Start der Kampagne «E-Occasion. Eh besser»

«Nun ziehen erstmals drei Verbände an einem Strick»

Der Verkauf von E-Occasionen harzt. Viele Kundinnen und Kunden zweifeln am Zustand der Batterien. Derlei Vorurteile wollen der AGVS sowie Auto-Schweiz und TCS jetzt korrigieren. AGVS-Geschäftsführer Christian Wyssmann erklärt, wie sich Mitglieder an der Kampagne beteiligen können.
Publiziert: 09. März 2026

										«Nun ziehen erstmals drei Verbände an einem Strick»
«Die Batterien halten»: AGVS-Geschäftsführer Christian Wyssmann. Foto: Screenshot Youtube / Nadja Buri

«Nun ziehen erstmals drei Verbände an einem Strick»

Christian Wyssmann, Hand aufs Herz: Haben Sie selbst keine Vorurteile gegenüber Batterien von E-Occasionen?
Christian Wyssmann: Ehrlich gesagt: nicht mehr. Die Batterien sind mittlerweile so gut, dass sie meist sogar das Auto überleben.

Welche sind aus Ihrer Sicht zwei der gängigsten Klischees in Bezug auf Batterien von E-Occasionen und wie lassen sie sich aus der Welt räumen?
Oftmals gibt es Bedenken, wie es um die Batterien von drei- oder vierjährigen Autos steht. Da haben die zahlreichen durchgeführten Batterietests gezeigt: Die Batterien halten. Ein zweiter Punkt ist die Reichweite. Betrachtet man die Distanz, die in der Schweiz im Schnitt gefahren wird, fällt dieses Argument aber häufig ebenfalls weg. Wichtig ist, vor dem Kauf einer E-Occasion die persönlichen Bedürfnisse abzuklären.

Warum engagiert sich der AGVS überhaupt für die Kampagne «E-Occasion. Eh besser»?
Eine grosse Herausforderung unserer Mitglieder ist, dass gebrauchte E-Fahrzeuge zu selten verkauft werden können. Aufgrund der Restwertentwicklung – Stichwort: technologischer Fortschritt und Preisentwicklung – bedeutet das vor allem ein betriebswirtschaftliches Problem. Konkret machen etliche Betriebe hohe Verluste. Deshalb müssen wir dieses Thema angehen.

Und warum gerade jetzt?
Wir bringen die Elektrifizierung nicht weiter, wenn wir das Problem mit den E-Occasionen nicht in den Griff kriegen. Das sehen auch unsere Kampagnenpartner Auto-Schweiz und der TCS so.

Wie sollen die Vorurteile konkret aus den Köpfen der Kundinnen und Kunden gebracht werden? Versuche in diese Richtung gab es schon mehrere, funktioniert hat es noch nie.
Es ist ein permanentes Darauf-aufmerksam-machen. Ausserdem ziehen nun erstmals drei Verbände an einem Strick: Der TCS als Verband der Autofahrenden, Auto-Schweiz als Vertreter der Importeure und wir als Repräsentant der Garagen. Das gemeinsame Auftreten ist ein wesentlicher Punkt.

Ein Auftreten, das der Kampagne ein gewisses Gewicht verleiht?
Genau. Wir wollen zeigen, dass die Herausforderung erkannt ist. Die Mobilitätsbranche spannt zusammen und versucht, die Schwierigkeiten gemeinsam zu meistern.

Was ist konkret geplant? Bei Kampagnen des Bundes wird jeweils das halbe Land mit Plakaten überzogen.
So gross ist unser Budget nicht. (schmunzelt) Wir werden vieles im digitalen Bereich und auf Social Media realisieren, zudem bei den POS in den Garagen selbst, also in den Showrooms der Betriebe. Damit potenzielle Kundinnen und Kunden erfahren, wo es E-Occasionen gibt und welches Fahrzeug für sie spannend sein dürfte. Dazu stehen Schulungsunterlagen zur Verfügung; wir werden via Medienmitteilungen informieren und natürlich via AGVS-Medien.

