Neue AGVS-Dienstleistung: SOH-Check

Werkzeug für mehr Schwung im E-Occasionsmarkt

Als Occasionen sind E-Autos derzeit eher Belastung als Business. Das soll sich ändern. Der AGVS engagiert sich dazu in der Roadmap Elektromobilität – und hat mit dem State-of-Health-Check ein Webtool lanciert, das die Durchführung von Batterietests fördert.
Publiziert: 03. März 2026

Von

Timothy Pfannkuchen


										Werkzeug für mehr Schwung im E-Occasionsmarkt
Bei gebrauchten Elektroautos verrät der «State of Health» (SOH), wieviel Restkapazität die Batterie als teuerstes Bauteil hat. Markus Peter, Leiter Technik & Umwelt beim AGVS, empfiehlt allen AGVS-Mitgliedern, die Resultate im neuen Tool des AGVS einzutragen. Foto: iStock/AGVS-Medien

Schönreden hilft da nichts: Trotz stockendem Neuwagen- und laufendem Gebrauchtwagenabsatz sind Elektroauto-Occasionen auf dem Platz derzeit kein Wunschbild für Garagen. Denn den Kundinnen und Kunden fehlt das Vertrauen in E-Occasionen, der Handel bewegt sich ergo vorsichtig. Hauptgrund für die Unsicherheit der Endkunden ist die Sorge um den Zustand der Batterie. Ironie des Vorurteils: In der Regel zeigen Checks des State of Health (SOH), dass das teuerste Bauteil des E-Fahrzeugs lange hält.

Um den Endkunden die Sorgen zu nehmen, Vertrauen zu schaffen und das Business mit E-Occasionen anzukurbeln, engagiert sich der AGVS in mehrfacher Hinsicht. Eine Kampagne mit Auto-Schweiz, TCS und EnergieSchweiz zählt dazu, das Engagement in der Roadmap Elektromobilität des Bundes, in welcher als eins von vier Leuchtturmprojekten in Workshops unter AGVS-Beteiligung Massnahmen das Ziel sind, die den E-Occasionsmarkt in Schwung bringen. «Ein Thema sind dabei etwa Garantien – sowie die Prüfung und Dokumentation des Batteriezustandes», erläutert Markus Peter, Leiter Technik & Umwelt beim AGVS. 


Prüfung des Batteriezustandes soll Standard werden

Viele Garagen nutzen bereits markenübergreifende oder -gebundene Diagnoseanwendungen zur Prüfung des «State of Health» (SOH) der Batterie. Mit dem Webtool des SOH-Checks können die Garagen die ermittelten Testergebnisse mit Angaben zu Fahrzeug und Nutzungsverhalten in eine Datenbank eintragen. Sie tragen damit zum besseren Verständnis über das Verhalten der Batterie bei und leisten einen Beitrag zu aussagekräftigen Auswertungen, die der AGVS anhand der Daten vornehmen kann. «Wir wollen unseren Mitgliedern mit dem SOH-Check ein Werkzeug an die Hand geben, das dazu beiträgt, regelmässige Batterieprüfungen zum Standard zu machen, für die Branche wichtige Daten zu generieren und Vertrauen in E-Occasionen zu schaffen», sagt Markus Peter, verantwortlich für das Tool. «Die Anwendung und Dokumentation von Batterieprüfungen soll so selbstverständlich sein wie die Durchführung des Fahrzeugservice. Dabei wollen wir motivieren, nicht erst nach vier Jahren am Leasingrückläufer, sondern auch vorher zum Service den SOH-Check durchzuführen.» Die Datenbank dürfte mit der Zeit spannende Ergebnisse liefern. «Es wird zu sehen sein, welches Modell nach welcher Laufzeit und welcher Laufleistung im Schnitt üblicherweise noch wieviel Kapazität hat, welche Prüfverfahren dominieren oder welche Ladestrategie die Batterie schont.» 

Bis zu 15 Franken pro SOH-Check

Der kleine Mehraufwand für Garagen ist im doppelten Sinne nicht umsonst. Dank der Unterstützung durch EnergieSchweiz wird das Engagement vergütet. Für den Eintrag des SOH in der Datenbank gibt es fünf Franken. Wird der Bericht oder das Zertifikat der Batterieprüfung der Kundschaft erläutert, steigt diese Vergütung auf 15 Franken. Die Erklärung hilft der Kundschaft, die Informationen auf dem Bericht bzw. Zertifikat einzuordnen und bietet die Gelegenheit, auf Optimierungen beim Ladeverhalten hinzuweisen. Die Förderung läuft bis Ende 2026 (oder bis Ausschöpfen der Fördergelder). Es lohnt sich also, sich gleich anzumelden und das Webtool des SOH-Checks rege zu nutzen.

Das Vorgehen: Anmelden via Website, AGVS-Kundenberater oder per Mail an sandra.thurnherragvs-upsa.ch. Per Mail erhalten Sie die Zugangsdaten zum Webtool, das über die AGVS-Website aufgerufen wird (siehe Button unten). Betrieb, Datum, Fahrzeugtyp, Kilometerstand, erste Inverkehrsetzung und Prüfverfahren (z.B. Aviloo-Flash-Test, OEM-Diagnose), Grund für die Prüfung und Kommunikation mit der Kundschaft eintragen. Falls bekannt, kann das Ladeverhalten erfasst werden. Das Ziel, so Markus Peter: «Endkunden wie Garagen sollen künftig klar wissen: Dieser Kauf lohnt sich – oder eben nicht.»

Hier geht es zum Webtool des SOH-Checks

 

Wie viel ist das E-Auto wert?

Nicht nur für den AGVS, auch für den Datenspezialisten Auto-i-Dat ist der SOH-Check ein Thema – wegen des Einflusses auf den Fahrzeugwert. Die etablierte App autoValue zur Fahrzeugbewertung verfügt deshalb neu über einen Korrekturfaktor zum Batteriezustand. So lässt sich der Marktwert noch genauer berechnen, ob bei PW oder leichten NFZ. Der Händler scannt wie gewohnt den Fahrzeugausweis und erfasst Mängel. Bei E-Fahrzeugen kommt der aktuelle SoH hinzu. «Weil wir den Sollwert nach einer bestimmten Laufzeit und Laufleistung kennen, können wir das Delta errechnen,» erläutert Philipp Zimmermann, Geschäftsführer Auto-i-Dat. Eine überdurchschnittliche Batterie erhöht, eine unterdurchschnittliche mindert den Wert – und dies wird sofort transparent angezeigt. «Verkäufer wie Kunde sehen, wie sich der Wert zusammensetzt. Das schafft Vertrauen», so Zimmermann: «Wir möchten die Branche unterstützen, die vielen guten E-Occasionen erfolgreich weiterzuverkaufen. Und dem Kunden den Aufpreis begründen zu können, falls die Batterie besser ist als erwartet.» Indem mit der Batterie das teuerste Bauteil in der Bewertung berücksichtigt wird, erhöht dies die Transparenz und wirkt vertrauensbildend.
 

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