Lehrabgänger:innen ziehen Bilanz

Lob für die üK, Kritik an der Berufsfachschule

Die ersten Kaufleute EFZ im Automobilgewerbe haben ihre Ausbildung nach der neuen Bildungsverordnung 2023 abgeschlossen. Eine Umfrage des AGVS zeigt: Der Grossteil blickt positiv darauf zurück. Perfekt ist aber längst nicht alles.
Publiziert: 17. Juni 2026

Von

Kai Müller


										Lob für die üK, Kritik an der Berufsfachschule
Jugendliche früh gewinnen: Die Schnupperlehre bleibt der wichtigste Türöffner ins Automobilgewerbe. Foto: iStock

Vielleicht ist es diese Zahl, die dem AGVS und den Ausbildungsbetrieben am meisten schmeichelt: 85 Prozent. So hoch ist der Anteil der Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger, die die kaufmännische Ausbildung in der Branche Automobil-Gewerbe erneut wählen würden. Und 85 Prozent beträgt der Anteil jener, die sie weiterempfehlen würden. Das geht aus der vom AGVS durchgeführten Lehrabgängerumfrage 2026 hervor.

Besonders erfreulich sind auch die Rückmeldungen zu den überbetrieblichen Kursen (üK). Diese wurden im Zuge der Bildungsverordnung 2023 angepasst und kommen bei den jungen Kaufleuten, die als Erste die reformierte Grundbildung durchlaufen haben, sehr gut an. Während die einen von der «sensationellen Lehrperson» Andreas Gabrieli schwärmen, der an der STFW unterrichtet, bezeichnen andere die üK als «Bereicherung», «super gelungen» oder «immer interessant und praxisnah». Kurz: Die Kurse in Basel, Bern, Winterthur ZH und Yverdon-les-Bains VD sind die heimlichen Stars dieser Ausbildung.

Etwas kritischer fällt der Blick auf die Berufsfachschule aus. Mehrere Absolvierende empfinden den Unterricht als zu allgemein und zu wenig auf die Autobranche zugeschnitten. Genannt werden Themen mit wenig Bezug zum Berufsalltag, dafür zu wenig Buchhaltung oder branchenspezifisches Wissen. Auch die eingesetzten Lehrmittel und Lernplattformen bekommen teils ihr Fett weg: zu komplex, zu unübersichtlich, wenig hilfreich, lautet der Tenor.

 

Der Wert der Schnupperlehre

Der grösste Kritikpunkt betrifft allerdings die Praxisaufträge. 85 Prozent sagen, es gebe davon zu viele. Fast die Hälfte gibt an, im Betrieb zu wenig Zeit dafür zu haben. Das sorgt für Druck. Und offenbar auch für Frust. Verbesserungspotenzial sehen die Lernenden auch bei der Zusammenarbeit zwischen Berufsfachschule, Betrieb und üK. Genannt werden Überschneidungen bei Terminen, unklare Zuständigkeiten und mangelnde Abstimmung der Inhalte.

Auffällig ist zudem, wie stark praktische Erfahrungen die Berufswahl beeinflussen. Für 71 Prozent war die Schnupperlehre entscheidend. Berufsmessen oder Eignungstests spielten dagegen eine deutlich kleinere Rolle. Wer Jugendliche für die Branche gewinnen will, muss sie also möglichst früh in den Betrieb holen.

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