Drei Tage voller «Hoschi»-Spirit
«Was bleibt, ist auch ein bisschen Wehmut. Die grossartige Stimmung, die spannenden Begegnungen und die inspirierenden Gespräche werden mir in den nächsten Tagen definitiv fehlen», meint ein sichtlich zufriedener Marcel Stocker, Geschäftsführer der Hostettler Autotechnik, nach den Autotechnik Days 2026. Nicht nur die Rekordzahl an Messebesuchenden war für Stocker herausragend: «Mein persönliches Highlight waren die vielen Rückmeldungen und Komplimente, die ich für unser Team entgegennehmen durfte.» Immer wieder sei ihm gesagt worden, wie spürbar der spezielle «Hoschi»-Teamgeist sei, wie familiär die Atmosphäre. «Wir sehen unsere Kunden und Lieferanten als Partner. Was wir tun, machen wir mit Herzblut und Respekt ihnen gegenüber», erläutert Stocker.
An den drei Messetagen in Luzern wurde den Garagistinnen und Garagisten viel geboten. Erstmals fanden etwa die sogenannten Breakout-Sessions statt, bei denen zusammen mit Experten die drei Themen Neugründung, Nachfolgeregelung und Markenvertretung beziehungsweise Verlust der Marke vertieft erörtert wurden. Der Ex-Weko-Vizedirektor Patrick Krauskopf beleuchtete beispielsweise rechtliche Aspekte, wenn einer Markenvertretung gekündigt und sie zur freien Garage wird. Sein Tipp: «Wird der Händlervertrag gekündigt, reagieren Sie spätestens nach vier bis acht Wochen. Schreiben Sie einfach, dass Sie nicht einverstanden sind.» Warte man damit eineinhalb Jahre, habe man im Rechtsstreit schlechte Aussichten.
Krauskopf riet dazu, den Kundenstamm rechtzeitig selbst zu informieren, «sonst tut es der Hersteller respektive Importeur, dann verlieren Sie über Nacht ein Drittel Ihrer Kunden.» Und Marcel Stocker ergänzte zum Schritt von der Markenvertretung zur freien Garage: «Das Thema ist für uns eine Herzensangelegenheit, denn vielen Garagistinnen und Garagisten ist gar nicht bewusst, welche Alternativen es gibt.» Wie sehr das Thema unter den Nägeln brennt, zeigten auch die vielen Fragen aus dem Publikum.
Auch die zweite Breakout-Session zu Nachfolgeregelung und Betriebsübergabe traf den Nerv der Zeit. Marco Feser von der Eurotraining GmbH machte gleich zum Anfang klar: «Es ist zwar nie zu spät, sich um die Nachfolge zu kümmern, aber mit 70 Jahren muss man schon die Turnschuhe anziehen, um dies erfolgreich zu gestalten.» Zudem sei die Nachfolgeregelung kein Sprint, sondern ein Marathon und ein emotionaler Prozess, hinter dem wichtige strategische Entscheide stehen müssten. «Im besten Fall dauert es zwei, meist sind es eher fünf Jahre», so Feser. «Oft sind in einer Firma viele Verflechtungen vorhanden und eine hohe Kapitalbindung, was es sehr komplex und immer wieder anders macht.»
Ein wichtiger Punkt im ganzen Prozess sei das Loslassen durch den Inhaber: «Das ist zentral und braucht Zeit und Verständnis auf beiden Seiten», so der Garagencoach, der auch Vorurteile betreffend finanzieller Aspekte ausräumt. «Ich höre oft ‹Jeder meiner Kunden hat 200 Franken Wert›. Nur sind viele davon Karteileichen. Gleichzeitig sind Immobilien oder auch Werkstattausrüstung und Ersatzteillager selten so viel wert, wie man annimmt.» All dies seien Fallstricke bei einer erfolgreichen Nachfolgeregelung. Es gelte zudem, für eine steuerliche und rechtliche Strukturierung des Unternehmens am besten mit einem Steuerberater zusammenzuarbeiten. Das machte Severin Aliprandi von der Gewerbe-Treuhand Luzern klar: «Wir müssen einen Blick in die Zukunft wagen, und steuerrechtlich sind Sperrfristen einzuhalten. Eine Standortbestimmung, eine rechtliche Entflechtung – auch von Immobilien – ist oft vonnöten. Das verhindert auch, dass man auf den Verkaufspreis plötzlich bis zu 40 Prozent Steuern zahlt.» Es gebe schlicht keine Patentlösung für eine Nachfolge, jeder Fall sei einzigartig.
