Verlässlich, stark und eng verbunden
Continental gehört zu den weltweit führenden Automobilzulieferern und ist zudem bekannt für seine Reifen. Genau wie die Mobilitätsbranche selbst steht das 1871 gegründete deutsche Unternehmen mit Hauptsitz in Hannover (D) jedoch mitten in einer Transformation. Die Elektroniksparte wurde abgespalten und agiert als eigenständiges Unternehmen namens Aumovio. Continental selbst konzentriert sich aktuell mit rund 95'000 Mitarbeitenden in 54 Märkten auf Reifen sowie Industrielösungen (ContiTech). Bald soll Conti unter Führung von Christian Kötz zum reinen Reifenhersteller werden.
Beim traditionellen Conti-Dinner mit rund 150 Partnern, Kundinnen und Kunden und Mitarbeitenden sowie weiteren Gästen in Zürich machte der neue CEO Kötz, der vor 30 Jahren als Ingenieur bei Continental angefangen hatte, klar: «Bei uns steht trotz aller Umstrukturierungen der Mensch im Zentrum. Menschen machen in vielen Situationen den Unterschied. Und in unserer verrückten Welt werden verlässliche Partnerschaften wichtiger denn je.»
Von Moderatorin Mireille Jaton auf seine neue Aufgabe angesprochen, erwiderte der 55-Jährige: «Ich habe sicherlich Respekt vor der Verantwortung, auch vor jener für fast 100'000 Mitarbeitende und unsere Partner weltweit.» Kötz sieht die Transformation bei Continental als Chance und Vorteil: «In einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld gewinnen Agilität, Geschwindigkeit und Flexibilität an Bedeutung. Das ist bei einem Grosskonzern meist extrem schwierig. Wir reduzieren nun Komplexität. Das hilft, wieder pragmatischer zu sein. Zudem können wir uns aufs Kerngeschäft Reifen konzentrieren.»
Nicht nur international läuft es beim deutschen Pneuproduzenten gut, sondern auch in der Subregion Alpen Schweiz/Österreich. «Wir konnten unsere Markenposition in beiden Ländern 2025 verbessern und stärken», erklärte der zuständige CEO Daniel Freund. «Vieles ist im Umbruch und im Wandel. Wir können sehr froh sein, arbeiten wir im Reifengeschäft. Die Leute wollen weiterhin mobil sein. Dadurch haben wir ein recht stabiles Business.» Auch dass Conti im nicht so preisaffinen Premiumgeschäft tätig sei, helfe, denn beispielsweise im LKW-Reifenmarkt lief es zuletzt nicht so rund.
«Doch dort scheint die Talsohle durchschritten. Ich denke, es geht wieder aufwärts», ergänzte Freund. Und selbst wenn man im Personenwagenbereich europaweit einen Trend zu Ganzjahresreifen sehe, was nicht alle glücklich mache, konnte der Schweizer Conti-Chef Pneuhändler und Garagisten beruhigen: «Im Alpenraum wird es weiter viele Leute geben, die auf einen Reifenwechsel nicht verzichten. Zudem hilft uns als Premiummarke, dass es einen Trend zu grosszolligen und breiten Reifen gibt, die gute Margen versprechen.»
Die Schattenseite sei, dass die massive Zunahme bei den Dimensionen nach grösseren Lagern verlange. «Für Österreich konnten wir das Lager im nahen slowakischen Bratislava vergrössern. In der Schweiz ist das nicht so einfach», gestand der Chef der beiden Alpenländer. «Wir werden aber ab Sommer auch hierzulande Zugriff auf ein zusätzliches Reifenlager haben, sodass wir für die nächste Saison alle Garagistinnen und Garagisten zuverlässig mit Winterreifen versorgen können.»
Zuverlässigkeit steht ebenfalls beim Sponsoring von Continental Schweiz im Vordergrund, daher arbeitet Conti seit zehn Jahren mit dem TCS zusammen. Und der Reifenspezialist hat soeben sein Engagement im Schweizer Eishockey, in dem Conti als Hauptsponsor der Referees auftritt, verlängert. «Es muss immer für beide Seiten stimmen, und es muss für beide etwas bringen», meinte Daniel Freund dazu vielsagend.
Freuds oberster Chef Christian Kötz ergänzte: «Vertrauen ist die Basis für eine gute Partnerschaft. Und genau dann, wenn es mal schwierig wird, ist das Vertrauen die wichtigste Basis. Produkte, Lieferfähigkeit und Abläufe sind wichtig, aber es braucht auch die menschliche Komponente.» Und weil Winterpneus für den Reifenhersteller weiterhin ein wichtiges Geschäftsfeld bleiben werden, verriet Kötz: «Auch die beiden Winterreifen- und Alpenländer bleiben für uns als Continental enorm wichtig.»
In der Reifenindustrie lägen die Herausforderungen stärker im sich verändernden Wettbewerbsumfeld. Neue Reifenhersteller aus Asien drängten beispielsweise mit Billigexporten nach Europa und Nordamerika. «Mit unseren Premiumreifen haben wir hier einen klaren Technologie- und Markenvorsprung. Diesen müssen wir weiter ausbauen und gleichzeitig kontinuierlich an einer wettbewerbsfähigen Kostenstruktur arbeiten», so der Continental-CEO zum Abschluss des Conti-Dinners 2026 in Zürich.