«Tag der Schweizer Garagen» 2026

Mut, Margen und ein Mahnruf

Am 20. Tag der Schweizer Garagen zeigte sich, was sich wirklich rechnet – und was für die Zukunft zählt. Ein Tag, der eindrücklich bewies, wie viel Bewegung in der Branche steckt. Eine Übersicht.
Publiziert: 14. Januar 2026

Von

AGVS-Newsdesk


										Mut, Margen und ein Mahnruf
Wingsuit-Pilotin Jenny Gygi zeigte auf, wie sich Grenzen überwinden lassen.

«Eines kann ich Ihnen versprechen: Sie werden Ihren Besuch nicht bereuen.» Mit diesen Worten eröffnete Manfred Wellauer den 20. Tag der Schweizer Garagen. Und der AGVS-Zentralpräsident sollte recht behalten. Passend zum runden Geburtstag egalisierte die grösste Fachtagung der Schweizer Garagen den Teilnehmerrekord. Über 860 Gäste im Kursaal in Bern erlebten inspirierende Vorträge mit konkreten Handlungsansätzen für den Betrieb und Networking-Möglichkeiten. Nicht nur das, sie konnten sich auch aktiv mit ihren Fragen in die Diskussion einbringen.

Diese Möglichkeit wurde auch rege genutzt. Doch bevor die Fachthemen Fahrt aufnahmen, setzte Manfred Wellauer den Rahmen für den Tag. Der Zentralpräsident stand erstmals als Gastgeber auf der Bühne und sprach von einem «turbulenten Jahr». Einem, bei dem die Garagistinnen und Garagisten den Umbruch bei ihrer täglichen Arbeit am stärksten spüren würden. Trotz rückläufiger Neuwagenverkäufe und sinkender Margen bleibe das Autogewerbe widerstandsfähig. «Aber nur wenn Qualität, Vertrauen, Fachkompetenz und innovative, neue Konzepte konsequent gelebt werden», zeigte er sich überzeugt.

Was sich rechnet – und was zählt

All das sind unerlässliche Voraussetzungen, um einen zukunftsfähigen Betrieb zu führen. Genauso wie gesunde Finanzen. Ganz nach dem Tagesmotto «Was sich rechnet – und was zählt» brachte es Transformationsexperte Ralph Panoff auf den Punkt: «Zahlen lügen nie. Aber es braucht auch das Bauchgefühl.» Er mahnte jedoch, dass man sich bei Entscheiden zu oft nur auf Gefühle verlassen würde. Wer Prozesse verbessern wolle, müsse produktive und unproduktive Zeit kennen, Ziele messen und dann umsetzen. Das könne hart sein und manchmal auch personelle Entscheidungen nach sich ziehen.

Einen Praxischeck lieferte später Sophie Berset, Geschäftsführerin der Garage Berset SA in Marly FR. Sie sprach über ein Familienunternehmen, in dem «jeder seine Verantwortung» trage, über eine «menschliche Arbeitsweise» und über den Mut, Gewohnheiten aufzugeben. Digitalisierung sei dafür «eine weitere Säule». Trends wolle man nicht erst bemerken, wenn sie da seien, sondern früh erkennen und verstehen, was die Kundschaft als Nächstes erwarte.

Kein Bauchgefühl beim Stundenansatz

Der wohl leidenschaftlichste Appell kam von Luca Jaquet: «Es gibt Dinge, die wir aus meiner Sicht falsch verrechnen», stellte der Geschäftsführer der Steiggarage in Schaffhausen fest. Ein Stundenansatz dürfe nicht aus dem Bauchgefühl entstehen, sonst «lügt man sich selbst in die Tasche». Jaquet erinnerte an Positionen, die im Alltag gern untergehen: die Eigenmiete, Zusatzleistungen wie Reifeneinlagerung oder Ersatzwagen. Sein Aufruf: «Ich möchte euch dazu animieren, richtig zu rechnen.» Und wenn man bewusst Kulanz zeige, dann zumindest transparent: «Es ist auch in Ordnung, gewisse Dienstleistungen nicht zu verrechnen, aber dann sollen sie wenigstens ausgewiesen werden. Tue Gutes und sprich darüber.» 

Im anschliessenden Format «Heisser Stuhl» nahm FIGAS-Geschäftsführer David Regli aus betriebswirtschaftlicher Optik Stellung zu den eher operativen Argumenten von Jaquet. Auch für Regli ist klar: Führung mit reinem Bauchgefühl reicht nicht, erst klare Zahlen zeigen, ob die internen Prozesse funktionieren.

Eine Weltmeisterin, die nicht wagemutig sein will 

Im Doppelinterview ordneten Manfred Wellauer und AGVS-Geschäftsführer Christian Wyssmann die Lage der Branche ein. Wyssmann nannte die E-Occasionen als Knackpunkt: «Sie sind eine der grössten Herausforderungen. Wir müssen diesen Markt ankurbeln.» Eine Live-Umfrage im Saal zeigte zudem, was viele aktuell umtreibt: Fachkräftemangel und sinkende Margen. «Diese beiden Themen stehen auch bei uns im Verband ganz oben auf der Liste», sagte Wyssmann.

Den Nachmittag eröffnete Astra-Direktor Jürg Röthlisberger (hierzu folgt eine separate Berichterstattung), der kurzfristig für den erkrankten Bundesrat und Verkehrsminister Albert Rösti einsprang. Auf ihn folgte Jenna Gygi. Die Wingsuit-Weltmeisterin zeigte eindrücklich in Film und Ton auf, weshalb sie ihren Beruf nicht als wagemutig, sondern als nüchtern kalkulierte Leidenschaft betreibt. Ebenfalls leidenschaftlich war danach der Aufruf des Westschweizers Sebastian Vazquez, Gründer und Geschäftsführer des Ladestationen-Anbieters Eve Car Plug. Er schilderte den anwesenden Garagistinnen und Garagisten sein persönliches Kundenerlebnis beim Kauf eines Elektroautos. Die Garagenbranche sei prädestiniert, als umfassender Auto- und Mobilitätsberater zu agieren und so viele weitere Leistungen entlang der Wertschöpfungskette entwickeln zu können.

Zum Schluss ging es um den Nachwuchs. Michael Raaflaub, Geschäftsführer des Vereins Lehrstellennetz, präsentierte «Lehrberufe Live!». Eine Plattform, bei der Lernende per Handy direkt aus dem Lehrbetrieb ins Schulzimmer streamen, ihren Alltag zeigen und auf den Beruf aufmerksam machen. «Good News: Es kommen in den nächsten Jahren mehr Schülerinnen und Schüler aus der obligatorischen Schule raus», berichtete er. Das eröffne Betrieben zusätzliche Chancen im Lehrstellenmarkt. Den passenden Ausklang fand der Tag der Schweizer Garagen wie immer mit dem traditionellen «Dîner des garagistes», bei dem nochmals angeregt diskutiert wurde.
 

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