Erste Erfahrungen mit chinesischen Marken

«Wir spüren echte ­Partnerschaft»

Chinesische Automarken eröffnen neue Chancen für Garagen. Wir befragen den BYD-Partner Steffen Garage in Remetschwil AG und den MG-Händler Arenaz Automobiles Crissier VD nach ihren Erfahrungen und der ­Resonanz der Kundschaft.
Publiziert: 11. März 2026

Von

Timothy Pfannkuchen


										«Wir spüren echte ­Partnerschaft»
Traditionsbetrieb: Zum 60. Jubiläum wurde die Steffen Garage von Dominik (l.) und Adrian Steffen zum BYD-Partner. Das Branding folgt noch, deshalb entstand erst diese Plakatwand. Fotos: AGVS-Medien

Wer am Rohrdorferberg im Postauto zur Steffen Garage AG fährt, ist unterwegs eigentlich bereits dort: Seit 100 Jahren ist die Steffen Bus AG aus Remetschwil AG in heute dritter Familiengeneration hier in der Region unterwegs, aktuell mit 27 Bussen und 85 Mitarbeitenden. Vor 60 Jahren wurde zudem der Garagenbetrieb ins Leben gerufen und vertrat lange Simca. Vor allem aber 39 Jahre lang als einer der grössten Händler Saab. Stolz pflegen die Co-Inhaber und Co-Geschäftsführer Adrian und Dominik Steffen mit 21 Mitarbeitenden die Tradition. Das sieht man: hier ein Saab 99, dort ein 9-3 Cabrio. Und das spürt man: Die Brüder brennen für Autos. Einst für Saab. Und heute auch für BYD.

Denn vergangenes Jahr stiess den Brüdern zu, was vielen Garagen passiert. Als erst Simca und später Saab starben, wurde Ford bereits 1982 das grosse Umsatz-Standbein der Steffen Garage. Doch schützt Tradition heute nicht vor Kündigung: Der Ford-Service blieb, der Ford-Handel entfiel. Dominik Steffen, bis vor einem Jahr in Führungsjobs bei Importeuren, kam in Kontakt mit dem seinerzeit den Schweizer Start planenden Autoriesen BYD, fast eine Million Mitarbeitende (darunter 100'000 Ingenieur:innen!) stark und bei E-Autos längst vor Tesla. Im April 2025 startete BYD bei uns, seit Oktober sind die Steffens Partner.

 

Andere Marke, dieselben Werte

«Unsere DNA ist bis heute von Saab geprägt», sagt Adrian Steffen, «und deshalb haben wir uns für BYD entschieden. Autos sind für uns mehr als Fahrzeugverkauf. Bei Saab ging es um die bessere Technologie, Leidenschaft, Service, Kompetenz. Genau diese Dinge sehen wir heute in BYD.» Hinzu komme, erläutert Dominik Steffen: «Bei den etablierten Importeuren wären wir nur eine Nummer mehr gewesen. Bei BYD sind wir ein Local Hero! Wir spüren echte Partnerschaft. Auch dank der enormen Lernbereitschaft bei BYD, den speziellen Schweizer Markt mit seiner regionalen Verankerung zu verstehen: Uns wird zugehört, wir können mitgestalten.» Zudem sei BYD flexibel. Ein Beispiel: Obwohl die Garage dieses Jahr erst noch auf die BYD-CI getrimmt werden muss, begann bereits der Verkauf. «Mit BYD spürt man den ‹Chinese Speed› hautnah, es geht alles extrem schnell», lobt Dominik Steffen.

Haben die Brüder Steffen keine Angst, dass BYD dereinst jenes Schicksal ereilen könnte, das Simca oder Saab traf? «Wenn eine Marke bleibt, dann BYD», ist Adrian Steffen sicher. «Mit der Breite dieses Portfolios können wir alles bieten. Mit Ford hatten wir das zuletzt nicht mehr.» Dominik Steffen fügt an: «Sehen Sie sich die vertikale Struktur an: Wo BYD draufsteht, ist BYD drin. Als einziger grosser Automobilhersteller vereint BYD eine aussergewöhnliche vertikale Integration und entwickelt sowie produziert die Blade-Batterie, den Antriebsstrang und die Software konsequent selbst.»
 

