Allride liefert «Mobility as a Service»

Mobilität, ­einfach neu gedacht

Wie die durchgehende Digitalisierung die Mobilität und die Nutzung von Fahrzeugen ­verändern kann, zeigt die Amag-Tochter Allride. Wieso dies auch für freie Garagen spannend sein kann, ­erklärt Allride-Chef Arjan Vlaskamp.
Publiziert: 08. Januar 2026

Von

Jürg A. Stettler


										Mobilität, ­einfach neu gedacht
Arjan Vlaskamp, der Chef von Allride, bei einer der bidirektionalen Ladestationen auf dem Papieri-Areal in Cham ZG. Fotos: AGVS-Medien

Unscheinbar stehen die drei VW ID.3 neben den Ladesäulen auf dem Papieri-Areal in Cham ZG, und doch sind sie viel mehr als blosse Elektroautos neben einer Ladesäule. Und selbst diese ist übrigens nicht alltäglich. Die VWs gehören zur konstant wachsenden Flotte von Fahrzeugen aller Art, mit denen Allride seinen Kundinnen und Kunden «Mobility as a Service» liefert. Allride-Chef Arjan Vlaskamp zückt zur Erklärung kurzerhand das Smartphone und öffnet die App: «In der App geht es vor allem darum, eine Fahrt zu buchen. Egal, ob mit dem Auto oder dem Cargo-Bike. Und dank unserer Kooperation mit der SBB können Firmen sogar ein Zugticket buchen. Damit decken wir die vielfältigsten Mobilitätsbedürfnisse mit einer einzigen Dienstleistung ab.»

Er zoomt auf der Karte näher ran, wählt den Allride-Standort und ein Fahrzeug aus, swipt nach rechts – und schon ist das E-Bike gebucht. Mit einem wahrnehmbaren Klick öffnet sich das Schloss, und er könnte nun losradeln. «Das Papieri-Areal hat sich bewusst neben den Elektroautos auch für E-Bikes und Cargo-Bikes entschieden, und das Angebot wird rege genutzt», erläutert Vlaskamp. «Dank der durchgehenden Digitalisierung können wir bei allen Allride-Fahrzeugen – sogar den E-Bikes – zudem vorausschauend Serviceintervalle einplanen.» Durchgehende Digitalisierung heisst auch: keine Fahrzeugschlüssel, keine Fahrtenbücher, alles läuft über die App oder das Portal, und man hat zudem 24/7 Zugriff darauf – echt praktisch. Und das alles nicht nur für Areale, sondern auch für Fahrzeugflotten von Unternehmen. Das minimiert den administrativen Aufwand und die Flottenverantwortlichen haben damit Daten rund um Nutzerverhalten, Fahrzeugauslastung, geplante Fahrten etc. gesammelt an einem Ort.

In einer Zeit, in der längst nicht mehr alle ein Auto besitzen oder besitzen wollen und Städte wie Bern sogar mit nur einem Auto pro fünf neue Wohneinheiten planen, sieht Arjan Vlaskamp das Angebot von Allride als Chance, dass die Leute dennoch Auto fahren können und nicht ganz darauf verzichten müssen. «Je früher wir unsere Fahrzeuge und unser Mobilitätsangebot in eine neue Überbauung bringen können, desto besser.» Darum ist Allride auch oft in Arealentwicklungen involviert, die jedoch erst ab 2027 oder 2028 überhaupt realisiert werden. Der Vorteil, wenn Allride so früh mit an Bord ist: Auch die Lademöglichkeiten können schon direkt am späteren Parkort geplant werden. In Cham sind sie sogar bidirektional. Das heisst, die Autos ziehen nicht nur Strom, sondern sie können auch wieder Strom ans Gebäude abgeben und damit helfen, teure Stromspitzen zu brechen und das Netz zu stabilisieren.

