Fachausweisübergabe in Langenthal BE

«Die Ausbildung macht den Unterschied»

Grosser Bahnhof respektive grosse Garage für 149 Absolventinnen und Absolventen aus dem Autogewerbe: In Langenthal BE nahmen sie ihre Fachausweise entgegen – darunter auch neun Frauen.
Publiziert: 03. Februar 2026

Von

Jürg A. Stettler


										«Die Ausbildung macht den Unterschied»
Fotos: AGVS-Medien

Passender hätte die Location nicht sein können: Umgeben von exklusiven Neuwagen wie McLaren GT oder Mercedes SLS bis hin zu sportlichen Youngtimern und edlen Oldtimern wie einem Ferrari GT 2+2 übergab der AGVS den erfolgreichen neuen Fachkräften ihre Fachausweise im «Meilenstein» in Langenthal BE. «Ich bin Auto-, Motorrad- und Oldtimerfahrerin. Ihr könnt Euch also gut vorstellen, dass ich ebenfalls ab und zu in einer Werkstatt bin», verriet Moderatorin Nina Havel zum Auftakt der Fachausweisübergabe. 

Havel verdeutlichte aus eigener Erfahrung, wieso es bei Reparaturen Sinn macht, auf gut ausgebildete Fachkräfte und kompetente AGVS-Betriebe zu setzen. «Ich wollte kürzlich ein paar Franken sparen und habe meinen Wagen mit aufblinkender Warnlampe zu einem Kollegen gebracht. Dieser wechselt primär Reifen, sagte aber, er könne es ebenfalls richten. Das Resultat: Das Auto stand rund zwei Wochen bei ihm, danach habe ich es doch zu einer AGVS-Garage gebracht – und es war im Nu geflickt.»

Das Beispiel zeigt: Fachkompetenz bewährt sich, und Ausbildung macht den Unterschied. Umso erfreulicher ist es, dass nun schweizweit 149 neue Profis als Automobildiagnostikerinnen und Automobildiagnostiker der Fachrichtung Personenwagen oder Nutzfahrzeuge sowie Automobil-Werkstattkoordinatorinnen und -koordinatoren Nina Havel und weiteren Kundinnen und Kunden helfen können.

 

Flexibilität und Qualität führen zum Erfolg

Werner Bieli, Präsident QSK-AD/AWK, gratulierte den erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen und wies sie aber auch darauf hin, dass sie nun eine gute Grundlage gelegt hätten, aber noch viele Herausforderungen auf sie warten. «Das Auto wird im Antriebsbereich an Vielseitigkeit gewinnen. Der Kampf gegen die Dieselpartikel wird heftiger, und der Hybridantrieb gewinnt an Momentum», so Bieli. Welcher Antrieb sich durchsetze, sei noch offen, werde aber durch die vorhandenen Energieressourcen und die Nachfrage der Kundschaft bestimmt und nicht nur durch die von der Politik bevorzugten Antriebe. «Das ist gut für Sie: Wir brauchen in der Zukunft wieder mehr Allrounder und Generalisten. Und Ihr Erfolg ist dann das Resultat aus Flexibilität und Qualität.»

Vier Punkte für den weiteren Karriereweg

Der langjährige Präsident der Qualitätssicherungskommission (QSK) ergänzte vor den rund 350 Gästen einleuchtend: «Sie haben eine Mehrleistung erbracht. Daher gehe ich davon aus, dass Sie auch in Zukunft gewillt sind, mehr zu leisten. Sie sind in der Lage, zu improvisieren, und bereit, das Beste herauszuholen. Sie sind flexibel einsetzbar und qualitativ geprägt. Und Sie sind schlicht und einfach gut!»

Daher glaube er auch, dass die 149 Absolventinnen und Absolventen eine erfolgreiche Zukunft im Autogewerbe vor sich hätten, wenn sie offen für die Zukunft seien und ihre erworbenen Kompetenzen einsetzten. Werner Bieli gab den Automobildiagnostikerinnen und Automobildiagnostikern sowie Automobil-Werkstattkoordinatorinnen und -koordinatoren vier Punkte auf ihren Karriereweg mit: «Seien Sie ein Vorbild. Zeigen Sie Geduld und Einfühlsamkeit. Seien Sie hart und hartnäckig – auch mit sich selbst. Und zeigen Sie ab und zu Humor», erklärte der Präsident QSK-AD/AWK. «Kurz: Seien Sie ein Mensch und kein Roboter!»

Zwei grosse Festtage hintereinander

Die beiden AGVS-Zentralvorstandsmitglieder Charles-Albert Hediger und Barbara Germann machten den neuen Fachkräften danach deutlich, dass es nun einiges zu feiern gebe. «Heute ist ein Festtag für euch. Aber gestern war auch schon ein grosser Festtag», erläuterte der Walliser Garagist und Bildungsexperte Hediger. Er spielte damit auf das Jubiläum und die Erfindung des Autos vor 140 Jahren an. Denn Ende Januar 1886 meldete Carl Benz sein «Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb» zum Patent an. «Das erste Auto der Welt, angetrieben übrigens von einem Benzinmotor», ergänzte Charles-Albert Hediger mit einem Schmunzeln. «Seit damals gibt es Autos, und seit damals braucht es auch kompetente Garagistinnen und Garagisten.»

