Auswertung von Auto-i-Dat

Jetzt legen die E-Occasionen zu

Der E-Occasionsmarkt kommt gemäss Auto-i-Dat in Schwung: mehr Halterwechsel, stabilere Restwerte. Allerdings noch immer längere Standzeiten. Abzuwarten bleibe, wie sich der Hagelsturm auswirke.
Publiziert: 07. Oktober 2026

Von

Timothy Pfannkuchen


										Laufen jetzt besser: E-Occasionen sind gefragter als je zuvor. Foto: Shutterstock
Laufen jetzt besser: E-Occasionen sind gefragter als je zuvor. Foto: Shutterstock

Gemäss einer aktuellen Auswertung der Datenspezialisten von Auto-i-Dat nahmen die Halterwechsel von E-Autos (BEV) im zweiten Quartal 2026 bereits um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zu, nachdem sie bereits im ersten Quartal 39 Prozent zugenommen hatten. Damit wächst der Elektro-Occasionsmarkt deutlich schneller als der Gesamt-Occasionsmarkt.

Auto-i-Dat sieht die Gründe in der generell steigenden Akzeptanz, langem Preisdruck und breitem Angebot – während der Einfluss der Treibstoffpreise noch nicht ganz klar sei (siehe unten). Jedenfalls habe sich die Nachfrage gut entwickelt. Die BEV-Restwerte entwickelten sich seit Sommer 2025 seitwärts. Trotz der positiven Entwicklung lägen die Standzeiten mit durchschnittlich 97,4 Tagen aber weiterhin über dem Gesamtmarkt (aktuell rund 83 Tage).

Mehr Nachfrage, aber Angebotsüberhang

Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Widerspruch. Auto-i-Dat teilt dazu mit: «Zur Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs gilt es, Neuwagenverkäufe im Auge zu behalten.» Der BEV-Anteil ist den letzten Jahren jedes Jahr stark gewachsen, im zweiten Quartal auf 26 Prozent Anteil. Es kommen also jedes Jahr mehr E-Occasionen in den Markt. Der BEV-Anteil im Occasionsmarkt liege jedoch erst bei 7,25 Prozent: Ein noch enger Markt, in dem dann die überproportionale Zunahme von E-Occasionen zu Angebotsüberhang führe.

Benzinpreiswirkung ist ungewiss

Verblüffend ist gemäss Auto-i-Dat-Analyse, dass sich andere europäische Märkte im Zuge der Benzin- und Dieselpreissteigerung anders verhalten. So führte der höhere Treibstoffpreis insbesondere in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden zum raschen Abbau des E-Occasions-Bestands. Unter 14 von Indicata untersuchten europäischen Märkten sei die Schweiz der einzige, bei dem der Angebotsüberhang bleibe. Über die Gründe lasse sich nur spekulieren, so Auto-i-Dat. Allenfalls sei der generelle finanzielle Druck durch teureren Treibstoff dank höherer Einkommen geringer. Zudem griffen bei uns E-Neulinge allenfalls eher zu Neu- als Gebrauchtfahrzeugen. Dies könne allenfalls auch den Sprung der BEV-Neuzulassungen von 6,3 Prozent Wachstum im ersten auf 32 Prozent im zweiten Quartal erklären.

Wirkt sich der Hagel aus?

Interessant werde, ob sich der Hagelschlag vom August 2026 auswirkt, so Auto-i-Dat. Ein Teil der über 100'000 Fahrzeuge mit Schäden betrifft E-Occasionen, die (ausser mit Schäden inserierten Fahrzeugen) auf der Angebotsseite kurz- und mittelfristig wegfallen. «Aktuell lassen sich keine Rückschlüsse ziehen auf steigende Marktpreise», so Azren Rastoder, Leiter Automotive Data, Auto-i-Dat. «Wir beobachten, ob es kurz- und mittelfristig zu sinkenden Standzeiten und allenfalls steigenden Occasionpreisen führt.»