Strategien gegen den Arbeitskräftemangel

Geflüchtete als Chance für das Autogewerbe

In der Schweiz leben zahlreiche geflüchtete Menschen mit Aufenthalts- und Arbeitsperspektive. Gerade in Zeiten des Arbeitskräftemangels steckt darin für viele Garagen ein bislang wenig genutztes Potenzial.
Publiziert: 23. Juni 2026

Von

Dora Szöke


										Geflüchtete als Chance für das Autogewerbe
Geflüchtete Menschen bringen Potenzial für das Schweizer Autogewerbe mit und können helfen, offene Stellen zu besetzen. Foto: AGVS-Medien

Der Arbeitskräftemangel beschäftigt das Schweizer Autogewerbe seit Jahren. Viele Betriebe suchen qualifizierte Mitarbeitende, Lernende oder Unterstützung im Werkstatt- und Kundendienstbereich. Gleichzeitig bleibt ein Arbeitskräftepotenzial häufig unbeachtet: Geflüchtete mit Aufenthaltsrecht in der Schweiz.

Im Rahmen einer kürzlichen Webinarreihe des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv, Schweizerischen Arbeitgeberverbandes SAV und Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements EJPD wurde aufgezeigt, welche Möglichkeiten Unternehmen offenstehen und welche Unterstützungsangebote genutzt werden können. Denn viele geflüchtete Menschen möchten langfristig in der Schweiz arbeiten und beruflich Fuss fassen.

 

Langfristige Perspektiven schaffen

Nicht alle Geflüchteten befinden sich in derselben Situation. Je nach Aufenthaltsstatus unterscheiden sich die Voraussetzungen und Perspektiven. Gleichzeitig wurde im Webinar betont, dass viele Personen aus dem Asylbereich längerfristig in der Schweiz bleiben. Insbesondere anerkannte Flüchtlinge sowie vorläufig aufgenommene Personen verfügen häufig über eine realistische Arbeits- und Integrationsperspektive.

Für Betriebe bedeutet das: Investitionen in Einarbeitung oder Ausbildung können sich nachhaltig lohnen. Gerade im Autogewerbe kann das neue Möglichkeiten eröffnen, da viele Tätigkeiten praktisches Arbeiten mit Teamarbeit, Kundenkontakt und technischem Verständnis verbinden. Damit ergeben sich auch Chancen für Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und Erfahrungen.

 

Unterstützung für Betriebe

Viele Unternehmen schrecken zunächst vor administrativem Aufwand oder Unsicherheiten zurück. Hier setzen verschiedene Unterstützungsangebote an: Kantone, Jobcoaches und Fachstellen begleiten Betriebe und Stellensuchende während des Integrationsprozesses.

Im Webinar wurde auch darauf hingewiesen, dass Integration Zeit braucht. Sprachkenntnisse, neue Arbeitsabläufe oder kulturelle Unterschiede können den Einstieg erschweren. Wichtig seien deshalb klare Ansprechpersonen, realistische Erwartungen und eine schrittweise Einführung in den Berufsalltag.  

Besonders interessant für Ausbildungsbetriebe ist die sogenannte «Integrationsvorlehre» (INVOL). Das einjährige Programm verbessert die berufliche Integration von geflüchteten Menschen und Zugewanderten ohne Berufsabschluss. Im Fokus stehen Sprachförderung, schulische Grundkompetenzen sowie erste praktische Erfahrungen im Betrieb.

 

Erfahrungen statt Vorurteile

Fachstellen empfehlen Unternehmen einen möglichst unkomplizierten Einstieg. Schnuppereinsätze oder Praktika ermöglichen es Betrieben, potenzielle Mitarbeitende im Arbeitsalltag kennenzulernen und ihre Fähigkeiten praxisnah einzuschätzen. Gleichzeitig erhalten Geflüchtete einen Einblick in Anforderungen und Abläufe des Berufsalltags.

Unterstützung bietet unter anderem die nationale Stellenplattform «Path2Work». Dort werden Profile von Geflüchteten erfasst, mit offenen Stellen abgeglichen und Unternehmen erhalten zusätzlich Unterstützung bei Fragen rund um Rekrutierung, Einarbeitung oder geeignete Programme.

Geflüchtete stärker in die Rekrutierung einzubeziehen bedeutet nicht, Risiken einzugehen, sondern vorhandenes Potenzial bewusster wahrzunehmen. Entscheidend bleiben realistische Erwartungen, eine gute Begleitung während der Einarbeitung und die Bereitschaft, auch unkonventionelle Wege zu prüfen.

Haben Sie eine Stelle zu vergeben?

Besuchen Sie die Plattform des Bundes, wählen Sie die Kontaktstelle Ihres Kantons aus und melden Sie offene Stellen, Praktika oder Lehrstellen. Anschliessend erhalten Sie eine Rückmeldung der zuständigen Stelle.

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