Markus Aegerter feiert seinen 30. Geburtstag beim AGVS

Der Kleber des Anstosses und die Angst vor dem Seich

Markus Aegerter hat das Schweizer Autogewerbe durch prägende Dekaden begleitet. Zum 30. Jubiläum blickt das AGVS-Geschäftsleitungsmitglied jedoch nicht zurück, sondern analysiert messerscharf, warum Garagen auch diesen Wandel meistern – wie schon viele Jahre zuvor.
Publiziert: 20. März 2026

										Der Kleber des Anstosses und die Angst vor dem Seich
30 Jahre und (fast) noch kein Ende: Markus Aegerter ist seit 1996 für den AGVS tätig. Fotos: zVg / AGVS-Medien

Wer sich mit Markus Aegerter in seinem Büro in der Mobilcity in Bern zum Interview verabredet, trifft auf einen geerdeten, gelassenen Mann. Dabei gäbe es allen Grund, zumindest nervös zu sein. Die Branche ist in Aufruhr, teilweise bebt sie gar – und das schon seit längerem. E-Mobilität, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, China-Marken. Vieles wird da gerade hinterfragt, umgekrempelt, auf den Kopf gestellt.

Doch wer wie Aegerter seit Mitte der 90er-Jahre an vorderster Front für das Schweizer Autogewerbe kämpft und schon etliche Branchenturbulenzen überstanden hat, den wirft so schnell nichts aus der Bahn. Und so nutzt das langjährige Geschäftsleitungsmitglied sein 30-jähriges Jubiläum denn auch nicht für eine klassische Lobhudelei auf sich selbst. Vielmehr ist es eine Ansage, eine Botschaft an alle Garagistinnen und Garagisten: Ja, es stürmt gerade da draussen. Aber wir lassen uns nicht wegblasen.

 

Was Aegerter seinem jüngeren Ich raten würde

Als der mittlerweile 62-jährige Aegerter am 1. Januar 1996 beim Verband startete, war er junge 32 Jahre alt und kam direkt aus der Krankenkassenbranche zum AGVS. Hier leitete er zunächst die Abteilung Logistik, wie sie damals hiess. Wenn er an seinen ersten Tag zurückdenkt – woran erinnert sich Markus Aegerter? «Das Aufregerthema war damals das Verhältnis zu den Importeuren und die Margensituation», erzählt er. Damals waren noch viele Garagisten aktiv, welche die «goldenen» Jahrzehnte der 60er- bis 80er-Jahre miterlebt hatten.

Im Vergleich zu jetzt klingen die Sorgen von damals fast wie Luxusprobleme. «Aus heutiger Sicht wirken diese Verhältnisse fast schon komfortabel – viele Betriebe wären froh, wenn sie noch die Hälfte der damaligen Ertragslage erreichen könnten», bilanziert Aegerter. 

Hätte er seinem 32-jährigen «Ich» damals einen Tipp geben können, würde dieser eindeutig ausfallen: «Meinem jüngeren Ich würde ich raten, die Garagistinnen und Garagisten noch mehr zu ermutigen, zuversichtlich zu bleiben, Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit zu haben und den eingeschlagenen Weg mit Innovationskraft konsequent weiterzugehen.» Die grosse Stärke des Schweizer Garagengewerbes liege darin, Veränderungen nicht nur zu bewältigen, sondern sie aktiv mitzugestalten.

Auf die Kritik folgte der Katzenjammer 

Einer der grössten Aufreger in der Laufbahn Aegerters war das Ende der obligatorischen Abgaswartung. Eine sichere Einnahmequelle und ein fester Werkstattkontakt fielen plötzlich weg. Die Ironie dabei: Der AGVS selbst war 1986 der Treiber für deren Einführung. «Der grüne Kleber, der auf praktisch allen Fahrzeugen zu sehen war, stammte aus unserem Haus», meint der Berner nicht ohne Schmunzeln. 

In alten Akten seiner Vorgänger fand er Briefe von Mitgliedern, die den Verband damals wüst kritisierten, ihnen mit «so einem Seich» zusätzliche Arbeit aufzubürden. Als das Obligatorium 2013 im Zuge der On-Board-Diagnosesysteme fiel, war das Gejammer plötzlich umgekehrt gross. Doch die Branche bewies Biss: «Unsere Mitglieder haben es verstanden, diesen Wegfall aufzufangen. Dank stabiler Kundenbeziehungen und ergänzender Dienstleistungen, etwa rund um den Reifenwechsel, konnten sie den Kontakt zur Kundschaft weiterhin sichern und wirtschaftlich erfolgreich bleiben.»

