternehmensgruppe des Hauptaktionärs gehören. Im Jahr 2016 kehrte er zur SAG zurück und zeichnete fortan für die Märkte Spanien, Italien und Belgien verantwortlich. Im Oktober 2021 übernahm er zusätzlich die Führung der Normauto AG.

Auf die Frage, inwiefern sich der Markt in Italien und Spanien von der aktuellen Situation hierzulande unterscheidet, sagt Karl Heusi: «Die Herausforderungen sind dieselben. Allerdings geht die «Elektrifizierung» gemächlicher voran wie in der Schweiz.» Als CEO der SAG Schweiz AG verfolgt er nun den eingeschlagenen Wachstumskurs mit Fokus auf die Kundenzufriedenheit weiter. 
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