Motivierter Nachwuchs mit klaren Erwartungen
Über 1500 Absolventinnen und Absolventen der Berufe Automobil-Assistent:in EBA, Automobil-Fachfrau/-mann EFZ sowie Automobil-Mechatroniker:in EFZ haben an der aktuellen Umfrage der Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger der technischen Berufe des AGVS teilgenommen. Die Umfrage erlaubt erneut einen vertieften Blick auf die Erfahrungen und Einschätzungen junger Berufsleute im Automobilgewerbe. Die Ergebnisse zeigen ein insgesamt positives Bild, machen aber gleichzeitig deutlich, wo die Grundbildung aus Sicht der Lernenden weiterentwickelt werden sollte.
Die Schnupperlehre bleibt das zentrale Element bei der Berufswahl. Rund sieben von zehn Befragten fanden über praktische Einblicke im Betrieb zu ihrem Beruf. Auch Gespräche mit Eltern und dem persönlichen Umfeld spielen weiterhin eine wichtige Rolle, während klassische Informationskanäle eher ergänzend genutzt werden. Bei der Wahrnehmung von Berufswerbung zeigt sich ein bereits bekannter Trend: Digitale Kanäle dominieren. Besonders Instagram und TikTok erreichen die Zielgruppe deutlich stärker als traditionelle Medien. Berufsmessen bleiben zwar relevant, verlieren aber im Vergleich zu Social Media an Bedeutung.
Positiv ist, dass sich die Erwartungen an das Berufsbild mehrheitlich erfüllen. Knapp neun von zehn Befragten geben an, dass ihre Ausbildung mindestens im Grossen und Ganzen der Realität entspricht. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass ein Teil der Lernenden mit der konkreten Umsetzung im Betrieb unzufrieden ist. Häufig genannt werden mangelnde Abwechslung, hoher Leistungsdruck oder eine unzureichende Betreuung. Hier wird deutlich: Die Qualität der Ausbildung hängt nach wie vor stark vom einzelnen Lehrbetrieb ab.
Die schulische Ausbildung wird überwiegend positiv beurteilt. Die grosse Mehrheit bewertet den Unterricht in der Berufsfachschule mit guten Noten und empfindet sowohl Lernziele als auch Stoffmenge mehrheitlich als angemessen. Dennoch wünschen sich viele Lernende einen stärkeren Praxisbezug und klarere, verständlichere Vermittlung der Inhalte. Deutlich kritischer fällt die Rückmeldung zur Zusammenarbeit der drei Lernorte – Betrieb, Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse (üK) – aus. Viele Lernende berichten, dass Inhalte zeitlich und inhaltlich nicht ausreichend aufeinander abgestimmt seien. So komme es immer wieder vor, dass Themen im üK behandelt würden, bevor sie in der Schule vermittelt worden seien, oder dass Theorie und Praxis nicht ineinandergriffen.
Auch bei den üK zeigen sich gemischte Bewertungen. Zwar werden sie grundsätzlich als wichtig und hilfreich wahrgenommen – insbesondere für Arbeiten, die im Betrieb selten vorkommen. Gleichzeitig kritisieren zahlreiche Befragte den zu geringen Praxisbezug, veraltete Inhalte oder organisatorische Herausforderungen. Dazu zählen beispielsweise Kurse, die über mehrere Wochen verteilt sind, oder Termine während der Schulferien. Die Rückmeldungen machen deutlich: Eine bessere Koordination zwischen den Lernorten sowie eine stärkere Ausrichtung an aktuellen Technologien und realen Arbeitsprozessen sind zentrale Erwartungen der Lernenden.
Die Lehrabgänger:innen-Umfrage 2026 zeigt insgesamt ein ermutigendes Bild. Die Mehrheit der jungen Fachkräfte ist motiviert, interessiert und identifiziert sich mit ihrem Beruf. Leidenschaft für Technik und Fahrzeuge bleibt ein entscheidender Treiber für die Berufswahl und die Ausbildungszufriedenheit. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Ausbildungsqualität. Gefordert werden insbesondere mehr Praxisnähe, eine zeitgemässe Vermittlung von Inhalten sowie eine bessere Abstimmung zwischen den verschiedenen Lernorten. Ebenso wird die Bedeutung einer aktiven Begleitung und Förderung im Lehrbetrieb deutlich hervorgehoben.
Die Branche kann weiterhin auf engagierten Nachwuchs zählen, vorausgesetzt, es gelingt, die Ausbildung konsequent weiterzuentwickeln und die Rückmeldungen der Lernenden ernst zu nehmen. Denn letztlich entscheidet nicht nur die Attraktivität des Berufs, sondern vor allem die Qualität der Ausbildung darüber, ob junge Fachkräfte dem Beruf langfristig erhalten bleiben.