Derendinger gegen den Kostenanstieg

Der Weg zu vernünftigen Reparaturkosten

Garagisten geraten ins Kreuzfeuer der Kritik wegen hoher Reparaturkosten. Im Schweizer Fernsehen war gar die Rede von einer Schuldenfalle. Wie Derendinger diesen Kostenanstieg dämpft, verrät im Interview CEO Karl Heusi.
Publiziert: 28. Januar 2026

Von

Jürg A. Stettler


										Der Weg zu vernünftigen Reparaturkosten
Derendinger bietet Garagen und Carrosserien ganz bewusst Ersatzteile auf drei ­Preisniveaus an, um zeitwertgerechte Reparturen zu ermöglichen. Fotos: Derendinger

Die Service- und Reparaturkosten von modernen Autos steigen und steigen. Gemäss der Versicherung Axa kostete die Reparatur eines Unfallschadens 2019 im Durchschnitt noch 2800 Franken, 2024 waren es mit 3400 Franken bereits um 21 Prozent mehr. Für Garagistinnen und Garagisten keine Überraschung, schliesslich werden die Fahrzeuge immer komplexer. Ein simpler Rückspiegel? Das war einmal, heute ist er mit Sensoren und Kameras bestückt – das geht ins Geld. Komplexere Ersatzteile und Arbeiten wie etwa Kalibrierungen treiben die Kosten weiter hoch, was für Unmut bei Endkundinnen und -kunden sorgt. Als Erste bekommen dies die Garagistinnen und Garagisten zu spüren. Ihnen sind oft die Hände gebunden – aber nicht immer. «Wir bieten Lösungen, damit sich die Preisspirale nicht weiterdreht», erklärte Derendinger-CEO Karl Heusi an der Swiss Automotive Show (SAS) 2025. Sein Unternehmen setze sich aktiv für zeitwertgerechte Reparaturen ein und stemme sich gegen die Kostenexplosion. Wir haben bei Heusi nachgefragt, was konkret dahintersteckt.

Karl Heusi, was sind denn aktuell die grössten Kostentreiber im Reparaturbereich?
Karl Heusi, CEO von Derendinger: Wir stellen zwei Megatrends fest: die steigenden Anforderungen bezüglich Autonomem Fahren, bei dem das Fahrzeug immer mehr die Kontrolle übernimmt. Dabei werden ehemals mechanische Ersatzteile zu integrierten Bestandteilen eines vernetzten Systems. Beispiel Aussenspiegel: Er spiegelt nicht nur, sondern sieht mit und warnt. Elektrisch verstell-, beheiz- und einklappbar ist ebenfalls Standard. Dieses Mehrkönnen resultiert in einem Mehrpreis. Zweiter Megatrend ist das Streben nach mehr Effizienz, sprich weniger Verbrauch und Emissionen: Multi-Turboladung, Start-Stopp-Systeme, Segelfunktionen, hybride oder elektrische Antriebe und derlei führen ebenfalls zu grösserer Komplexität und zu entsprechendem Mehrpreis.

Warum setzen Sie als Zulieferer sich für günstigere Reparaturen ein? Es müsste Derendinger doch nicht kümmern, wie teuer die Ersatzteile sind?
Es kümmert uns schon seit fast einem Jahrhundert! Unser Geschäftsmodell basiert darauf, preiswertere und ebenso zuverlässige Alternativen zu den Originalersatzteilen anzubieten. Und die unabhängigen Werkstätten zu befähigen, ihre Dienstleistungen ebenso kompetent, aber zu einem klar bezahlbareren Stundensatz als Markengaragen anzubieten. Aus dieser Kombination von vernünftigen Ersatzteilpreisen und vernünftigen Stundensätzen resultieren vernünftige Reparaturkosten.

