Viele Gründe zur Freude
So eine Gelegenheit kommt selbst in der 96-jährigen Geschichte der ESA nicht oft. «Heute haben Sie die Chance, einen Schweizermeistermacher zum Präsidenten wiederzuwählen», leitet Stephan Settelen vom ESA-Verwaltungsrat im statuarischen Teil der Generalversammlung (GV) humorig die Wiederwahl von Präsident Hubert Waeber ein. Denn Waeber ist nebst Garagist und ESA-Präsident auch Präsident des HC Fribourg-Gottéron – der Ende April erstmals Schweizer Eishockeymeister wurde! Waeber wird an der 95. GV einstimmig im Amt bestätigt und sagt: «Im Sport gibt es Gewinner und Verlierer. In der ESA gibt es nur Gewinner! Nicht Profit steht im Vordergrund, sondern, die Bedingungen für geschäftlichen Erfolg zu schaffen.» Und dankt 542 anwesenden Mitinhaberinnen und Mitinhabern und den zahlreichen Gästen.
Auch sonst gibt es viele Gründe zur Freude an der 95. GV. Waeber und ESA-CEO Giorgio Feitknecht begrüssen stolze 1100 Teilnehmende und können ein hervorragendes Berichtsjahr 2025 vermelden – mit erneutem Rekordumsatz und einem Meilenstein für die Zukunft: Im September war beschlossen worden, in Burgdorf BE ein neues Logistikzentrum mitsamt Räderhotel für anfangs 60'000, später bis zu 100'000 Räder und Büroräumen des künftigen ESA-Hauptsitzes zu errichten; die Baugenehmigung wird diesen Sommer erwartet. Das neue Zentrallager solle, so Waeber, Kapazitäten sicherzustellen, um aus heute elf Logistikzentren «nochmals schneller und noch zuverlässiger» Garagen und Carrosserien zu beliefern.
«Ein Jahr voller Verunsicherung – aber ein gutes Jahr für die ESA», bilanziert Feitknecht und schildert die vielen 2025er Challenges vom harzenden Neuwagenabsatz bis zu US-Strafzöllen. Aber auch, was das Werkstattgeschäft weiter antreibt: Der Fahrzeugbestand legte zu, und dessen Durchschnittsalter ist auf 10,8 Jahre gestiegen. «Dies ermöglichte der ESA ein sehr erfreuliches Jahr», so Feitknecht. Mehr noch: ein Rekordjahr. Umsatz und Gewinn 2025 lagen über jenen des Vorjahres. «Eine wichtige Grundlage für die Investitionen», sagt Feitknecht. Ohne diese sei es nicht möglich, im immer anspruchsvolleren Markt so erfolgreich zu sein.
Das Wachstum verdanke die ESA vor allem dem Verschleiss- und Ersatzteilgeschäft durch markenfreie Werkstätten, doch auch der Reifenumsatz sei bei der Nummer eins des Schweizer Pneumarkts weiter gestiegen (auch dank der neuen ESA-Tecar-Generation), und selbst Bereiche wie Investitionsgüter hätten zugelegt. Nach Checkbox, Le Garage und Sympacar hat die ESA 2025 zudem ein weiteres Werkstattkonzept lanciert: Garagino. Weshalb? Schlicht wegen immer grösserer Nachfrage nach Garagenkonzepten. Zur Sprache kommen auch das, so Feitknecht, «entsprechend den Erwartungen ausgelastete» Räderhotel in St.Gallen, das 20. Jubiläum des ESA-eShops und die Nachwuchsförderung über den MechaniXclub. Sowohl Waeber wie Feitknecht betonen: Ohne die Mitinhaberinnen und Mitinhaber, die zugleich auch Kundinnen und Kunden sind, wäre all dies nicht möglich. «Dieses Wachstum verdanken wir Ihnen», sagt Feitknecht. Und dankt danach auch den ESA-Mitarbeitenden; deren Zahl stieg auf 730 (davon 62 Lernende).
Wie stets ist auch der AGVS an der GV präsent. Nicht nur sind der Verband und die Genossenschaft enge Partner, sondern feierten sogar ein Jubiläum: Anno 1930 war die ESA von 24 AGVS-Garagisten gegründet worden – und seit 80 Jahren ist der im nächsten Jahr 100-jährige Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) Genossenschafter der 96-jährigen Einkaufsorganisation des Schweizerischen Auto- und Motorfahrzeuggewerbes (ESA); «Eine so traditionsreiche wie zukunftsweisende Verbindung im Dienste des Schweizer Autogewerbes ist wertvoll für die gesamte Branche», sagt Christian Wyssmann, der Geschäftsführer des AGVS. «Deshalb ist es selbstverständlich, dass wir an jeder GV unseres wichtigen und zum Beispiel stark im Bildungsbereich engagierten Partners ESA dabei sind.» Neben Wyssmann sind Zentralpräsident Manfred Wellauer, Vizepräsident Andri Zisler, mehrere Zentralvorstands- und Geschäftsleitungsmitglieder und natürlich unzählige AGVS-Garagistinnen und -Garagisten aus den Sektionen vor Ort. Im offiziellen Teil mit all den Abstimmungen (mit heuer gelber Stimmkarte) kommt auch AGVS-Zentralvorstandmitglied Charles-Albert Hediger zu Wort und moderiert die Décharge (also die Entlastung) der ESA-Führung, die von den Stimmberechtigten dann einstimmig erteilt wird.
Nach dem angenehm kompakt gehaltenen offiziellen Teil folgt der Showact. Diesmal steht der Comedian Massimo Rocchi im Rampenlicht und unterhält Delegierte und Gäste blendend mit – leider schriftlich nicht wiedergebbarer – Stand-up-Comedy. Der schweizerisch-italienische Doppelbürger Rocchi spielt in gekonnt mehrsprachigem Kauderwelsch auf verschiedene sprach- und landestypische Eigenheiten an, bis hin zur nationalen Kochdauer von Spaghetti. Das Publikum ist begeistert und verlangt nach einer Zugabe, worauf Rocchi als Pantomime die Torhüterlegende Oliver Kahn persifliert. Ein schöner Schluss, um nach der Show beim Apéro Benzin- und Stromgespräche zu führen, Freundschaften zu erneuern, zu networken und dann im mondänen Kursaal des Casinos Interlaken BE beim Dinner und guten Gesprächen die GV ausklingen zu lassen. Und um das Datum der nächsten zu notieren: 12. Mai 2027 in Interlaken.