Alles für die schweren Fälle
Ohne Bosch geht es sowieso nicht: Bereits seit 1886 ist die Robert Bosch GmbH (in der Schweiz als Robert Bosch AG) ein vertrauter Name und hat eigentlich alles im Programm, von Ersatz- und Verschleissteilen über Werkstattausrüstung bis zu Diagnose und Software. Naja, sagen wir: fast alles. Ein paar Lücken (etwa bei den Bremsen) füllt Bosch jetzt jedoch.
Bei den «Schweren» sieht Bosch, wie zur IAA Transportation mitgeteilt wurde, Potenzial. Bis Mitte der 2030er-Jahre soll sich der Umsatz mit Technik für schwere Nutzfahrzeuge, heute gut vier Milliarden Franken, verdoppeln. Im Fokus: Alternativantriebe, Sensorik, Assistenz, Hard- und Software für Vernetzung und Automatisierung. Das Portfolio reicht bis hin zu KI.
Natürlich bleibt das mehr als umfassende Aftermarket-Angebot aber ein Bosch-Markenkern. Batterien, Common-Rail-Systeme, Keilrippenriemen, Filter, Sensoren oder Wischblätter gehören beispielsweise dazu. Hinzu kommen Lenksysteme (siehe unten) und Diagnose- und Prüftechnik. Neu baut Bosch bei den Nutzfahrzeugbremsen aus. Zum Portfolio gehören jetzt etwa Scheibenbremsbeläge für gängige Marken und Achssysteme – von DAF, Iveco, MAN über Mercedes und Scania bis zu Volvo oder BPW und SAF. Je nach Fahrzeug kommen diverse Belagsvarianten zum Einsatz, um Reibwert, Komfort und Verschleiss abzustimmen.
Bosch belässt es nicht bei den vorgeschriebenen Tests gemäss ECE-R90 (Anforderungen an Bremsenersatzteile). Die Beläge werden zusätzlich etwa auf Einbremsverhalten, Fading, Hitzefestigkeit, Bremskraft und Verschleiss geprüft. «In Tests nach ISO 26866 verursachten Bosch-Beläge 25 Prozent weniger Scheibenverschleiss als die Erstausrüstungsbeläge», weiss dazu Dirk Appelt, Leiter Automotive bei der Bosch Schweiz AG.
Wieviel Nutzfahrzeugteile im harten Arbeitseinsatz aushalten müssen, zeigt sich besonders bei Filtern. Im Fernverkehr sind Laufleistung, schwankende Treibstoffqualität, Staub und Klima enorme Belastungen. «Nutzfahrzeugfilter müssen zwei- bis dreimal mehr leisten als Filter in Personenwagen», so Appelt. Egal, ob beim Partikelschutz per Luftfilter, ob bei Schmutz und Wasser abhaltenden Dieselfiltern oder Diesel-Vorfilter oder Sekundär-Luftfilter für noch mehr Schutz. Erweitert wurde das Programm an Urea-Filtern, die AdBlue-Lösungen reinigen, um Blockaden und fehlerhafte Dosierung zu verhindern. Neben der Denoxtronic deckt Bosch neu auch Cummins-Hilite ab – unter anderem im Actros sowie bei DAF und Scania. Für Werkstätten heisst das: noch mehr Anwendungen komplett aus einer Hand.
Parallel zur Menge der verbauten Elektronik nimmt die Bedeutung der Diagnose weiter zu. Dafür hat Bosch die Esitronic für Truck und Off-Highway-Fahrzeuge aufgebaut. Die Software enthält Daten für mehr als 600 Marken und 18'000 Modelle samt leichten Nutzfahrzeugen oder Land- und Baumaschinen. Je nach Softwarepaket stehen etwa Fahrzeuginformationen, Steuergerätediagnose, Originaldokumente, Reparatur- und Einbauanleitungen, Schaltpläne sowie Wartungs- und Serviceinformationen zur Verfügung. Im Truck-Master-Paket kommen weitere Funktionen hinzu. «Info Pro» etwa stellt vollständige Fahrzeugschaltpläne bereit und führt mit «Smart Guides» Schritt für Schritt durch die Fehlersuche. Ein Knorr-Bremse-Add-on ermöglicht zudem Zugriff auf spezifische Diagnose und Dokumentation dieses Herstellers.
Bei der Hardware setzt Bosch im Nutzfahrzeugbereich etwa auf das Diagnosegerät KTS Truck sowie auf FSA-Systeme und spezielle HV-Prüftechnik. Schliesslich werden auch LKW immer elektrischer. Und auch dann gilt: «Gezieltes Reparieren statt Ersatz auf Verdacht spart, was Flottenbetreibern besonders wichtig ist: Zeit und Geld», so Dirk Appelt.
Lenksysteme sind sicherheitsrelevante Bauteile und an sich für die Fahrzeuglebensdauer ausgelegt. Müssen Anbauteile ersetzt werden, empfiehlt Bosch in einem Tipps- und Tricks-Flyer für Nutzfahrzeug-Lenksysteme strukturiertes Vorgehen: Sicht- und Funktionsprüfung sowie Fehlersuche gemäss Service- und Einbauanleitung (etwa im SIS-Modul der Esitronic Truck). Muss getauscht oder repariert werden, gilt es grundsätzlich Folgendes zu beachten:
Einbauanleitung genau befolgen und nur freigegebene Anbauteile (Pumpen, Arbeitszylinder, Lenkwellen etc.) verwenden. Bei Arbeiten am hydraulischen System muss dieses gespült und allenfalls der Feinfilter ersetzt werden. Danach mit freigegebenem Hydrauliköl befüllen und entlüften. Nach dem Einbau: Fehlerspeicher löschen, Warnleuchten kontrollieren und die Lenkung auf nichtöffentlichem Gelände testen (u.a. Betätigungskraft, Rückstellung, Spiel, Geräusch). Bosch empfiehlt bei Langstreckenfahrzeugen Wartungsintervalle von 600'000 Kilometern und 300'000 Kilometern oder 7500 Stunden bei Bussen und Kurzstreckeneinsatz.