Neue Frauen braucht der Verband – und ein Besuch aus der Zukunft

13. Juni 2019 agvs-upsa.ch – Barbara Germann heisst die neue Frau im Zentralvorstand des AGVS. Die 99 Delegierten in Unterägeri wählten die Berner Oberländerin einstimmig in das nunmehr elfköpfige Gremium. Zentralpräsident Urs Wernli forderte von der Politik eine zügige Beseitigung der Engpässe im Nationalstrassennetz – und erhielt Besuch aus einer fernen Zukunft.


 
sco/kro. 2019 ist ein Wahljahr. Entsprechend prägte die Politik die AGVS-Delegiertenversammlung in Unterägeri. Die Prognosen des Bundes lassen wenig Raum für Interpretationen: Der motorisierte Individualverkehr soll bis 2040 um 18 Prozent zunehmen, der Güterverkehr auf der Strasse sogar um einen Drittel. «Wir sprechen hier von der Steigerung in den nächsten 20 Jahren. Das ist angesichts der Langfristigkeit von Strassenbauvorhaben eigentlich schon morgen», stellte AGVS-Zentralpräsident Urs Wernli in seinem Referat fest: «Strassenbenutzer werden also noch öfter im Stau stehen.» Der volkswirtschaftliche Schaden ist erheblich. Die Staukosten betragen schon heute jährlich gegen 1,8 Milliarden Franken. Wernli forderte, dass nun «dringend der notwendige Ausbau der Strasseninfrastrukturen» umgesetzt und Engpässe beseitigt werden müssen.
 
Vizepräsident Pierre Daniel Senn blickte auf den 20. Oktober 2019, wenn das Schweizer Stimmvolk National- und Ständerat neu wählt, und warnte vor einem Rutsch in Richtung links und grün. «Engagieren Sie sich in Ihren Sektionen! Unterstützen Sie jene Kandidaten, die automobil- und wirtschaftsfreundlich politisieren!», rief Senn den Delegierten und zahlreichen Gästen zu. Angesichts der Tatsache, dass die Schweiz pro Kopf schon heute weniger CO2 ausstösst als der globale Durchschnitt und in der Summe für exakt 0,1 Prozent der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich ist, forderte Senn, dass die CO2-Steuern nicht erhöht werden.
 
Sicher wirtschaftsfreundlich politisiert Heinz Tännler. Der Regierungsrat und Finanzdirektor des Gastgeberkantons überbrachte die Grüsse der Zuger Kantonsregierung. Der SVP-Magistrat kandidiert im Herbst für einen Sitz im Ständerat. «Im Kanton Zug fahren viele wunderschöne Autos herum. Hier können Sie gute Geschäfte machen», sagte Heinz Tännler, an die anwesenden Garagisten gerichtet. Der Kanton Zug als florierender Wirtschaftsstandort habe in den letzten Jahren ein «exorbitantes Bevölkerungswachstum» erlebt: «Das stellt uns vor raumplanerische Herausforderungen.» Erst vor wenigen Wochen überwies der Kantonsrat ein Postulat, das den Klimanotstand in Zug ausrufen will, erinnerte Tännler und machte keinen Hehl aus seiner Sicht der Dinge: «Für Sie gilt es jetzt eines zu tun: Werfen Sie bei den nationalen Wahlen im Oktober den richtigen Zettel ein!»
 
Die Mitglieder des Zentralvorstandes informierten über ihre Geschäftsbereiche. Dominique Kolly, verantwortlich für den Bereich Nutzfahrzeuge, stellte fest, dass der Bestand an leichten Nutzfahrzeugen (bis 3,5 Tonnen) seit Jahren steigt, während die Lastwagen auf knapp 50'000 Einheiten verharren. «Der Dieselmotor bleibt die wichtigste Antriebstechnologie», stellte Kolly im Hinblick auf die Diskussion um alternative Antriebe fest. Eine Herausforderung sind die CO2-Grenzwerte, die 2020 auch für Nutzfahrzeuge gelten. Nutzfahrzeuge sind heute schon sehr auf Energieeffizienz getrimmt, zudem ist der Handlungsspielraum der Hersteller hinsichtlich Aerodynamik klein.
 
