«Ein ID.3 ist günstiger als ein Golf»
In diesen Zeiten hören wir diesen Satz sonst nicht sehr oft. «Wir sind auf Wachstumskurs», lautete an der Amag-Jahrespresskonferenz für das letzte Jahr für fast alle der vielen Geschäftsbereiche die Bilanz von Amag-Gruppen-CEO Helmut Ruhl. Und dies im Rückblick auf das (ausgenommen Corona) schlechteste Neuwagenjahr seit 25 Jahren mit nur 233'737 neu immatrikulierten Personenwagen (minus 2,4 Prozent).
Tatsächlich sind die Amag-Zahlen beeindruckend. Die Amag erreichte den zweitbesten Marktanteil aller Zeiten (32,1 Prozent). VW war zum 27-mal in Folge die meistverkaufte Marke – mit 6,4 Prozent Plus. Neu gefolgt von der (BMW auf Rang 3 verdrängenden) Marke Skoda mit 5,6 Prozent Plus. Seat und Cupra legten 1,4 Prozent zu, nur Audi legte mit minus 4,2 Prozent den Rückwärtsgang ein. In der Modellstatistik kamen sechs der zehn Bestseller von der Amag; inklusive des erstmals den 1. Rang einnehmenden VW Tiguan (Vorjahr Tesla Model Y). Auch bei E-Autos führte die Amag: 31 Prozent Marktanteil. Reicht noch nicht an Erfolg? Bei Nutzfahrzeugen bis 3,5 Tonnen lag VW-Nutzfahrzeuge mit 21,3 Prozent Anteil vorne.
Rekord bei den Lernenden
«In einem harten Umfeld konnten wir uns behaupten», bilanzierte Ruhl das Jahr 2025 und lobte die harte Teamarbeit auf diesem Weg. Die 7500 Mitarbeitenden (plus 13 Prozent) und die 800 Lernenden (plus 8,4 Prozent, darunter mit 306 neu eingestellten ein neuer Rekord) erwirtschafteten einen Umsatz von fünf Milliarden Franken (also plus 9,5 Prozent). Amag Retail kam auf zehn Prozent mehr Neuwagen und 14 Prozent mehr Occasionen, Amag Leasing verbuchte ein Plus und kümmert sich neu auch um Porsche.
Voran schritten auch ambitionierte Projekte wie die Anlagen für Photovoltaik (PV) der Tochter Helion Energy. Obwohl sich der Markt verlangsamt habe, «glauben wir, einer der Gewinner sein zu können», sagte Ruhl. Das Versprechen, mit fast 1000 PV-Anlagen genug Solarstrom für alle Amag-E-Autos zu erzeugen, ging jedenfalls auf: Der PV-Strom deckt 290 Prozent des Bedarfs aller jemals verkauften E-Fahrzeuge der Amag. Und Tochter Synhelion? 2026 bekommt die Amag die ersten 50'000 Liter E-Fuel.
E-Occasionen im Aufwind
Beim Thema Elektro hofft Ruhl auf das «Recht auf Laden» für Mietende und Stockwergeigentümer durch den Bund. Und das Aus für das EU-Verbrenner-Aus 2035? «Wir begrüssen es», betonte Ruhl, «aber wir begrüssen auch, dass an den Dekarbonisierungszielen festgehalten wird – mit erweiterter Technologie. Realitätsbezogene Technologieoffenheit war stets unsere Strategie.» Auch wenn feststehe, dass die Zukunft elektrisch sei. Wie steht es bei der Amag um die nicht gerade gefragten E-Occasionen? «Günstiger!» laute das Stichwort, das die Kundschaft überzeugen solle. «Ein ID.3 ist acht Prozent günstiger als ein Golf», so Ruhl. Attraktives Leasing, bis Ende 2027 dann 80 Amag-Schnelllader (28 Rappen pro kWh nur für Amag-importierte EV, sonst 56 Rappen) sowie erweiterte Batteriegarantie (über Herstellergarantien hinaus 200'000 Kilometer oder acht Jahre) sollen das Business ankurbeln. «Wir stellen fest, dass die Nachfrage angezogen hat», betonte Ruhl. Die Amag erwarte, «dass sich die Restwerte stabilisieren».
«Als Amag sind wir ein Teil der Gesellschaft», betonte Ruhl und ergänzte, die Transformation in der Branche sei «eine Gemeinschaftsaufgabe». Stärken wird die Amag 2026 den Klassik-Bereich, der ab Mitte Jahr vom bisherigen Kommunikationschef Dino Graf geleitet wird. Und die Aussichten 2026? «Wir gehen von 240'000 Neuwagen, dem siebten schlechten Autojahr in Folge, aus», sagte Ruhl – doch die Amag habe starke Marken, ein herausragendes Partnernetzwerk und starke Produkte wie die neuen E-Kleinwagen ab 25'000 Franken. Oder kurz, so Ruhl: «Wir gehen enorm zuversichtlich in dieses Jahr.»