Reportage: AGVS Women Days 2026

Frauen geben Gas

Zwei Tage voller Impulse, 30 Frauen aus dem Autogewerbe und vor allem viel Zeit für den Austausch: An den AGVS Women Days 2026 ging es um LinkedIn, Arbeitsrecht und Führung. Mindestens so wichtig waren die Begegnungen: Erfahrungen teilen, Kontakte knüpfen, voneinander lernen.
Publiziert: 04. November 2026

Von

Jeannine Hirt


										AGVS Women Days 2026: Für eine Gruppenarbeit verlegen die Teilnehmerinnen ihre Diskussionen ins Freie und nutzen den Garten des Hotels Schützen in Rheinfelden AG. Fotos: AGVS-Medien
AGVS Women Days 2026: Für eine Gruppenarbeit verlegen die Teilnehmerinnen ihre Diskussionen ins Freie und nutzen den Garten des Hotels Schützen in Rheinfelden AG. Fotos: AGVS-Medien

Mit Murat Yakin haben die Frauen an diesem Morgen wohl nicht gerechnet. Doch plötzlich begrüsst der Schweizer Fussball-Nationaltrainer die Teilnehmerinnen per Videobotschaft. Möglich macht es Tobias Treyer, Referent an den AGVS Women Days. Die Überraschung gelingt und passt zu einem Anlass, bei dem Begegnungen neben Referaten und Workshops mindestens so wichtig sind.

Zwei Tage lang kommen in Rheinfelden AG Frauen zusammen, die eines verbindet: das Autogewerbe. Die AGVS Women Days finden zum 35. (!) Mal, unter neuem Namen zum zweiten Mal statt. Auch diesmal sind laut Präsidentin Silvana Stock-Blaser alle Plätze besetzt. «So haben wir das Netzwerk sicher vergrössert und vor allem gestärkt», sagt sie.

Von LinkedIn bis QiGong

Den Auftakt macht Christian Wyssmann. Der AGVS-Geschäftsführer spricht über die Zukunft der Branche und des Verbandes. Dabei zeigt er auf, wie stark der Wandel das Garagengewerbe bereits prägt: Elektromobilität, Autonomes Fahren und vernetzte Fahrzeuge sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Doch was bedeuten diese Entwicklungen für die Garagen, und welche Erwartungen haben die Mitglieder an ihren Verband? Wyssmann zeigt auf, weshalb sich Garagenbetriebe aktiv mit ihrer künftigen Positionierung, Geschäftsmodellen und veränderten Mobilitätsbedürfnissen auseinandersetzen müssen, um auch morgen erfolgreich zu sein.

Anschliessend zeigt Olivier Maeder, Geschäftsführer Bildung beim AGVS, Möglichkeiten der Präsenz auf LinkedIn. Der Workshop vermittelt praxisnah, wie ein aussagekräftiges LinkedIn-Profil erstellt und gepflegt wird und worauf es dabei ankommt – unter anderem sichtbar sein, Kontakte gezielt finden und Wirkung messen. Während eine Gruppe seinem Referat folgt und sich auf die Planung und die Erstellung von Inhalten konzentriert, übt sich die andere in Qigong. Danach wird gewechselt. Beim «Dine Around» am Abend bleibt Zeit für persönliche Gespräche. Diese Mischung kommt an. Zwei Teilnehmerinnen aus der HR-Abteilung eines Autohauses schätzen die fachlichen Inputs, den Austausch mit Gleichgesinnten und die Bewegung zwischendurch.

Rot oder Grün?

Am zweiten Seminartag ist Arbeitsrecht angesagt. Anwalt Tobias Treyer setzt auf Fragen statt auf einen trockenen Paragrafenritt. Die Teilnehmerinnen stimmen mit roten und grünen Karten ab. Selten sind sich alle einig.

Auch Yakins Videobotschaft dient als Anschauungsbeispiel. Ist sie echt oder mit künstlicher Intelligenz erstellt? Die meisten tippen auf KI. Doch die Aufnahme ist echt. Treyer schlägt damit die Brücke zum Persönlichkeitsschutz und zur Frage, wann Bilder und Namen verwendet werden dürfen. Weitere Themen stammen direkt aus dem Berufsalltag: Personalreglemente, Kündigungen, negative Google-Rezensionen oder der Schutz von Mitarbeitenden. «Man muss aufpassen, welches finanzielle Risiko eine ungerechtfertigte fristlose Kündigung für den Betrieb mit sich bringen kann», warnt Treyer.

Führen heisst, genau hinzuschauen

Nach dem Mittagessen rückt das Thema Führung in den Mittelpunkt. Marco Jetzer von Potenzial-e bringt langjährige Führungserfahrung mit. «Führungsarbeit ist heute anspruchsvoller denn je», sagt er. Eine Herausforderung sei der Umgang mit psychischen Belastungen von Mitarbeitenden. Diese würden heute stärker wahrgenommen und müssten berücksichtigt werden.

Doch woran erkennt eine Führungskraft, dass sie gute Arbeit leistet? Die Teilnehmerinnen nennen verschiedene Anhaltspunkte: Bauchgefühl, erbrachte Leistung, Körpersprache sowie die Reaktionen von Mitarbeitenden und Kundschaft. Solche Diskussionen machen aus den Women Days mehr als eine Reihe von Referaten. Fachwissen trifft auf Erfahrungen aus unterschiedlichen Betrieben. Was hier besprochen wird, kann später im Arbeitsalltag Wirkung entfalten.

Mehr als nur Wissen

Viele Teilnehmerinnen kommen aus Familienbetrieben und nehmen Ideen mit, die im eigenen Unternehmen etwas anstossen können. Vor allem aber wächst ein Netzwerk. Manche Frauen kennen sich bereits, andere haben sich in Rheinfelden zum ersten Mal getroffen. Aus einem Gespräch kann später ein Telefonat werden, aus einer Bekanntschaft eine Ansprechpartnerin für Fragen aus dem Berufsalltag.

Silvana Stock-Blaser bringt die Verbundenheit auf den Punkt: «Es ist kein Händeschütteln, man umarmt sich. Man hat ein Netzwerk, man hat Ansprechpersonen und man weiss, man trifft sich wieder.» Ein spezieller Dank geht an die ESA und die AGVS-Sektion Aargau, die den Anlass unterstützt haben. Es warten bereits weitere spannende Anlässe, so etwa der AGVS Women Talk vom 27. April 2027 und die nächsten AGVS Women Days vom 18. bis zum 19. Oktober 2027 in Hofstetten bei Brienz BE. Am besten beide Anlässe schon jetzt vormerken.