Tag der Schweizer Garagen 2026

Am 20. Tag der Schweizer Garagen letztes Jahr zeigte sich, was sich wirklich rechnet – und was für die Zukunft zählt. Ein Tag, der eindrücklich bewies, wie viel Bewegung in der Branche steckt.

Passend zum runden Geburtstag egalisierte die grösste Fachtagung der Schweizer Garagen den Teilnehmerrekord. Über 860 Gäste im Kursaal in Bern erlebten inspirierende Vorträge mit konkreten Handlungsansätzen für den Betrieb und Networking-Möglichkeiten. Ein Wehrmutstropfen hatte die Veranstaltung: Der angekündigte Bundesrat Albert Rösti musste sich krankheitshalber kurzfristig entschuldigen lassen. Dafür gab es allerdings würdigen Ersatz. Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen (ASTRA), sprach am Nachmittag zu den Gästen.

Bevor die Fachthemen Fahrt aufnahmen, setzte Manfred Wellauer den Rahmen für den Tag. Der Zentralpräsident stand erstmals als Gastgeber auf der Bühne und sprach von einem «turbulenten Jahr». Trotz rückläufiger Neuwagenverkäufe und sinkender Margen bleibe das Autogewerbe indes widerstandsfähig. «Aber nur wenn Qualität, Vertrauen, Fachkompetenz und innovative, neue Konzepte konsequent gelebt werden», zeigte er sich überzeugt.

Was sich rechnet – und was zählt

All das sind unerlässliche Voraussetzungen, um einen zukunftsfähigen Betrieb zu führen. Genauso wie gesunde Finanzen. Ganz nach dem Tagesmotto «Was sich rechnet – und was zählt» brachte es Transformationsexperte Ralph Panoff auf den Punkt: «Zahlen lügen nie. Aber es braucht auch das Bauchgefühl.» Er mahnte jedoch, dass man sich bei Entscheiden zu oft nur auf Gefühle verlassen würde. Wer Prozesse verbessern wolle, müsse produktive und unproduktive Zeit kennen, Ziele messen und dann umsetzen. Das könne hart sein und manchmal auch personelle Entscheidungen nach sich führen.

Einen Praxischeck lieferte später Sophie Berset, Geschäftsführerin der Garage Berset SA in Marly. Sie sprach über ihr Familienunternehmen, in dem «jeder seine Verantwortung» trage, über eine «menschliche Arbeitsweise» und über den Mut, Gewohnheiten aufzugeben. Digitalisierung sei dafür «eine weitere Säule». Trends wolle man nicht erst bemerken, wenn sie da seien, sondern früh erkennen und verstehen, was die Kundschaft als Nächstes erwarte.

Kein Bauchgefühl beim Stundenansatz

Der wohl leidenschaftlichste Appell kam von Luca Jaquet: «Es gibt Dinge, die wir aus meiner Sicht falsch verrechnen», stellte der Geschäftsführer der Steiggarage in Schaffhausen fest. Ein Stundenansatz dürfe nicht aus dem Bauchgefühl entstehen, sonst «lügt man sich selbst in die Tasche». Jaquet erinnerte an Positionen, die im Alltag gerne untergehen: die Eigenmiete, Zusatzleistungen wie Reifeneinlagerung oder Ersatzwagen. Sein Aufruf: «Ich möchte euch dazu animieren, richtig zu rechnen.» Und wenn man bewusst Kulanz zeige, dann zumindest transparent: «Es ist auch in Ordnung, gewisse Dienstleistungen nicht zu verrechnen, aber dann sollen sie wenigstens ausgewiesen werden. Tue Gutes und sprich darüber.» Im anschliessenden Format «Heisser Stuhl» nahm Figa-Geschäftsführer David Regli aus betriebswirtschaftlicher Optik Stellung zu den eher operativen Argumenten von Jaquet. Auch für Regli ist klar: Führung mit reinem Bauchgefühl reicht nicht, erst klare Zahlen zeigen, ob die internen Prozesse funktionieren.

Fachkräftemangel und Margen beschäftigen

Im Doppelinterview ordneten Wellauer und AGVS-Geschäftsführer Christian Wyssmann die Lage der Branche ein. Wyssmann nannte die Gebraucht-Elektromobilität als Knackpunkt: «Wir müssen diesen Markt ankurbeln.» Eine Live-Umfrage im Saal zeigte zudem, was viele aktuell umtreibt: Fachkräftemangel und sinkende Margen. «Diese beiden Themen sind auch bei uns im Verband ganz oben auf der Liste», sagte Wyssmann.

Eingehend war auch der Apell des Westschweizers Sebastian Vazquez, Gründer und Geschäftsführer des Ladestationenanbieters Eve Car Plug. Er schilderte den anwesenden Garagistinnen und Garagisten sein persönliches Kundenerlebnis beim Kauf eines Elektroautos. Die Garagenbranche sei prädestiniert, als umfassender Auto- und Mobilitätsberater zu agieren und so viele weitere Leistungen entlang der Wertschöpfungskette entwickeln zu können.

Zum Schluss ging es um den Nachwuchs. Michael Raaflaub stellte «Lehrberufe Live!» vor. Eine Plattform, bei der Lernende per Handy direkt aus dem Lehrbetrieb ins Schulzimmer streamen, ihren Alltag zeigen und auf den Beruf aufmerksam machen. «Good News: Es kommen in den nächsten Jahren mehr Schülerinnen und Schüler aus der obligatorischen Schule raus», berichtete er. Das eröffne Betrieben zusätzliche Chancen im Lehrstellenmarkt. Den passenden Ausklang fand der Tag der Schweizer Garagen wie immer mit dem traditionellen «Dîner des garagistes», bei dem nochmals angeregt diskutiert wurde.