Welche konkreten Lösungen hat Derendinger, um die Kosten für die Garagen und folglich für Autofahrende tief zu halten?
Derendinger bietet Garagen und Carrosserien Ersatzteile auf drei Preisniveaus an: OE-Teile, die jedoch günstiger sind als im offiziellen Vertriebsnetz. Dann IAM-Teile von Premiumherstellern wie Bosch, Brembo oder Valeo, die deutlich günstiger sind als die OE-Teile. Und Teile unserer Eigenmarke QWP zum unschlagbaren Vorteilspreis. Das erlaubt es Betrieben, den Endkunden selbst bei grösseren Reparaturen ein vorteilhaftes Angebot zu machen und so die Lebensdauer des Fahrzeugs zu verlängern.

Wie unterstützt Derendinger Werkstätten und Carrosserien noch?
Daten werden immer wichtiger. Die bereits erwähnte Komplexität kann nur mit den richtigen Daten und richtigen technischen Informationen bewältigt werden. In diesem Bereich hat Derendinger ein grosses Angebot – auch als Abos. Neu neben HaynesPro sowie Alldata Repair auch EinaVTS mit einer Hotline in allen Landessprachen und dem Zugriff auf die grösste Multimarken-Datenbank in Europa.

Was tut Derendinger, um bei den IAM-Teilen trotz Preisvorteilen die hohen Qualitätsstandards zu garantieren?
Wir arbeiten nur mit Herstellern zusammen, die uns hier die Qualität der OE-Teile garantieren. Diese Hersteller – zum Beispiel ATE und Brembo – stehen in Konkurrenz zueinander, was eine hohe Qualität zum attraktiven Preis ermöglicht.

Wie unterstützen Sie AGVS-Mitgliedsbetriebe bezüglich Kalibrierungen und Freischaltungen für gewisse Ersatzteile?
Derendinger unterstützt hierbei mit drei Leistungen: Erstens bieten wir Prüftechnik und ADAS-Kalibriersysteme von Hella Gutmann, Bosch und Texa inklusive Installation, Einführung und Wartung. Zweitens ermöglicht die Lösung Swiss-Remote direkt in der Werkstatt OEM-konforme Freischaltungen, Codierungen und Kalibrierungen. Diese benötigt keine eigenen Herstellerzugänge der Werkstatt. Und drittens sorgt unser Support-Team mit Aussendienstspezialisten, einer kompetenten Hotline sowie der Academy mit praxisnahen Trainings für die Kompetenz, um auch den Megatrends zu begegnen.

Bietet Derendinger auch Hilfe an, um in einem Betrieb durch optimierte Prozesse für mehr Effizienz zu sorgen?
Derendinger war vor fast dreissig Jahren der Pionier der Onlinebestellung und des Imports der Bestelldaten in die Werkstattsoftware. Diese Vereinfachung der betrieblichen Abläufe wird noch viel zu wenig genutzt: Während wir bei Ersatzteilen einen Onlineanteil von über 75 Prozent haben, wird nur bei einem viel kleineren Anteil der Bestellungen die Schnittstelle direkt in die Garagensoftware genutzt. Der direkte Datenimport erspart nicht nur die Eingabe von Artikelnummer, -text und -preis im Auftrag, sondern auch das mühsame Eingeben der Chassisnummer. Dies wiederum führt zu präziseren Suchresultaten und weniger Rückgaben. Ganz neu ist die Schnittstelle aus der Schadenkalkulation Qapter von Audatex, die es erlaubt, Preis und Verfügbarkeit der für den Schaden kalkulierten Originalteile bei Derendinger abzufragen und sie direkt zu bestellen.

Treibt die von der Politik geforderte Transformation hin zu mehr Elektromobilität die Reparaturkosten nicht gleich wieder in die Höhe?
Die E-Mobilität vereinigt die am Anfang erwähnten Megatrends hin zu Autonomem und möglichst schadstofffreiem Fahren – die Herstellung der E-Autos wird leider oft ausgeklammert. Beide Trends werden von der Politik aktiv befeuert und treiben die Reparaturkosten hoch. Resultat: Der Konsument verzichtet lieber auf ein neues Auto und fährt für wenig Geld sein bewährtes Fahrzeug weiter.

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