Gelungener Auftakt in Luzern
Zum Start am Donnerstag strahlt die Messe Luzern in frühlingshafter Märzsonne. Scherzend sagt uns Marcel Stocker, Geschäftsführer der Hostettler Autotechnik AG, mit Blick auf die Besucherzahlen der Autotechnik Days: «Ich hoffe nur, es ist nicht zu schön.» Doch bereits ist in den Messehallen viel los, und Stocker fügt freudig an: «Der Donnerstag ist sozusagen der Aufwärmtag, und wir erwarten heute 400 Besucherinnen und Besucher. Am Freitag und Samstag rechnen wir mit je 800, also insgesamt 2000 Gästen und damit 15 Prozent mehr als vor zwei Jahren. Wir haben eine Rekordzahl an Ausstellern.»
Was sagen die Ausstellenden? «Hostettler vertritt starke Marken!», betont Maurice Schindler und setzt mit einem Augenzwinkern nach: «Wie zum Beispiel uns!» Der Geschäftsführer des Fahrwerksspezialisten KW Automotive Schweiz spricht von einer «engen Partnerschaft» und schätzt, dass die Messe nur alle zwei Jahre stattfindet: «Durch den Zweijahresrhythmus können wir immer eine echte Neuheit zeigen.» Auch gefalle ihm das nicht zu grosse Format: «Der Event ist angenehm schnörkellos, bodenständig und persönlich.» Apropos persönlich: An den Ständen werden Benzin- und heutzutage auch Stromgespräche geführt, und es geht ums Business, ums Netzwerken oder auch mal um Freizeithemen wie Golfspielen.
Ein Highlight der Messe sind neben der Afterparty am Samstagabend die vielen Workshops und Referate – nicht nur, aber gerade auch zu Technikthemen. Bei den Podiumsgesprächen locken Begegnungen mit TV-Autoexpertin und Rennfahrerin Cyndie Allemann oder Blicke hinter die Kulissen des chinesischen Automarkts. An Vorführungen zeigt zum Beispiel Mahle die neue Generation der Klimawartung oder stellt Hostettler die Remote Diagnose h-RDx vor. Und in den zahllosen Workshops gibt es zum Beispiel von Teslabor alles rund um «Tesla in der Werkstattpraxis». Ganz tief in brennende Themen gehen die drei sogenannten Breakout Sessions, etwa zur Nachfolgeregelung oder zur «Hassliebe Markenvertretung».
«Es braucht beide Seiten», betont Hostettler-Geschäftsführer Marcel Stocker mit Blick auf Marken- und Mehrmarkengaragen und sagt im Hinblick auf den Schritt von der Markenvertretung zur freien Garage: «Das Thema ist für uns eine Herzensangelegenheit, denn vielen Garagistinnen und Garagisten ist gar nicht bewusst, welche Alternativen es gibt.» In der Breakout Session kommt zunächst der ehemalige Weko-Vizedirektor Patrick Krauskopf zu Wort und beleuchtet rechtliche Aspekte. Als Tipp gibt er den Zuhörenden für den Fall einer unfreiwilligen Kündigung mit auf den Weg: «Wird der Händlervertrag gekündigt, reagieren Sie spätestens nach vier bis acht Wochen. Schreiben Sie einfach, dass Sie nicht einverstanden sind.» Warte man eineinhalb Jahre, habe man im Rechtsstreit schlechte Aussichten.
Kraushaar rät, den Kundenstamm rechtzeitig selbst zu informieren, «sonst tut es der Hersteller respektive Importeur, dann verlieren Sie über Nacht ein Drittel Ihrer Kunden.» Wer vom markengebundenen zum freien Garagisten werde und seine Markenkompetenz weiter demonstrieren wolle, dürfe übrigens zwar nicht das Logo der Automarke weiterhin verwenden, wohl aber zum Beispiel schreiben: «Ihr Toyota-Spezialist.»
Danach gibt Diagnosespezialist Markus Roth von Autef Einblicke für Mehrmarkenbetriebe. «Es gibt freie Garagen, die haben fünf Diagnosegeräte, teils mit abgelaufenen Lizenzen. So können Sie aber nicht arbeiten. Ich persönlich sage: Jede Garage soll eine Marke richtig gut können und dafür Markensoftware und -lizenz verwenden.» Der Rest der Marken liesse sich über einen Drittanbieter abdecken, etwa via Remote Diagnose über Hostettler. Anna Wälti, Partner beim auf KMU des Autogewerbes spezialisierten Beratungsunternehmens CDG, verrät zudem Tipps zur Positionierung als freier Betrieb. Etwa: «Wenigstens einmal jährlich sollte jede Kundin und jeder Kunde ohne Verkaufsabsichten von Ihnen hören. Das kann ein Glückwunsch zum Geburtstag sein oder auch mal zum Geburtstag des Autos.»
Wie sehr das Thema den Garagistinnen und Garagisten auf den Nägeln brennt, zeigen die vielen Fragen des Publikums. Ein Besucher erzählt von der Kündigung nach 50 Jahren Markenvertretung. Und Marcel Gretener von der Auto-Gretener AG aus Affoltern am Albis ZH, einst VW- und heute Autofit-Partner, berichtet vom Schock der Kündigung und wie das Garagenkonzept von Hostettler zum Weg in die Zukunft wurde. «Das ist wirklich eine echte Partnerschaft – das kannte ich so schon gar nicht mehr.» Ein Besuch dieser themenvertiefenden Breakout-Sessions lohnt in jedem Fall. Am Samstag zum Beispiel zum Thema der «Neugründung einer Garage». Die Autotechnik Days laufen noch am 6. und 7. März je von 9 bis 18 Uhr.