Zwischen Rekrutierung und Realität

Warum Massnahmen gegen den Arbeitskräftemangel oft verpuffen

Der Arbeitskräftemangel beschäftigt das Autogewerbe seit Jahren. Trotz grossem Einsatz vieler Garagen – von Personalbeschaffung über Weiterbildung bis zu digitalen Tools – bleibt der erhoffte Effekt oft aus, weil grundlegende Annahmen zu selten hinterfragt werden.
Publiziert: 23. Januar 2026

Von

Dora Szöke


										Warum Massnahmen gegen den Arbeitskräftemangel oft verpuffen
Alltag in der Garage: Was einen Betrieb als Arbeitgeber ausmacht, zeigt sich auch im täglichen Miteinander. Foto: AGVS-Medien

Häufig wird der Arbeitskräftemangel als reines Rekrutierungsproblem verstanden. Entsprechend konzentriert sich der Blick auf Stelleninserate, Kanäle und Instrumente. In der Praxis zeigt sich jedoch: Entscheidend ist weniger, wie gesucht wird, sondern was ein Betrieb als Arbeitgeber effektiv bietet.

 

Arbeit ohne Sinnstiftung

Stellen werden detailliert beschrieben, Anforderungen sauber aufgelistet. Was jedoch oft fehlt, ist eine klare Antwort auf die Frage, warum jemand langfristig im Betrieb bleiben soll. Arbeitgeberattraktivität entsteht nicht durch Standards, sondern durch Haltung, gute Führung und nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten. Wer ausschliesslich Aufgaben anbietet, konkurriert am Ende vor allem über den Lohn – teils branchenübergreifend.

 

Technik statt Kultur

Digitale Recruiting-Tools, Social Media oder KI-gestützte Anwendungen können sinnvoll unterstützen, doch ersetzen sie keine funktionierende Zusammenarbeit. Technologie wirkt wie ein Verstärker: Sie macht sichtbar, was bereits vorhanden ist. Wo Führung, Kommunikation oder Wertschätzung fehlen, beschleunigen digitale Instrumente bestehende Probleme, statt sie zu lösen.

 

Ausbildung ohne Bindung

Viele Betriebe setzen auf Lernende als Antwort auf den Arbeitskräftemangel. Ausbildung wird dabei nicht selten als kurzfristige Entlastung gesehen, weniger als langfristige Beziehung. Fehlen Begleitung, Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, verlassen gut ausgebildete Fachkräfte den Beruf – und teilweise sogar die Branche – genau dann, wenn sie produktiv werden und auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind.

 

Loyalität ohne Perspektive

Von Mitarbeitenden wird Verlässlichkeit erwartet. Gleichzeitig fehlen in vielen Betrieben klare Entwicklungspfade oder Zukunftsaussichten. Loyalität entsteht jedoch nicht durch Erwartung, sondern durch Investition. Wer für sich keine Perspektive erkennt, orientiert sich früher oder später neu.

 

Führung als Nebenprodukt

Führungsaufgaben entstehen im Autogewerbe häufig aus fachlicher Kompetenz. Dass Führung selbst eine Qualifikation ist, wird dabei oft unterschätzt. Fehlende Führungskompetenz wirkt sich direkt auf Motivation, Teamklima und Fluktuation aus und damit auf die Attraktivität der gesamten Garage.

Der Arbeitskräftemangel lässt sich nicht mit einzelnen Massnahmen lösen. Entscheidend ist, an den richtigen Stellen anzusetzen. Betriebe, die Führung, Kultur und Entwicklung bewusst gestalten, verbessern ihre Ausgangslage spürbar. Häufig liegt der wirksamste Hebel nicht im Arbeitsmarkt, sondern im eigenen Betrieb.

 

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