Rückblick: Totalrepair-Event 2026

Herausforderungen werden zu Chancen

Die Amag hat die Partner ihres in den letzten drei Jahren rasant gewachsenen Karosserie- und Lack-Kompetenznetzwerks Totalrepair über Zukunftsthemen für die Branche informiert: mehr Herausforderungen, aber auch neue Chancen.
Publiziert: 14. September 2026

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AGVS-Newsdesk


										Die Amag vermeldete an der Totalrepair-Tagung in Sursee: In den letzten drei Jahren ist das K+L-Netzwerk von 36 auf 139 Partnerbetriebe gewachsen. Foto: Amag
Die Amag vermeldete an der Totalrepair-Tagung in Sursee: In den letzten drei Jahren ist das K+L-Netzwerk von 36 auf 139 Partnerbetriebe gewachsen. Foto: Amag

Karosserie- und Lackierarbeiten (K+L) werden durch die Sensoren und ADAS moderner Autos vom Handwerk zu komplexen Dienstleistungen. Auch Nachhaltigkeitsstandards, Kunden- und Versicherungsanforderungen sind herausfordernd. Chris Raus, Director of Group Aftersales Amag Import AG, machte vor den über 100 Teilnehmenden des Totalrepair-Events in Sursee LU klar, dass durch die Veränderungen auch Chancen entstünden. Kundinnen und Kunden erwarteten auch in Zukunft von den Totalrepair-Netzwerk-Partnern Sicherheit, Transparenz und einfache Lösungen nach Schäden.

«Wichtig dabei: Der Wettbewerb um den Kunden beginnt nicht erst in der Werkstatt, sondern schon beim ersten Kundenkontakt», ergänzte Raus. Daher hat die Amag das Totalrepair-Netzwerk in den letzten drei Jahren von 36 auf 139 Partner schweizweit auf- und ausgebaut sowie auf Kompetenz und Qualität ausgerichtet. Raus: «Hagelereignisse wie Ende August schaffen kurzfristig viel Beschäftigung. Gleich danach war die Hölle los, und wir haben Arbeit für Monate. Aber die Transformation im Geschäft beschäftigt uns noch jahrelang.» Und darauf gelte es, sich zu fokussieren.

Von 36 auf 139 Partner gewachsen

Seit 2019 haben die Schadenskosten um 21 Prozent zugenommen, was für einen Zielkonflikt sorgt: Der Kunde und die Versicherung möchten eine möglichst günstige K+L-Leistung, gleichzeitig steigen Komplexität und Teilekosten. «Durch die klar gesunkenen Neuwagenverkäufe kommt zudem nicht mehr automatisch Volumen über die Garantiefälle», erläutert Christoph Fette, Head of Product Management bei der Amag Import. Aktuell habe der Fuhrpark ein Durchschnittsalter von 10,8 Jahren. 2012 waren es noch 7,5 Jahre! Dadurch nehme die Kaskodeckung ab, und weil eine Reparatur im Schnitt 3400 Franken koste, sei schneller ein wirtschaftlicher Totalschaden da. «Wir müssen zeitwertgerechte Reparaturen sicherstellen und die Kunden aktiv zu uns holen», so Fette weiter.

Fachbetrieb als Ansprechpartner

Ob der Kunde mit einem Verbrenner oder einem BEV gegen die Wand fahre, sei einem K+L-Betrieb letztlich egal, sagte Fette – der Lackschaden sei derselbe. Aber: Die Reparatur eines Hochvoltfahrzeugs erfordere andere Kompetenzen. «Ein simpler Karosserieschaden ist zum komplexen technischen Ablauf geworden», so Götz Burkhardt, Leiter Market Management bei Amag Import AG. «Den Kundinnen und Kunden ist das egal. Sie wollen einfach, dass ihr Fahrzeug wieder läuft.» Genau hier kämen die Totalrepair-Partner ins Spiel. «Wir sind der erste Ansprechpartner im Schadensfall. Wir reparieren nachhaltig sowie qualitativ und schaffen Vertrauen durch Qualität und Markenkompetenz. Das hilft auch beim Wiederverkauf», so Burkhardt.

Mit Nachhaltigkeit punkten

Wichtig sei dabei neben der an Bedeutung gewinnenden Schadensteuerung auch die Nachhaltigkeit. Versicherungen und Flottenmanager achteten darauf. Mit einer langfristigen Zielsetzung sei es möglich, den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit im K+L-Betrieb zu schaffen. «Genau da setzen wir mit der Initiative ‹Way 2 Zero› an», ergänzte Roger Allenspach, Senior Market Manager ADM der Amag Import AG. «Die Initiative soll zudem unterstützend sein, um die regulatorischen Bedingungen besser umsetzen zu können.» Bereits 89 Totalrepair-Betriebe hätten eine konkrete Datenbasis zur CO2-Bilanzierung geschaffen. «Way 2 Zero» basiere auf dem Branchenfahrplan und zeige auf, wo man den CO2-Hebel konkret ansetzen könne. «Es ist viel Aufwand, das ist uns alles bewusst», verriet Allenspach. Doch «Way 2 Zero» helfe, die von Bund und Branche ohnehin geforderten CO2-Ziele umzusetzen.

Auto-i-Dat Green Repair Tracker

Letzterem dienten auch clevere digitale Helfer. Etwa die Schadenserfassung über das 24/7-Online-Schadenmeldungstool, in dem Kundinnen und Kunden einen Schaden einfach erfassen, der in der Garage als qualifizierter Lead ins Unfallschaden-Management EC2 eingespeist werde oder als E-Mail in der Inbox lande. Oder das neue Tool von Auto-i-Dat, das in SilverDAT über einen Green Repair Tracker zeige, wie nachhaltig ein Betrieb arbeite.

Verbesserungspotenzial in den Arbeitsabläufen und bessere Auslastung dagegen schaffe vor allem künstliche Intelligenz (KI), wie Alexander Grimm, CEO und Co-Gründer der Aspaara AG, aufzeigte. «Niemand fährt heute ohne vorausschauende Navigation. Bei Staus errechnet das System die effizienteste Route neu. Dennoch nutzen noch viel zu wenige eine vorausschauende Navigation im Betrieb», erklärte Grimm. Aber ohne KI in der Planung seien die Durchlaufzeiten 20 Prozent länger. Bei 2000 Durchgängen pro Jahr blieben fast 70’000 Franken Bruttomarge auf der Strecke, rechnete Grimm vor. «Mit KI können wir die Lackierkabine, meist den Flaschenhals, klar besser auslasten», so Grimm. Spannend für Garagen: Das Schweizer Unternehmen Aspaara ist gerade dabei, die Prozessoptimierung durch KI auch für die Werkstatt umzusetzen, wo ein effizienter Reparaturablauf ebenfalls massive Zeit- und Kosteneinsparungen bringen könne.

Wie bei allen Tagungen auch am Totalrepair-Event ein bedeutender Teil: Networking und Garagengespräche. Foto: Amag