«Die Entwicklung aktiv mitgestalten»
Wie gewohnt im Doppelpack fanden in Chur die GV der Genossenschaft des Ausbildungszentrums des AGVS Graubünden und der Sektion Graubünden statt. Präsident Andri Zisler erläuterte zum Auftakt den rund 100 Anwesenden in Chur, wieso der Verlust der Markenvertretung in einer Region wie Graubünden die regionale Garagenstruktur schwäche. Persönliche Betreuung, Flexibilität und die Verankerung in der Region liessen sich jedoch nicht durch standardisierte Konzernstrukturen abbilden. Daher sei der Wandel und Umbruch auch stets eine Chance, wenn man ihn aktiv mitgestalte. «Wenn wir als Branche etwas bewegen wollen, dann müssen wir uns selbst bewegen», so Zisler.
Veränderungen gab es auch bei den Statuten und im Vorstand der Genossenschaft. Neu in den Vorstand aufgenommen wurden Thilo Sauer und Urs Rüedi, und als BBK-Präsident übernimmt neu Carlo Ronner. Für schlankere Strukturen, mehr Kosteneffizienz und eine tragfähige Struktur für die Zukunft wurde die operative AZ-Führung angepasst. Zudem wurden Neuerungen beim Einladungsverfahren zur GV, dem Wahlturnus (neu wie beim AGVS alle drei Jahre) und der regionalen Einteilung genauso einstimmig angenommen wie das Budget.
Andrea Thür-Suter, Bürgermeisterin der Bürgergemeinde Chur, wies in ihrer Grussbotschaft auf die Bedeutung des Autogewerbes hin: «In Graubünden ist Mobilität kein Lifestyle oder Luxusgut. Bei uns ist Mobilität und das Auto nötig für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie sind Garant dafür, dass unser Kanton beleb- und bewohnbar ist.» Regierungsrat Peter Peyer doppelte nach: «Garagisten zeigen jeden Tag, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sich nicht ausschliessen müssen. Die Mobilität der Zukunft wird digitaler, vernetzter, und sie wird auch umweltbewusster. Wenn wir diese Entwicklung aktiv mitgestalten können, dann bleibe ich zuversichtlich.»
Um die Zukunft drehte es sich auch beim Referat von Roger Lüdi und Gian-Reto Galliard von der GKB Chur. Die beiden Experten zeigten im Schnelldurchlauf auf, wieso es Sinn macht, sich rechtzeitig mit der Nachfolgelösung für sein Unternehmen zu beschäftigen. «Auch während der Unternehmensentwicklung ist es wichtig, die Strukturen zu überdenken und anzupassen», so Lüdi. «Wenn man es nicht schafft, ein grosses Geschäftsvermögen in ein Privatvermögen zu übertragen, schränkt dies am Ende den Verkauf und eine erfolgreiche Nachfolgefähigkeit ein.» Er wies ausserdem auf die verschiedenen steuerlichen Sperrfristen hin, die zu beachten sind, damit man nicht plötzlich einen Grossteil des Verkaufserlöses an den Staat abführen müsse. «Jede Finanzierung und Nachfolge ist speziell, jede ist individuell», ergänzte Gian-Reto Galliard. «Lassen Sie sich von Experten beraten. Sie würden ja auch nicht jeden an einem Auto herumschrauben lassen, weil es auch dafür Expertenwissen und spezifische Kompetenzen braucht.»
Vor der Sektions-GV blickte dann AGVS-Geschäftsleitungsmitglied Markus Aegerter auf seine 30 Jahre beim AGVS zurück und machte deutlich, wie gut Garagen den Wandel als steten Begleiter der Branche handhaben: «Die Rolle als Garagist verändert sich auch aktuell wieder durch neue Marken aus China, KI und neue digitale Lösungen. Doch die individuelle Mobilität lässt sich der heutige Mensch nicht nehmen.» Andri Zisler erläuterte danach, wieso man 2026 bei der Sektion mit einem Verlust rechne und dass es sich dabei um eine strategisch bewusste Entscheidung und eine Investition in die neuen Strukturen sowie das neu geschaffene Amt eines Geschäftsführers handle. «Wir haben so mehr Kapazität für euch als Mitglieder, können mehr Kurse anbieten, unser Kurszentrum besser auslasten und gehen die Nachfolge von Chefexperte Roman Caplazi schon jetzt an.» Die Neuerungen und das Budget wurden genauso einstimmig angenommen wie Thilo Sauer (Emil Frey, St. Moritz) als neues Vorstandsmitglied, der Ronny Tuffli ersetzt. Ebenfalls aus dem AGVS-Vorstand zurückgetreten ist Gian Claudio Gross als Vertreter des Engadins.
Nach einem kurzen Einblick ins Förderprogramm für Nachwuchstalente «Grischa Auto-Elite» lobten dann Hans Pircher, Abteilungsleiter Technik, und Claudio Reich, Amtsleiter Strassenverkehrsamt, die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit den Bündner Garagisten. Und Leichtathletin Annik Kälin verriet schliesslich, wieso innovative Trainingsmethoden ebenfalls zum Erfolg, zu Medaillen und einer Olympiateilnahme führen können. Die Siebenkämpferin erklärte in ihrem Referat «Anders denken, anders trainieren», dass sie sich beim ersten Grossanlass kaum auf den Wettkampf habe konzentrieren können. «Bei der ersten EM habe ich mehr Fotos gemacht mit all den Idolen, die ich plötzlich live getroffen habe», lacht Kälin. «An der zweiten EM in München 2022 konnte ich mich auf den Wettkampf fokussieren und dort gleich Bronze holen.»
Bevor man zum Apéro und anschliessenden Abendessen im GKB Auditorium schritt, zeigte Vorstandsmitglied Jan Giger auf, wie Garagen vom Aktionsplan «Green Deal» des Kantons Graubünden profitieren können. In der seit 2026 laufenden zweiten Etappe gebe es mehrere Förderprogramme, die fürs Autogewerbe spannend seien. «Mit einem Elektroauto als Ersatzauto könnt ihr die Kreislaufwirtschaft stärken, die PV-Anlage besser auslasten und den Strom gleich selbst nutzen und so Kosten senken», so Giger. «Und für eine bidirektionale Ladestation gibt es Förderbeiträge von 2000 Franken.» Wichtig sei es, regionale Allianzen zu schmieden. «Nutzt Chancen über die Grenzen unserer Branche hinaus, werdet Energie- und Mobilitätsberater und arbeitet mit dem Sanitär oder Elektriker aus eurer Region zusammen.»
Die stehe zwar allein auf dem Platz, brauche aber ein gutes Team und Umfeld für diesen Erfolg. Wichtig sei auch, Rückschlüsse aus Misserfolgen oder Verletzungen zu ziehen. Die 25-Jährige schätzt die Zusammenarbeit mit ihrem Vater Marco Kälin als Trainer sehr. Dieser kam aus dem Tennissport und wurde mit seinen innovativen und ungewöhnlichen Trainingsmethoden einst belächelt, legte aber genau damit die Basis für den Erfolg seiner Tochter. «Er hat immer seine ‹heilige› Kamera dabei. Damit filmt er die Besten – in letzter Zeit zum Glück auch immer mehr mich – und hilft mir so, reales Aussenbild mit der eigenen Eigenwahrnehmung zu vergleichen. Denn die sind meist recht unterschiedlich, was viele Erkenntnisse liefert, wenn man sich verbessern will.» Ein Aspekt, den man sich als Garagist bezüglich Kundenbeziehungen vielleicht ebenfalls einmal durch den Kopf gehen lassen könnte.