Wie sieht unsere Branche in zehn Jahren aus?
Die Kundenreise wird digital, aber bleibt menschlich»: Mit dieser griffigen Formel, am 20. «Tag der Schweizer Garagen» von HSG-Masterstudent Bruno Aebli auf den Punkt gebracht, lässt sich eine zentrale Erkenntnis der Studie «Garage 2035» zusammenfassen. Denn die künftige Kundschaft erwartet zwar stets bequeme digitale Prozesse, doch die kompetente Beratung vor Ort bleibt wichtig und wird gerade wegen der E-Mobilität in Zukunft noch wichtiger.
Drei Monate lang hatte sich ein Team von fünf Masterstudentinnen und -studenten aus dem Lehrgang «Master in Business Innovation» der Universität St.Gallen (HSG) zuvor der Kernfrage gewidmet, wie Schweizer Garagen 2035 ihr Geld verdienen sollen. Zudem eruierten sie, welche Trends, Chancen und Risiken sowie Businessmodelle das Autogewerbe in zehn Jahren prägen. Geleitet durch Ingrid Bauer-Hänsel, Assistenzprofessorin IT-Management am HSG-Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI-HSG), und Doktorand Maximilian Breitruck entstand die 110-seitige Studie «Garage 2035». Bereits 2018 hatte eine HSG-Studie im AGVS-Auftrag praxisnahe Tipps für Garagen ergeben.
Garagen- schlägt Markentreue
Bereits die ersten an der Fachtagung vorgestellten Ergebnisse liessen am «Tag der Schweizer Garagen» aufhorchen. Was will die Kundschaft im Jahr 2035? Grösstmögliche Flexibilität! Ein Beispiel ist der Hol- und Bringservice, wenn das Auto in die Garage muss – dies wird laut der HSG-Studie in den kommenden Jahren zum Muss. Die Qualität der Services wird für die Treue zur Garage dabei wichtiger als die bisherige Markenloyalität. Deshalb zahlt sich die Pflege der Kundenbeziehung noch mehr aus – und während für ältere Kundinnen und Kunden Vertrauen mehr zählt als tiefe Preise, will die junge Generation vor allem digital perfekt abgeholt sein.
Auch die Gen Z will ein Auto
Verblüffend: Entgegen allen Unkenrufen bleibt das Auto gemäss Umfragen auch für die Gen Z ein Muss. «Für die Gen Z sind Dinge wie Umweltfreundlichkeit ebenfalls wichtig, und gerade in urbanen Räumen entscheidet sie sich primär aus Kosten- und Praxisgründen gegen das Auto», so Maximilian Breitruck. «Aber auch für die Gen Z ist das Auto relevant – sie verbindet das Auto mit Freiheit.» Gemäss Studie wollen 78 Prozent der Gen-Z-Befragten sich bis 2035 gar ein Auto kaufen, 41 Prozent nutzen wöchentlich mindestens dreimal ein Auto, und 67 Prozent wünschen sich mehr Förderung des motorisierten Individualverkehrs durch die Politik. Und die E-Mobilität? Die Bereitschaft zur Nutzung ist da, doch es braucht noch Massnahmen und Beratung.
On- und Offline-Welt verbinden
Die konkrete Empfehlung an Garagen: Das Dienstleistungsangebot sollte ausgebaut werden und alle Prozesse sind so weit als möglich zu digitalisieren, um den Kundenprozess so digital, flexibel und bequem wie möglich zu gestalten. Die Digitalisierung erlaubt es auch, beispielsweise die Werkstattauslastung besser zu planen. «Bauen Sie durch einen Digitalisierungsbeauftragten im Betrieb die eigene Garage als Marke auf und etablieren Sie zum Beispiel einen E-Mobility-Hub», rät Masterstudent Bruno Aebli am «Tag der Schweizer Garagen». Gerade Lernende böten sich an, um die verstärkt notwendige Social-Media-Präsenz zum Beispiel mit Erklärvideos zu steigern – und dies lohne sich, weil die moderne Positionierung wiederum junge Talente anziehe.
Dies sind nur erste Details der Studie «Garage 2035». Auf agvs-upsa.ch und im AUTOINSIDE werden die AGVS-Medien in den nächsten Monaten weitere Resultate detailliert beleuchten.