Auch technologisch hielt der AGVS in jener Zeit oft Schritt. Der Verband war früh an der Entwicklung digitaler Marktplätze beteiligt und hielt einst einen bedeutenden Aktienanteil an AutoScout24. Auch wenn die Beteiligung später verkauft wurde – die Lektion wirkte lange nach. «Für den AGVS war dies eine lehrreiche Erfahrung im Umgang mit der digitalen Transformation: Wertschöpfung verlagert sich zunehmend in daten- und plattformbasierte Geschäftsmodelle», weiss Aegerter unterdessen.

 

Brennt die Hütte wirklich?

Politisch hat der im Kanton Freiburg wohnhafte Aegerter unzählige Schlachten geschlagen. Ob die zweite Gotthardröhre oder die «Milchkuhinitiative» – er war stets an vorderster Front mit dabei. «Es ist deshalb eminent wichtig, dass die Branche politisch stets eng mit verkehrs- und energiepolitischen Fragestellungen verknüpft ist», betont er. Ein sichtbares Zeichen für diesen Gestaltungswillen ist die Mobilcity in Bern – ein einzigartiges Kompetenzzentrum, das Bildung und Branche unter ein Dach bringt.

Heute reden alle über E-Mobilität und Agenturmodelle. Für manche eine riesige Chance, für andere der Anfang vom Ende. Markus Aegerter selbst bleibt cool. «Die Elektromobilität gewinnt weiter an Gewicht, davon bin ich fest überzeugt, auch wenn viele in der Branche hier noch ihre Zweifel haben», sagt er deutlich. Ja, neue Vertriebsmodelle mögen die Rolle der Garagistinnen und Garagisten infrage stellen. Aber: Sie eröffnen auch Räume für neue Dienstleistungen rund um Energieberatung und digitale Kundenlösungen.

Markus Aegerters Rezept für die nächsten 30 Jahre ist so einfach wie gradlinig: Qualität, Vertrauen und regionale Verankerung. «Gerade in einer zunehmend digitalen und KI-geprägten Welt gewinnt der persönliche Kontakt zum eigenen Garagenbetrieb weiter an Relevanz – als vertrauensvolle Konstante in einem sich rasch verändernden Umfeld», so sein Credo. Wer offen bleibt und nicht an alten Gewohnheiten klebt, habe beste Marktchancen, davon ist Aegerter überzeugt.

Der abschliessende Tipp 

Er wiederum wird dem AGVS und der Mobilcity erhalten bleiben, wenn auch nicht mehr im Vollzeit-Takt. Per Ende April reduziert er sein Pensum und geht in Teilpensionierung. «Auf Null reduzieren will ich aber auch nicht», stellt Aegerter klar – er wird den Verband künftig auf Teilzeitbasis im Mandat unterstützen, um schrittweise abzubauen.

Sein abschliessender Tipp für alle Garagistinnen und Garagisten, um nachts gut schlafen zu können? «Bleibt zuversichtlich und habt Selbstvertrauen! Die motorisierte, individuelle Mobilität lässt sich auch der digital-affine Mensch und die Jungen der Generationen Z nicht nehmen. Das zeigt nicht zuletzt die Studie ‹Garage 2035›, die wir am ‹Tag der Schweizer Garagen› vorgestellt hatten.» Dass das Gewerbe systemrelevant ist, hat die Pandemie bewiesen. Und wenn Markus Aegerter in 30 Jahren eines gelernt hat, dann das: «Wandel ist im Garagengewerbe keine Ausnahme, sondern die Konstante!»

30 Jahre ist es her: Anfang 1996 startete Markus Aegerter seine Laufbahn beim AGVS. Damals war er 32-jährig.
«Lehrreiche Erfahrung»: Markus Aegerter Ende der 90er-Jahre, noch etwas jünger.
Seine Abteilung, die heute Branchenvertretung heisst, nannte sich damals Logistik. Auch dieses Foto wurde Ende der 90er-Jahre aufgenommen.
Markus Aegerter, hier eine Aufnahme aus den frühen 2000ern, ist überzeugt, dass die AGVS-Garagistinnen und -Garagisten auch künftige Krisen meistern werden.
«Die Elektromobilität gewinnt weiter an Gewicht, davon bin ich fest überzeugt.» Markus Aegerter, AGVS-Geschäftsleitungsmitglied.
Der Abgaskleber: zuerst verflucht, dann vermisst.
2014 erfolgte der Umzug in die Mobilcity im Norden Berns. Zuvor hatte der AGVS seinen Sitz in Berns Innenstadt.
Markus Aegerter heute, noch bis Ende April in vollem Einsatz für den AGVS.

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