Marktanteile neuer chinesischer Marken 2025

Wie China die Schweizer Kantone erobert

Über drei Prozent aller neu immatrikulierten Personenwagen zählten 2025 bereits zu einer der vielen frischen Automarken aus China. Ein Blick mit Experte Guido Biffiger auf schweizweite Marktanteile, in welchen Kantonen diese Marken bereits gut ­präsent sind und wo sich noch Chancen anbieten.
Publiziert: 20. März 2026

Von

Timothy Pfannkuchen


										Wie China die Schweizer Kantone erobert
Die Chinesen sind da: Wie hier der Schweiz-Launch von Leapmotor Ende Januar 2025 zeigen inzwischen auch die Verkaufszahlen, dass diese neuen Marken gekommen sind, um zu bleiben. Foto: Leapmotor

Manchmal lügen Zahlen eben doch ein wenig. Was sind schon 3,1 Prozent? Tönt nach fast nichts, aber ist doch bereits viel. Wer die Marktanteile der «neuen» chinesischen Automarken (bewusst ohne europäisch wahrgenommene Namen wie Polestar oder Smart gerechnet) 2025 betrachtet, darf staunen: BYD, JAC und Co. kamen gemäss Auto Consultant Guido Biffiger, der alle hier verwendeten Zahlen errechnet hat, inklusive Direktimporten auf 3,1 Prozent Marktanteil. Das mag unwesentlich mehr scheinen, als es zum Beispiel Tesla (2,7 Prozent) allein verbucht. Doch angesichts dessen, wie kurz die Zeit seit Markteintritt teils erst ist, sind die Zahlen verblüffend. Drei Beispiele: Erst im April 2025 offiziell gestartet, kam BYD auf 0,7 Prozent oder Leapmotor (seit Januar 2025) auf 0,4 Prozent – womit beide zum Beispiel Lexus (0,3 Prozent) überholt haben und BYD etwa zu Fiat (0,7 Prozent) aufschliesst. Und MG, seit Mai 2024 (wieder) hier, verzeichnete 1,7 Prozent; das entspricht also dem Marktanteil etablierter Namen wie Opel oder Suzuki.

Erstaunlich: Während wir Namen wie Aiways, JAC, Nio, Voyah, Xpeng oder Zeekr inzwischen kennen und einzuordnen wissen, tauchen durch Direktimporte in geringer Stückzahl noch weithin unbekannte Namen wie SWM oder Jaecco auf, die offiziell noch gar nicht hier sind; während zwischenzeitlich bereits weitere Marken wie Lynk&Co (seit Januar) zu uns gestartet sind. Umgekehrt landet manche Marke, die mit grossem Hallo angetreten war, unter «ferner liefen», also in der Tabelle in der Rubrik «Diverse» mit weniger als zehn Neuzulassungen. Darunter Marken wie etwa Nio (nur zwei Immatrikulationen). Dies zeigt, wie schnell und stark sich der Markt diesbezüglich bewegt und stetig neu sortiert und noch stark konsolidiert.

Fast zur Hälfte Hybrid statt Elektro

Eine der verblüffendsten Erkenntnisse von Auto Consultant und Statistikexperte Biffiger (der inklusive Direktimporte für 2025 auf 245'310 Neuwagen kommt): «Die Modelle aus China werden hauptsächlich als Elektroautos wahrgenommen. Tatsächlich aber waren mit 45,9 Prozent nur knapp die Hälfte der 2025 neu immatrikulierten PW dieser Marken mit reinem Elektroantrieb versehen. Hybride und Plug-in-Hybride lagen bei 27,9 respektive 17,9 Prozent. Und jeder 20. Neuwagen hatte nur den klassischen Benziner.» Wie die Etablierten bespielen auch die Newcomer den Markt doppelspurig: Während E-Antrieb kommunikativ im Vordergrund steht, sorgen Hybride für Stückzahlen. Biffiger vermutet, dass dazu einerseits bei manchen Marken das gar nicht unbedingt günstigere Preisniveau beiträgt und andererseits bei einigen Marken betont tiefe Tarife. «Die Kundschaft dieser Marken dürften tendenziell Mieterinnen und Mieter statt Eigenheimbesitzer sein, so dass sie seltener eine Ladestation installieren lassen können.»

 

China fasst bei Mietwagen Fuss

Für die AGVS-Medien hat Biffiger die 2025er-Zahlen nach Kantonen aufgeschlüsselt, um aufzuzeigen, wo die Präsenz der neuen Marken in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein Stärken oder Lücken aufweist. «Überdurchschnittlicher Nachfrage erfreuten sich die neuen chinesischen Marken mit 4,8 Prozent Anteil im Aargau, mit 4,3 Prozent in Neuenburg, mit 3,9 Prozent im Kanton Solothurn und mit je 3,5 Prozent in den Kantonen Zürich, Luzern und Thurgau», so Biffiger. «Kaum Interesse bestand im Fürstentum Liechtenstein mit 1,1 Prozent und im Kanton Appenzell Innerrhoden mit 1,2 Prozent.» Übrigens: Mietwagen weist Biffiger in seiner Analyse separat aus (Spalte «M») und stellt fest: «MG mit 304 und BYD mit 100 Immatrikulationen gelang es sofort, im Mietwagenbusiness Fuss zu fassen.» Übrigens: Die Topseller der drei grössten neuen Marken waren bei BYD (1642 Immatrikulationen) Seal U (894) und Sealion 7 (324), bei Leapmotor (952) die Modelle T03 (497) und C10 (362) und bei MG (4085) die beiden SUV ZS (1298) und HS (1126). 

Angesichts solcher Zahlen ist klar: Die chinesischen Marken dürften kein vorübergehendes Phänomen sein. Zwar wird es einige Konsolidierungsrunden geben, aber wie einst die Japaner und später Südkoreaner sind chinesische Marken wie BYD, Leapmotor oder MG nicht in die Schweiz gekommen, um sie wieder zu verlassen. Was wiederum Schweizer Garagistinnen und Garagisten bei allen Hürden vor allem neue Chancen bietet.

Hier gibt es die ausführlichen Daten aus Text und Statistik als PDFs zum Download: 

Neue chinesische Marken nach Modell und Antrieb 2025 sowie neue chinesische Marken nach Kantonen 2025.

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