China führt die E-Mobilität an
Zahlen aus dem roten Riesenreich sind immer wieder überwältigend: In China ist der Anteil von rein elektrischen Autos unter den Neuwagenverkäufen im letzten Jahr von zuvor knapp 28 auf über 33 Prozent gestiegen, vermeldet der CAM Electromobility Report. Ein Drittel – was auf dem grössten Automarkt der Welt (Absatz 2025 bei 23,7 Millionen Autos) 7,9 Millionen E-Autos sind. Insgesamt erfolgreichster Autokonzern in China blieb trotz sechs Prozent Rückgang BYD, neu gefolgt von Geely (Marken u. a. Lynk & Co, Polestar, Smart, Volvo, Zeekr) mit plus 47 Prozent. Womit die langjährige China-Nummer eins VW mit fast minus acht Prozent auf Platz 3 vor Toyota und Changan landete. Bei Steckerautos (EV und PHEV) führt BYD vor Geely, Changan, SAIC (u. a. MG), Tesla, HIMA, Chery und Leapmotor.
China gibt den Takt vor
«China hat sich als dominierender Leitmarkt etabliert und setzt den globalen Takt bei Volumen, Skalierung und Geschwindigkeit. Europa – und hier insbesondere Deutschland – tritt in den nächsten Jahren ebenfalls in eine Phase beschleunigten Wachstums ein», urteilt Stefan Bratzel, Studienleiter des CAM Electromobility Report beim Center of Automotive Management (CAM) der FHDW in Bergisch Gladbach (D), über den Trend der E-Mobilität auf verschiedenen Märkten. In der Schweiz läuft es für chinesische Marken derweil gut an. Insbesondere drei davon stechen bereits ins Auge: BYD, obwohl erst im April gestartet, kam 2025 auf 0,4 Prozent Marktanteil (969 Autos), ebenso Leapmotor (Marktstart Januar 2025) mit 940 Autos. Und MG, schon seit Mai 2024 bei uns, lag bei 1,6 Prozent (3673 Autos). Das tönt zwar erstmal nach wenig, aber zum Vergleich: BYD und Leapmotor lagen damit trotz des Starts erst im Jahr 2025 immerhin bereits zwischen Lexus und Subaru, und die 1,6 Prozent von MG auf dem Niveau von etablierten Marken wie Mini oder Suzuki.
E-Mobilität legt global zu
Was den chinesischen Marken hilft, ist in China wie hierzulande die Elektromobilität. Diese legt weltweit zu, nicht nur in China. Europa (EU plus Grossbritannien plus Efta-Staaten, also samt Schweiz) verzeichnete 19 Prozent EV-Anteil bei den Neuwagen, also 28 Prozent mehr als noch 2024. Zum Vergleich: Schweiz plus 15 auf fast 23 Prozent Marktanteil. Die absatzstärksten Elektromärkte Europas: Deutschland, Grossbritannien und Frankreich. Doch die USA als zweitgrösster Markt der Erde schwächeln bei EV: Unter Donald Trump wurde die Förderung gestrichen; auch Trumps politischer Ruf nach Sprit und Strom dürfte dazu beigetragen haben, dass der E-Marktanteil von zuvor knapp über 2025 auf knapp unter acht Prozent (also gegen 1,3 Millionen E-Autos) gesunken ist.
Deutsche leiden in China
Dennoch ist die E-Mobilität global im Aufwind – und in China als Vorreiter lässt sich dabei die Verschiebung der Antriebsarten besichtigen: Steckerautos (also EV und PHEV) sind der Wachstumstreiber mit fast plus 18 Prozent und zusammen 53 Prozent Anteil nach 47 Prozent im Vorjahr. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor verloren dagegen rund neun Prozent. Kritisch ist dies vor allem für Europäer in China: Bei VW büsste der EV-Absatz 44 Prozent ein, und auch das Gesamtminus von BMW (minus 13 Prozent) und Mercedes (fast minus 19 Prozent) dürfte laut der Studie vor allem darauf zurückzuführen sein. «Im Vergleich der Automobilhersteller zeigt sich», sagt Stefan Bratzel, «dass die deutschen OEMs bei der Elektromobilität zwar technologisch auf Augenhöhe mit den führenden chinesischen sind. Entscheidend für längerfristige Stabilisierung der Marktanteile in China wird sein, ob es gelingt, Kosten in Richtung des Niveaus chinesischer Wettbewerber zu senken. Ohne schnellere Produktzyklen und eine stärkere Lokalisierung droht den deutschen Herstellern ein weiterer Bedeutungsverlust im wichtigsten Automarkt der Welt.»
Der Wandel bei den Antriebsarten ist derweil auch in der Schweiz zu beobachten. Hier die Marktanteile im letzten Jahr: Voll- und Mildhybride 35 Prozent (plus 2,6 Prozent), EV knapp 23 Prozent (plus 15 Prozent), Benziner 24 Prozent (minus 20 Prozent), PHEV/Rex 11 Prozent (plus fast 26 Prozent), und schliesslich die Diesel mit nur knapp 7 Prozent (also minus 29 Prozent).