Auch Markus Hesse (Bereich Handel) ging auf das Thema Antriebstechnologien ein. Er forderte von der Politik «sachliche und nachhaltige Informationen, Objektivität statt Polemik». Die Verunsicherung der Konsumenten sei auch eine Chance für die Garagisten: «Unsere Kunden vertrauen uns und hören auf unseren Rat.» Nachdem 2018 im Neuwagenhandel die Marke von 300'000 Fahrzeugen knapp verpasst worden war, rechnet Hesse mit einem stabilen 2019. In den ersten sechs Monaten nahm der Absatz von Neuwagen um 1,5 Prozent zu. Weiter steigend ist der Anteil der 4x4-Fahrzeuge. Erneut rückläufig sind die Direktimporte. Hesse: «Für uns Markenhändler heisst dies, dass wir ein attraktives Preisgefüge haben.»
 
Charles-Albert Hediger blickte auf die Swiss Skills im September in Bern zurück, wo der AGVS mit den Berufsmeisterschaften und einem grossen Stand Präsenz markierte. «Der AGVS nutzte den herausragenden Anlass, um bei vielen Jugendlichen das Interesse an Autoberufen zu wecken und über die Chancen in unserem Gewerbe zu informieren.»
 
Und dann kam der Besuch aus der Zukunft: René Degen alias Dr. Emmett Brown landete in seinem DeLorean aus dem Jahr 2070. Die Mobilität habe sich seit 2019 verändert, so Degen. Sharing beispielsweise sei kein Randphänomen mehr, aber die Schweizer Garagisten hätten sich mit der Partnerschaft mit der Genossenschaft Mobility gut auf diesen Trend vorbereitet. Degens oder Browns wichtigste Botschaft: «Auch in der Zukunft haben die Menschen und nicht die Roboter das Sagen.»
 
Zurück im Jahr 2019 präsentierte Vizepräsident Manfred Wellauer die Finanzzahlen eines gesunden Verbandes: Bei einem Ertrag von 14 Millionen Franken resultierte ein Jahresgewinn von 15'000 Franken. Dabei hielten sich Rückstellungen und ausserordentliche Gewinne praktisch die Waage. Auch für das laufende Jahr budgetiert der AGVS einen Gewinn von rund 77'000 Franken. «Sie können versichert sein, dass wir mit den Mitteln haushälterisch umgehen», sagte Wellauer den 99 Delegierten. Die Mitgliederbeiträge bleiben unverändert.
 
Einstimmig in den Zentralvorstand gewählt wurde Barbara Germann von der AGVS-Untergruppe Berner Oberland. Die verheiratete Mutter zweier Söhne ist nach Gisela Rohrbach (1998 bis 2000) erst die zweite Frau im obersten Führungsgremium der Schweizer Garagisten.
 
Zum Abschluss der Delegiertenversammlung bat Urs Wernli André Hefti und Olivier Rihs auf die Bühne. Urs Wernli dankte André Hefti für seinen langjährigen Einsatz für den Auto-Salon in Genf, den er als «Fest für die ganze Branche» bezeichnete. André Hefti bedankte sich im Gegenzug für die Treue der Garagisten zum Salon. Dessen Zukunft werde keine einfache sein: «Es hat Hürden. Aber ich bin überzeugt, dass Olivier das gut machen wird.» Sein Nachfolger Olivier Rihs sieht für Genf mehr Chancen als Risiken: «Es wird in Zukunft weltweit noch drei Plattformen für die individuelle Mobilität geben; eine in Nordamerika, eine in Asien und eine in Europa. Wir haben die einmalige Chance, dass wir diese Plattform in Europa sein werden.»
 
Nach rund 2,5 Stunden schloss Urs Wernli die 42. Delegiertenversammlung des AGVS und bat zum Apéro. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die schweren Wolken verzogen, die am frühen Morgen für heftige Regenfälle in der Zentralschweiz gesorgt hatten und eine milde Juni-Sonne erwartete die Delegierten und Gäste vor der Ägerihalle. Ein gutes Omen für die Schweizer Garagisten?
 
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