Mit BYD viele Neukunden gewonnen

Der Enthusiasmus ist da – aber kommen die Autos an? «Die Akzeptanz ist hoch», so Dominik Steffen, «wir haben bereits doppelt so viele BYD verkauft, als wir anfangs für diesen Zeitraum kalkuliert hatten. Darunter je zur Hälfte Hybride und Elektroautos und ganz überwiegend an Neukunden: Wir behalten unsere alte Kundschaft und gewinnen eine neue.» Und wenn die Kundschaft politische Skepsis äussert? «Wir verkaufen Technologie und nicht Politik. Die Europäer sind seit den 1980er-Jahren in China präsent. Wieso sollten chinesische Marken das nicht andersherum ebenfalls sein?» Was es gebe, seien vereinzelte Kundenzweifel an Qualität, Service oder Ersatzteilversorgung. «Die Qualität spricht für sich – ebenso die speziell in der Schweiz geltende Garantie von acht Jahren. Letztere differenziert uns zudem von Direktimporten. Wegen jener wird auch teils gefragt, ob wir nur verkaufen oder auch reparieren. Apropos: In der Werkstatt spüren wir teilweise, dass die Aftersales-Strukturen noch im Entstehen sind. Aber sie wachsen schnell. Sicher, ein Unternehmen wie BYD fordert uns auch. Aber wer fordert, der fördert. Wir wollen ja nicht nur Schritt halten, sondern vorangehen.»

«Der erste Bus unseres Grossvaters hat vor 100 Jahren die Kutschen abgelöst», resümiert Adrian Steffen. «Jetzt lösen wir im Busbetrieb langsam die Verbrenner ab und machen zum 60. Jubiläum dasselbe in der Garage. Wir wollen der vierten Generation einen zukunftsfähigen Betrieb übergeben. Mit BYD klappt das!»

 

Mit MG dynamisch unterwegs

Denselben zuversichtlichen Blick in die Zukunft erleben wir auch bei der Arenaz Automobiles Crissier SA. Der Betrieb, ebenfalls Mitglied des AGVS, liegt unweit der Autobahn A1 im Herzen des Gewerbe- und Industriegebiets und ist seit zwei Jahren die Heimat von MG hier in Crissier VD. «Wir sind gut gestartet, und es läuft weiterhin sehr gut», kommt Direktor Thomas Simonetti sofort auf den Punkt. Dafür gebe es gleich mehrere gute Gründe. «Die Marke MG hat eine lange Geschichte – mit mehr als 100 Jahren britischer Tradition und heute einem modernen europäischen Design, das sehr gut ankommt. Diese Kombination aus Tradition und Moderne wirkt vertrauenserweckend und attraktiv», sagt Simonetti. Zudem sei die Palette mit Verbrennern, Hybriden und Elektroautos sehr breit, sodass alle Kundenwünsche abgedeckt werden könnten. «Und die Preise sind bei MG besonders wettbewerbsfähig, was auf dem Schweizer Markt ein echter Vorteil ist. Hinzu kommt eine Garantie von sieben Jahren oder 150000 Kilometern, also ebenfalls ein starkes Argument, um Vertrauen und Zufriedenheit bei Kundinnen und Kunden zu stärken», betont der Westschweizer. 

Netzausbau belebt das Geschäft

Mit zwei neuen MG-Händlern in der Region Genf (Petit-Lancy und Nyon) und einem weiteren in Collombey VS wächst das Netzwerk in der Romandie allerdings. Ist das kein Problem für das sehr kundenorientierte Familienunternehmen in Crissier? «Die Nachfrage ist gross, insbesondere nach Hybrid- und E-Fahrzeugen, also ist auch der ‹Kuchen› gross genug», argumentiert Simonetti, «und der Netzausbau ist vor allem ein Vorteil für die Kundinnen und Kunden und vereinfacht den Kundendienst». Denn, sagt der Direktor, eine bessere Abdeckung bedeute mehr Nähe und Verfügbarkeit.

Im Aftersales und in der Werkstatt herrscht vielerorts noch Skepsis gegenüber chinesischen Automarken. Zu Recht? Simonetti gibt Entwarnung: «Es gibt zwar Fragen zum Kundendienst und zur Verfügbarkeit von Ersatzteilen, aber wir werden hier vom Importeur Astara sehr gut unterstützt. Die Kommunikation ist regelmässig und klar, was die tägliche Arbeit enorm erleichtert. Wir können einen professionellen und zuverlässigen Kundendienst gewährleisten, sodass unsere Kunden sich keine Sorgen machen müssen.» 

Die Chinesen sind gekommen, um zu bleiben

Im Verkauf hat die Garage Arenaz Automobiles mit MG ebenfalls positive Erfahrungen gemacht – denn die britische Tradition paare sich perfekt mit der chinesischen Zukunft. «Für viele war MG das ‹Auto des Grossvaters›. Die Marke steht für eine Geschichte und ein britisches Erbe, das bis ins Jahr 1924 zurückreicht. Das wiederum verleiht echte Legitimität», erläutert Simonetti. «Heute gehört MG zur chinesischen SAIC Motor Group, also zu einem der grössten Autohersteller der Welt. Das garantiert eine hohe industrielle und finanzielle Stabilität sowie eine ausgezeichnete Fertigungsqualität und grosses technologisches Know-how.» Diese einzigartige Kombination, ergänzt um eine klare Vision, macht sehr zur Freude von Thomas Simonetti und seinem Team klar: Auch MG ist gekommen, um zu bleiben.

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