«Ich will Genf zum einzigen europäischen Salon machen»

25. Oktober 2018 agvs-upsa.ch – Der zukünftige Direktor des Auto-Salons Genf Olivier Rihs lässt sich in einem Interview mit der «Automobil Revue» in die Karten blicken, in welche Zukunft er den Salon führen möchte.

srh. Messen, egal welcher Branche, haben derzeit einen schweren Stand. In der Schweiz machten unlängst die Schwierigkeiten der Messe Basel und namentlich der traditionellen Uhrenmesse Schlagzeilen. Doch auch um den Auto-Salon in Genf gab es zuletzt mit den Absagen von Opel, Ford und Volvo schlechte Nachrichten. In einem ausführlichen Interview mit der «Automobil Revue» gibt der zukünftige Salon-Direktor Olivier Rihs denn auch zu: «Wenn jeder in seiner Ecke seine eigenen Produkte ausstellt, dann ist das nicht mehr aktuell!»

Beobachter und Fragensteller
Noch hat Rihs sein Amt nicht einmal angetreten, doch das Interesse sei überwältigend: «In einem Monat hatte ich mehr Interviewanfragen als in zwölf Jahren als Chef von Autoscout24.» Dies unterstreiche die Geschichte des Salons, der 2019 bereits zum 89. Mal stattfindet. Dieser wird zum letzten Mal von André Hefti organisiert. «Ich werde viel beobachten, Fragen stellen, ich werde sämtliche Erwartungen der Branche festhalten und dann einen Aktionsplan für die nächsten drei bis fünf Jahre erstellen», erklärt Rihs. «Die Mobilität und vor allem das Auto bleiben wesentliche Themen. Der Mobilitätsbedarf wird weiter zunehmen.»

10 bis 40 Millionen Besucher
Der ehemalige Autoverkäufer in einer Peugeot-Garage machte sich schon ein Bild, in welche Richtung er den Salon bringen möchte. «Ein Salon kann für den Besucher viel interaktiver werden. Ausserdem kann man dank der erweiterten Realitäten Informationen über die Interessen der Besucher erhalten», sieht er vor allem in der Digitalisierung grosses Potenzial. «So könnte man sich zum Beispiel virtuell wie bei Google Street View umsehen. Mit einer solchen App kann man 10 bis 40 Millionen Besucher mehr erreichen.» Dies würde auch das oft bemängelte Preis-Leistungs-Verhältnis in Genf wieder besser machen. «Damit wird der Salon unumgänglich», sagt Rihs. Aktuell besuchen derzeit rund 650'000 Leute den Auto-Salon in der Palexpo.

Google am Auto-Salon
Rihs hat weitere Ideen: «Genf muss zur Diskussionsplattform für die Mobilität werden.» Laut Rihs wird die Mobilität zu einem eigenen Ökosystem: «Die Hersteller können sich nicht weiter auf das Auto beschränken. Sie müssen mit IT-Spezialisten und Dienstleistern kooperieren.» Schon heute arbeiten einige Hersteller mit Internetkonzernen zusammen. Deshalb sagt Olivier Rihs: «Für mich hat Google eindeutig seinen Platz in einem Salon der Zukunft.» Es gebe am World Economic Forum in Davos einen Workshop zum Thema Mobilität. Rihs fragt, warum dies in Zukunft nicht auch in Genf der Fall sein soll: «Das heisst, den Event für Vertreter aus Wirtschaft und Politik öffnen – die Mobilität der Zukunft findet gemeinsam statt.» Genf müsse zur Diskussionsplattform für die Mobilität der Zukunft werden.

Modernisierung der Infrastruktur
An eine Zukunft des Auto-Salons Genf glaubt Rihs: «Der Zeitraum im Frühjahr spielt uns in die Karten. Die Hersteller kommen dann generell mit ihren Neuheiten auf den Markt.» Gleichwohl ist ihm bewusst, dass es zu einem Verdrängungskampf unter den Messen kommen wird. «Die Marken werden immer genauer abwägen, wo sie wirklich ausstellen wollen», ist er überzeugt. «Meine Ambition ist es, Genf zum einzigen europäischen Salon zu machen.» Dafür braucht es auch Investitionen seitens der Infrastruktur: «Wenn ich die Unterstützung der Genfer Entscheidungsträger für die Modernisierung der Infrastruktur nicht erhalte, damit der Event weiterhin jährlich stattfindet und ein anderes Format bekommt, wird es schwierig.»

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