Schlechtere Umweltbilanz für E-Autos und E-Bikes

19. Dezember 2018 agvs-upsa.ch – Der Bundesrat will Elektromobilität fördern. Gleichzeitig relativiert der jüngste Umweltbericht des Bundes die Ökobilanz von elektrisch betriebenen Fahrzeugen.



abi. Vertreter der Automobil-, Elektrizitäts-, Immobilien- und Fahrzeugflottenbranche und deren Verbände sowie Vertreter von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden haben am 18. Dezember zusammen mit der abtretenden Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) eine gemeinsame Roadmap zur Förderung der Elektromobilität unterzeichnet. Ihr Ziel: Im Jahr 2022 sollen 15 Prozent der Neuzulassungen von Personenwagen Elektrofahrzeuge sein. Diese «Steckerfahrzeuge» – also reine Elektroautos und Plug-in-Hybride – seien dann selbstverständlicher Bestandteil des Strassenverkehrs in der Schweiz. Das ist ambitioniert, denn laut Auto-Schweiz, der Vereinigung der offiziellen Automobil-Importeure, hatten im Jahr 2017 nicht einmal 3 Prozent der in der Schweiz neu
zugelassenen Autos einen Elektroantrieb.

Um das Ziel zu erreichen, enthält die Roadmap «Elektromobilität 2022» konkrete Massnahmen, die ab Januar 2019 umgesetzt werden sollen. Dazu gehören beispielsweise der Aufbau eines nationalen Schnellladenetztes für Elektrofahrzeuge, die rasche Marktentwicklung der Fahrzeuge oder die gezielte Ausbildung und Qualifizierung von Fachpersonal. Der Bund übernimmt dabei die Rolle eines unabhängigen Koordinators, unterstützt die Initiativen und leistet Starthilfe bei vielversprechenden Projekten. 

Für den Bundesrat ist klar: Elektrische Antriebe spielen aufgrund der hohen Energieeffizienz und der lokalen Emissionsfreiheit eine zentrale Rolle bei der Erreichung des CO2-Zielwerts von 95 Gramm pro Kilometer ab 2020. Zudem biete der Schweizer Strommix mit seinem hohen Anteil an erneuerbaren Energien günstige Voraussetzungen.

Elektroautos schlechter als Erdgas-Fahrzeuge 
Doch ausgerechnet der neuste Umweltbericht des Bundes, der Anfang Dezember veröffentlicht wurde, relativiert die Ökobilanz von elektrisch betriebenen Fahrzeugen – vor allem, wenn man nicht nur auf den CO2-freien Betrieb von Elektroautos fokussiert, sondern eine Gesamtbetrachtung vornimmt, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Die Untersuchung hat gemäss Bundesamt für Umwelt (Bafu) möglichst viele unterschiedliche Umweltbelastungen berücksichtigt – darunter Luftverschmutzung, Lärm, Landverbrauch und CO2-Emissionen.

Im Bericht wird die Umweltbelastung pro Person und Kilometer für verschiedene Verkehrsmittel verglichen. Die Untersuchung geht von einem Fahrzeug aus, das dem jeweiligen Flottendurchschnitt entspricht, eine mittlere Belegung aufweist und im Falle eines elektrisch betriebenen Autos mit Strom aus dem schweizerischen Ökostrom-Mix – also Wasser, Biomasse, Wind und Sonne – geladen wird. 

Dabei zeigt sich unter anderem, dass E-Autos leicht schlechter abschneiden als Erdgas-Fahrzeuge und Hybridmodelle. Der Grund liegt in der Herstellung: Elektroautos starten mit einem schweren ökologischen Rucksack, vor allem wegen den Batterien, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Auch seien sie vergleichsweise schwer und benötigen nicht nur bei der Herstellung, sondern auch bei der Fortbewegung mehr Energie. Wäre der Strommix weniger ökologisch, wäre die Bilanz noch durchzogener: In Deutschland stösst ein E-Auto gemäss dem Umwelt- und Prognose-Institut (UPI) fast gleich viel CO2-Emissionen aus wie ein Benzin- oder Dieselauto.

Dazu kommt der sogenannte Rebound-Effekt, der die Ökobilanz trübt: Wer ein umweltfreundliches Produkt kauft, tendiert dazu, es häufiger zu benutzen als ein herkömmliches. Die Zeitung zitiert eine norwegische Studie, nach der 85 Prozent der Besitzer von E-Autos damit zur Arbeit fahren, während es bei Diesel- oder Benzinauto-Besitzern weniger als die Hälfte ist.

Ebenfalls spannend: Das E-Bike hat eine schlechtere Ökobilanz als die Bahn. Laut Bafu verfügt ein E-Bike über eine klar kürzere Lebensdauer und deutlich weniger gefahrene Gesamtkilometer, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. «Damit fällt bezogen auf die Umweltbilanz die Herstellung stärker ins Gewicht.» Zudem können die Batterien zwar rezykliert werden, das Verfahren dafür ist allerdings sehr aufwendig. 

Die schlechteste Ökobilanz hat das Motorrad, gefolgt von Benzin- und Diesel-Autos. Der ökologische Überflieger schlechthin ist wenig überraschend das Velo.
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