Was bietet der AGVS als Verband seinen Mitgliedern konkret?
Garagistinnen und Garagisten können verschiedenste Assets für ihre eigenen Kanäle, etwa ihre Website, einsetzen. Bei den POS arbeiten wir vor allem mit Flyern, auf denen unsere vier Top-Argumente für E-Occasionen dargelegt sind. Weiter gibt es in den Showrooms Displays als Eyecatcher, plus Fahrzeugkleber, die direkt an den Frontscheiben der E-Occasionen angebracht werden.

Wie beteiligen sich interessierte Garagen an der Kampagne?
Zum einen sind unsere Kundenberater derzeit unterwegs, informieren die Betriebe und verteilen das angesprochene Material. Andererseits haben wir auf unserer Website agvs-upsa.ch eine spezielle Unterseite eingerichtet, wo die Assets direkt heruntergeladen werden können. Auch POS-Material darf hier selbstverständlich bestellt oder nachbestellt werden. 

Was ist mit dem blauen Pulli mit dem gelben Blitz, der am «Tag der Schweizer Garagen» im Januar im Berner Kursaal präsentiert wurde?
Dieser ist selbstverständlich ebenfalls bei uns bestellbar. (lächelt)

Vor kurzem wurde das State-of-Health-Check-Webtool auf der AGVS-Website aufgeschaltet – siehe auch Seite 36/37 in diesem AUTOINSIDE. Wie steht es mit der Kampagne in Zusammenhang?
Der State-of-Health-Check dient der Garagistin und dem Garagisten als Nachweis dazu, der Kundin oder dem Kunden zu zeigen, dass die Batterie tatsächlich in einem guten Zustand ist. Ein entscheidender Faktor bei der Vertrauensbildung.

Beim Kauf eines Autos spielt der Preis stets eine wichtige Rolle. Viele zögern bei E-Occasionen auch deswegen, weil sie glauben, diese seien deutlich teurer als ein gebrauchter Diesel oder Benziner.
Grundsätzlich spielt der klassische Angebot-Nachfrage-Mechanismus. Momentan sind sehr viele E-Occasionen zu haben. Die Chancen, ein Schnäppchen zu erzielen, sind daher realistisch. Je nachdem, wie das persönliche Einsatzgebiet aussieht und ob die Möglichkeit existiert, das Fahrzeug zuhause zu laden, kann man so durchaus günstig Auto fahren und die eigenen Ausgaben optimieren.

Wie viel Geld nimmt der AGVS für die Kampagne in die Hand?
Der Vorteil ist, dass die Kampagne stark vom Bundesamt für Energie unterstützt wird. Ohne das BFE wäre es nicht möglich gewesen, sie zu stemmen. Da sich zudem gleich drei Verbände daran beteiligen, halten sich die Kosten in einem erträglichen Rahmen.

Die Kampagne läuft bis Ende Jahr. Wann, würden Sie sagen, war sie ein Erfolg? Wenn 2027 zwanzig Prozent mehr E-Occasionen verkauft werden?
Das Hauptargument, ob wir unsere Ziele erreicht haben, sind unsere Mitglieder. Sie können beurteilen, ob ein Bewusstsein geschaffen und etwas bewegt werden konnte. 

Was ist nebst der Kampagne nötig, um E-Occasionen zum Fliegen respektive endlich auf die Strasse zu bringen?
Die politischen Rahmenbedingungen müssen stimmen. Das Recht auf Laden und die CO2-Flexibilisierung müssen umgesetzt werden. Mir ist wichtig, zu betonen, dass der AGVS sich weiterhin für jene Themen stark machen wird. 

Als Teil dieser Kampagne werden Sie in Ihrem Freundes- und Familienkreis ebenfalls für E-Occasionen weibeln?
Selbstverständlich. Ich bin nicht nur als Geschäftsführer des Verbands, sondern auch ganz persönlich von der Sache überzeugt!

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AGVS-Geschäftsführer Christian Wyssmann: «Wir bringen die Elektrifizierung nur weiter, wenn wir auch das Thema E-Occasionen in den Griff bekommen.» (Video: Nadja Buri/Youtube) 

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