Frauenförderung im Autogewerbe

Wenn Frauen an grossen Maschinen schrauben

Gerade im Nutzfahrzeugbereich sind Frauen noch selten. Doch wo eine von ihnen in der Werkstatt arbeitet, spricht sich das schnell herum – und plötzlich interessieren sich auch andere für den Beruf.
Publiziert: 09. April 2026

Von

Kai Müller


										Wenn Frauen an grossen Maschinen schrauben
Taugt perfekt als Vorbild für junge Frauen: Sophie Schumacher, WorldSkills-Siegerin 2024. Foto: SwissSkills

Die Nutzfahrzeugbranche mit ihren gewaltigen Fahrzeugen und schweren Bauteilen? «Männersache!» lautet leider bis heute ein gängiges Vorurteil. Doch verschiedene Betriebe zeigen, dass dies heute längst anders ist. Ein Beispiel ist die ABAG Nutzfahrzeuge AG in Uetendorf BE: Dort absolviert eine junge Frau die Grundbildung zur Automobil-Mechatronikerin EFZ Fachrichtung Nutzfahrzeuge und sorgt so ganz nebenbei dafür, dass sich auch andere Frauen für den Beruf interessieren: Nadine Arn.

Die 21-jährige Oberaargauerin kam über Umwege in die Autobranche, nachdem sie zuerst eine berufliche Grundbildung zur Zimmerin absolviert hatte. «Mit 16 habe ich angefangen, an Autos zu schrauben», erzählt sie. «Bald merkte ich: Ich will diese Leidenschaft zu meinem Beruf machen.» Ein Kollege brachte sie später auf die ABAG Nutzfahrzeuge AG. «Hier wird sehr viel Technisches gemacht: auseinandernehmen, revidieren, wieder zusammenbauen. Genau das hat mich gereizt.» Personenwagen seien ihr «viel zu klein», sagt Arn und fügt lachend an: «Ich brauche grosse Spielzeuge.»

«Ein bisschen Panzer braucht es schon – Kritik darf man nicht persönlich nehmen.»

Nadine Arn, Lernende Automobil-Mechatronikerin EFZ Fachrichtung Nutzfahrzeuge, 2. Lehrjahr

Dass bei der ABAG Nutzfahrzeuge AG eine Lernende arbeitet, spricht sich herum – und hat Wirkung. «Wenn weibliche Schnupperlernende vorbeikommen und Nadine sehen, geht ihnen gleich das Herz auf», sagt Arns Berufsbildner Roger Pfister. Mehrere junge Frauen hätten sich bereits fürs Schnuppern gemeldet, erzählt Arn, darunter auch eine Kollegin von ihr. «Ich sage ihnen immer: Wenn ich das kann, kannst du das auch.»

Damit sie sich von Anfang an wohlfühlte, war vor allem der Umgang im Team zentral. «Ich wurde hier mit offenen Armen empfangen», erinnert sich Arn, die mittlerweile im zweiten Lehrjahr ist. In einer Männerdomäne müsse man aber auch einstecken können: «Ein bisschen Panzer braucht es schon – Kritik darf man nicht persönlich nehmen.»

 

Haltung im Betrieb ist entscheidend

Andere Garagen bestätigen: Entscheidend ist die Haltung im Betrieb. Bei der Nufag in Emmen LU arbeiten neben der letztjährigen EuroSkills-Siegerin Alina Knüsel zwei weitere Nutzfahrzeug-Mechatronikerinnen. «Wir machen bei der Auswahl von Lernenden keinen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Bewerbern», sagt Geschäftsführer Hans Peter Geser. Wichtig sei vor allem, jungen Frauen die Angst vor der körperlichen Arbeit zu nehmen. «In der Werkstatt gibt es viele Hilfsmittel, und man arbeitet ohnehin im Team.»

Aus Sicht des AGVS sollten sich Betriebe zudem bewusst mit gängigen Rollenbildern auseinandersetzen. «Bildet ein Betrieb erstmals weibliche Lernende aus, sollte das Team vorgängig sensibilisiert werden», sagt Olivier Maeder, AGVS-Geschäftsleitung Bereich Bildung. Als Einstieg könnten etwa gezielte Schnuppertage oder sogenannte Girls-Days organisiert werden, bei denen Schülerinnen den Werkstattalltag kennenlernen. 

Nicht zuletzt kommt es auf Sichtbarkeit an. Wer auf Websites, in Inseraten oder auf Social Media Frauen prominent zeigt, signalisiert potenziellen Bewerberinnen klar: Ja, dieser Beruf steht auch euch offen. Ein Signal, wie es auch Sophie Schumacher, WorldSkills-Gewinnerin 2024, und Alina Knüsel für die Branche gesetzt haben: Im Nutzfahrzeugbereich sind die Aussichten golden.

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