Seine ZV-Kollegin Barbara Germann ergänzte: «Keine Fehler zu machen, ist für Ihren Berufsalltag gar nicht so entscheidend. Wichtiger für Sie ist: Sie wissen nun, wie Sie diese Fehler an einem Fahrzeug finden.» Der erworbene Fachausweis stehe für Ausdauer, Verantwortung, Lösungsorientierung und Fachwissen, aber eben auch für Leidenschaft und Herzblut für ein zukunftsträchtiges Handwerk. Und Germann appellierte an die frischgebackenen Fachkräfte: «Bleiben Sie der Branche treu. Sie sind Motor und Treibstoff – oder heute besser: Energie – für unser Gewerbe und halten es am Laufen!»

ESA stets ein starker Partner

Damit sich der AGVS auch in Zukunft tatkräftig für die Berufsbildung einsetzen kann und mit über 230 Expertinnen und Experten sowie elf Mitgliedern der QSK-AD/AWK bei den verschiedenen Prüfungen auch die korrekten Rahmenbedingungen garantieren kann, braucht es starke Partner wie die Einkaufsorganisation für das Auto- und Motorfahrzeuggewerbe (ESA). Sie unterstützt den AGVS seit Jahrzehnten auch finanziell bei der Ausbildung mit namhaften Beträgen. Matthias Krummen, Mitglied der ESA-Geschäftsleitung, übergab einen Scheck in der Höhe von 20’000 Franken und erklärte gegenüber den 149 Fachkräften: «Alte Erfolgsrezepte greifen nicht mehr, es braucht Innovationen. Sie müssen diesen Wandel nicht fürchten, Sie müssen ihn gestalten. Mit Ihrem Abschluss haben Sie Stärke gezeigt und sind nun gefragte Expertinnen und Experten. Packen Sie Ihre Chance und bleiben Sie neugierig!»

Bald einen neuen Titel nutzen

Diese Neugier und vielleicht auch ein zusätzlicher Titel, den die Absolventinnen und Absolventen tragen dürfen, bieten gute Zukunftsperspektiven. Mit der Einführung des international verständlicheren Titelzusatzes Professional Bachelor in der zweiten Jahreshälfte 2026 werden die 149 Nachwuchskräfte mit Abschlüssen der höheren Berufsbildung (HF) und eidgenössischen Fachausweisen künftig um ein weiteres starkes Asset bereichert. Der Titel signalisiert die Gleichwertigkeit zum akademischen Bachelor auf Tertiärstufe, jedoch mit starkem Praxisbezug statt akademischer Ausrichtung.

Dies erläuterte Olivier Maeder, Mitglied der AGVS-Geschäftsleitung, Bereich Bildung, und spornte gleichzeitig an: «Wir hoffen natürlich, dass viele von Ihnen auch noch den nächsten Schritt gehen und den neuen Zusatz Professional Master anstreben, indem Sie beispielsweise die Weiterbildung zum Betriebswirt oder zur Betriebswirtin im Automobilgewerbe machen.» Besonders gefreut hat Maeder auch, dass sich mit Abinas Uthayarasa ein SwissSkills-Bronzemedaillengewinner und frischgebackener Automobildiagnostiker durchaus vorstellen kann, diesen Weg einzuschlagen. Der Berner erklärte bei der Fachausweisübergabe schlagfertig: «Ich habe an den Betriebswirt gedacht, aber ich würde auch gerne üK-Instruktor oder Berufsschullehrer werden – das würde mich ebenfalls interessieren.»
 

Spezialpreise für die Besten

Die glücklichen Absolventinnen und Absolventen durften danach in feierlichem Rahmen ihre Fachausweise entgegennehmen, ehe Werner Bieli die Spezialpreise für die besten Notendurchschnitte in den drei Sprachregionen überreichen konnte. Bei den Automobil-Werkstattkoordinatorinnen und -koordinatoren gingen diese an Ivan Simoni aus Iragna TI (Note 4,7), Anthony Baz aus Carouge GE (5,2) sowie Remo Blöchliger aus Wolhusen LU und Jonas Herzog aus Hottwil AG (je 4,9). Bei den Automobildiagnostikerinnen und Automobildiagnostikern mit Fachrichtung Personenwagen holten sich gleich drei Talente mit einer Note von 5,5 die Zusatzauszeichnung: Fiona Z’Rotz aus Buchs SG, Nevio Bernet aus Ufhusen LU und Mathias Stettler aus Thun BE. Und in der Westschweiz konnte sich Aloïc Steffen aus Founex VD über eine gute 4,6 freuen. Bei der Fachrichtung Nutzfahrzeuge wurden Janik Zahnd aus Ittigen BE (Note 5,7) und Valdet Delija aus Collombey VS (5,3) ausgezeichnet.

Bevor die rund 350 Gäste sowie Expertinnen und Experten zusammen mit den erfolgreichen Berufsfachleuten aus den drei Bildungslehrgängen zum gediegenen Essen in die Aquarium Bar wechselten – die mit einem 42 Meter langen Aquarium Unterwasserwelten vom Amazonas bis Sibirien zeigt –, wurde noch Experte Jürg Dähler gebührend verabschiedet und erhielt zum Dank für seine Tätigkeit neben einer speziellen Pfeffermühle in Form einer Zündkerze auch einen tosenden Applaus.

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