 

Mehr Effizienz und Rentabilität

«Bidirektionales Laden kann auf verschiedenen Ebenen funktionieren – vom Auto zum Netz als V2G, zum Betrieb eines hauseigenen Elektrogerätes als V2H oder zu einem Areal als V2B, wie wir es hier im Papieri-Areal haben. Damit können wir beispielsweise das Anspringen einer Wärmepumpe abfedern.» Dank der bidirektionalen Ladestationen Helion BiDi werden die E-Autos so zu rollenden Energiespeichern. Gesteuert werden die Energieflüsse durch das Energiemanagementsystem, das den Strom von Energieproduzenten wie Solaranlagen, Wasser- und Windkraftwerken effizient nutzt, indem es die Verbraucher wie Wärmepumpen und E-Ladestationen intelligent vernetzt und deren Zusammenspiel für mehr Effizienz und Rentabilität optimiert. Ab Januar 2026 stellt Helion ein bidirektionales Ladeangebot übrigens auch für Privat- und Firmenkunden bereit.

Und was ist, wenn die E-Autos dann für die nächste Fahrt der Allride-Kunden nicht zu 100 Prozent geladen sind? «Das ist tatsächlich ein Thema, wobei sich diese Reichweitenangst nicht aufs bidirektionale Laden bezieht, sondern vielmehr grundsätzlich ein neues Bewusstsein und Verständnis für die Elektromobilität aufkommen muss. Denn mit 60 Prozent schafft man noch 250 Kilometer, und früher ist man im Verbrenner mit viel weniger Sprit im Tank auch locker weiter- oder losgefahren», erläutert Arjan Vlaskamp. Tatsächlich kann Allride zu jeder Zeit einen gewissen «State of Charge» sicherstellen, so dass die Mobilität für die Nutzenden gewährleistet ist – trotz Zweitnutzung der Fahrzeuge als Speicher.

 

Zusammenarbeit mit Garagen ausbauen

Doch wie passt der Garagist ins Allride-Ökosystem? Nur für den Unterhalt, wenn mal etwas an den Fahrzeugen ist, oder zweimal im Jahr zum Reifenwechsel? «Nein, wir wollen die Zusammenarbeit mit lokalen Garagen bewusst ausbauen, sodass wir den Allride-Nutzenden weitere Fahrzeuge anbieten können – es müssen auch keine Amag-Produkte sein», erklärt er. Um die technischen Aspekte wie den Weg des Fahrzeugs auf die Plattform oder die Abrechnung kümmert sich Allride als Plattform und Anbieter von «Mobility as a Service». «Wir können auch ganze Flotten nachrüsten und digitalisieren und so das Reporting für eine Firma vereinfachen und sogar durch den Einsatz der Fahrzeuge eine zusätzliche Einnahmequelle bieten», so Vlaskamp.

Den digitalen Weg vorantreiben

Der Allride-Chef erklärt: «Viele Garagen haben gewisse Bedenken, dass sie sich dann um den Kundendienst kümmern und am Wochenende, wenn mal etwas nicht klappt, ausrücken müssten. Dem ist nicht so. Wir kümmern uns um den First-Level-Support und haben dafür extra einen 24/7-Allride-Kundendienst aufgebaut.» Man könne schon ab einem Auto Teil des Ökosystems werden. «Es kommen aktuell monatlich rund 100 bis 2000 User neu dazu», rechnet Arjan Vlaskamp vor. «Uns hilft dabei, dass wir auch die ganze Flottenverwaltung als Teil von Allride anbieten können. Dank unseren Daten können wir ebenfalls Tipps zur effizienteren Auslastung oder zur Ergänzung einer Flotte geben.» Und das schlagkräftige Team von Allride treibt die Digitalisierung gezielt weiter voran, um «Mobility as a Service» noch komfortabler zu machen. Führerscheindaten können einfach gescannt und mittels Künstlicher Intelligenz geprüft und verifiziert werden oder Schäden an den Fahrzeugen über die App erfasst werden. Schaden fotografieren – danach wird dieser im Portal angezeigt und der Reparaturprozess kann effizient in Gang gebracht werden. «Und wir haben noch viele weitere Ideen», so der Allride-Chef mit einem vielsagenden Lächeln. 

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