Mit einzigartigen Themen befassten sich an den Autotechnik Days nicht nur die drei Breakout-Sessions, sondern auch die vielen kostenlosen Workshops. Auf grosses Interesse stiessen etwa die Ausführungen von Bernward Limacher von der Autef GmbH zur Messung von Dieselpartikeln und vor allem die Erläuterungen von Remo Iseli und Gary Meier, den Gründern von Teslabor, zu den besonderen Anforderungen an Diagnose, Reparatur und Wartung von Tesla-Modellen. «Immer mehr Kunden suchen nun kompetente Reparaturpartner», so Iseli, denn Tesla betreibe nur neun Servicecenter. Dieses Jahr fielen rund 33 000 Teslas aus der Werksgarantie, in drei Jahren seien sogar fast 56 000 ausserhalb der Garantie unterwegs und bräuchten eine Werkstatt. «Es sind etwa 50 bis 80 freie Garagen nötig, um diese ganzen Tesla-Modelle zu pflegen und zu reparieren», rechnet Remo Iseli vor. «Wir sehen daher enormes Potenzial in dieser Tesla-Welt.»
Auch die Podiumsgäste im Forum lieferten den knapp 2100 Messebesuchenden viele Inputs für den hektischen Garagenalltag. Motorenexperte Roman Weber verriet Moderator Beat Jenny: «Mich faszinieren vor allem historische Rennfahrzeuge, bei denen der Motor möglichst kompliziert aufgebaut ist.» Der Chef der Weber Motorentechnik aus Meilen ZH, der nicht nur Aggregate revidiert, sondern auch komplette Motorenkonzepte entwickelt, ergänzte: «Motorenbau ist auch sehr viel Vertrauenssache. Die Leute bringen mir einen geschlossenen Motor und bekommen wieder einen geschlossenen Motor zurück. Sie müssen uns vertrauen, dass wir auch wirklich all das gemacht haben, was wir ihnen erzählen.» Eine Revision oder ein Umbau eines V12 könne durchaus 300 bis 400 Stunden dauern, bei einem normalen Vierzylinder gehe es mit 40 bis 50 Stunden schneller.
Mit schnellen Motoren kennt sich Cyndie Allemann ebenfalls bestens aus. Die sympathische TV-Moderatorin und Gokart-Unternehmerin sprach in Luzern über die Höhen und Tiefen ihrer Karriere als Rennfahrerin. «Ich habe 30 Jahre Motorsporterfahrung; da merkt man, dass ich alt bin», meinte die 39-Jährige lachend. Sie erzählte aus den Anfängen ihrer Gokart-Karriere, welche Entbehrungen man für eine Rennsport-Laufbahn auf sich nehmen müsse und warum schnelle Zeiten allein keine Garantie für ein Cockpit in der nächsten Saison sind. «Mein Europameistertitel 1999 zeigt mir aber: Auch mit weniger finanziellen Mitteln kann man es schaffen. Das war eine sehr gute Lektion für mein Leben und meine Zukunft.»
In Luzern ein erstes Mal vorgestellt wurde zudem das neue, modulare Werkstattkonzept der Hostettler Autotechnik AG. «Wir haben dazu extra Fokusgruppen und Garagen befragt, wie es heissen soll und welche Farben das Konzept für einen erfolgreichen Auftritt nutzen soll», erläuterte Claudia Beck, Abteilungsleiterin Werkstattkonzepte. Das Verdikt war klar: «Auto» musste in den Namen rein und dieser in allen Sprachen gut klingen. «Das Resultat: Unser neues Konzept heisst Autovivo», so Beck. «Es ermöglicht lokal verankerten Garagen, Services auf Markenvertretungsniveau anzubieten, während sie von uns die nötige Unterstützung im Bereich Kommunikation, Training und Remote-Diagnose erhalten.» Autovivo legt den Fokus auf regionales Marketing, um die Garage bekannter zu machen und ihr in ihrem Einzugsgebiet die richtige Bühne zu geben.
Auf die Bühne gebeten wurden in Luzern auch die besten Partnerunternehmen. Anhand definierter Kriterien und Kennzahlen wurden jene Lieferanten von Hostettler, die sich durch eine gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit auszeichneten, geehrt. 2026 sicherte sich SKF mit Wälzlagern, Dichtungen und Schmiersystemen den dritten Platz, Bremsbelagsspezialist TMD Friction kam auf Rang zwei, und gewonnen wurde das Supplier-Award-Ranking von Nissens, dem dänischen Hersteller von hochwertigen thermischen Komponenten und Motorteilen.
Zu den Siegern in Luzern gehörten nicht nur die Lieferanten und die zufriedenen Messebesuchenden, sondern auch das gesamte Team der Hostettler Autotechnik AG, das während der drei Messetage mit viel Herzblut für einen vollen Erfolg der Autotechnik Days sorgte – und genau auf diesen «Hoschi»-Spirit darf man sich mit Sicherheit auch bei der nächsten Ausgabe im Jahr 2028 freuen.