«Ohne Sie bleibt jede Innovation Theorie»
Eigentlich hätte Bundesrat Albert Rösti am 20. «Tag der Schweizer Garagen» zu den über 860 Gästen im Kursaal in Bern sprechen sollen. Doch eine Magen-Darm-Erkrankung machte dem Verkehrsminister einen Strich durch die Rechnung. Mit Jürg Röthlisberger organisierte der AGVS aber umgehend einen würdigen Ersatz. «Wenn der Chef in der Bredouille ist, dann springt man einfach ein», meinte der Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra) schmunzelnd, als er die Bühne betrat.
Die kurzfristige Änderung lasse sich gut auf die Entwicklung der heutigen Mobilität übertragen. «Denn auch hier gilt: Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Pragmatismus sind Voraussetzung für Erfolg. Und genau diese Eigenschaften zeichnen Ihre Branche aus», lobte Röthlisberger die Garagistinnen und Garagisten gleich zu Beginn seiner Rede.
Garagenbetreibende als Schlüsselpartner
Röthlisberger skizzierte vier Entwicklungen, die die Mobilität prägen: das anhaltende Verkehrs¬wachstum, die Defossilierung und Elektrifizierung, die Digitalisierung und Automatisierung sowie der Druck, Infrastrukturinvestitionen effizienter zu gestalten. Mobilität sei kein ideologisches «Entweder-oder». Menschen würden künftig situativ entscheiden, welches Verkehrsmittel gerade am besten zu ihnen passe. Garagistinnen und Garagisten seien dabei Schlüsselpartner, weil sie neue Technologien erklären, Vertrauen schaffen und Sicherheit gewährleisten. «Ohne Sie bleibt jede Innovation Theorie.»
Ein zentrales Thema sei die Elektromobilität. Der Astra-Direktor verwies auf die bereits gut ausgebaute Ladeinfrastruktur und den Fortschritt im Schwerverkehr, wo der Anteil elektrischer Lastwagen bei 21 Prozent liegt. Um diese Entwicklung zu unterstützen, hat der Bund Projekte für öffentliche Schnellladestationen entlang der Nationalstrassen lanciert. Die Stationen werden von privaten Anbietern gebaut und betrieben, während der Bund die Netzanschlüsse bereitstellt.
Wann gibt es endlich weniger Staustunden?
Beim automatisierten Fahren sind die gesetzlichen Grundlagen seit gut einem Jahr in Kraft. Systeme müssten geprüft, gewartet und erklärt werden, erklärte Röthlisberger «Auch hier werden Garagistinnen und Garagisten entscheidend dazu beitragen, dass neue Technologien im Alltag Akzeptanz finden.»
Zum Schluss stellte sich Röthlisberger den Fragen des Publikums. Auf die Frage, wann die Staustunden endlich abnehmen würden, antwortete er lachend: «Wir haben eine so starke Kundennachfrage – und das ganz ohne Akquisition.» Gleichzeitig versicherte er, man tue alles in der Macht stehende, um die Staustunden zu reduzieren.