Von Spiderman-Reifen und einer Schiri-«Pfeife»
Die Welt dreht sich schon länger gefühlt einen Zacken schneller. Umso wichtiger ist es, zwischendurch kurz den Fuss vom Gaspedal zu nehmen. «Wir sind ständig in Bewegung. Da ist ein Boxenstopp wichtig. Doch wir wollen nicht stehenbleiben, sondern Energie tanken», betont Barbara Germann, Präsidentin der AGVS-Sektion Bern, zur Begrüssung der Teilnehmenden am 3. Garagisten-Höck vom 3. Juni in der Berner Mobilcity. Der Abend solle keine pfannenfertigen Rezepte liefern, sondern als Motivationsspritze im digitalen Alltag dienen. Schliesslich bedeute Unternehmertum vor allem eines: Menschen zusammenzubringen.
Ein grosses Lob an die Gastgeber gibt es von AGVS-Zentralpräsident Manfred Wellauer: «Die Berner Sektion ist seit Jahrzehnten ein Motor des AGVS und der gesamten Branche». Gleichzeitig findet er klare Worte zur aktuellen Lage: Zwar pendeln sich die Verkaufszahlen nach Corona auf einem neuen, tieferen Normalniveau ein, doch viel mehr Sorgen bereite den Garagenbetreibenden die Bürokratie. Viele Inhaberinnen und Inhaber würden inzwischen mehr Zeit mit Regulatorien als mit Kundengesprächen verbringen.
Dass Beratung im digitalen Zeitalter der Schlüssel zum Erfolg bleibt, verdeutlicht Reifenexperte Reto Blättler vom TCS. Viele Autofahrende kauften ihre Reifen zwar online, würden im Alltag aber die eierlegende Wollmilchsau erwarten: «Der Reifen darf keine Geräusche machen, soll im Schnee halten wie Spiderman und muss 600 PS aushalten». Quietscht es dann aber in der Garage, heisse es schmunzelnd: «Dieser Reifen kann nichts».
Politisch und technologisch in die Tiefe geht es mit Tahir Pardhan, Leiter Recht und Politik, und Technik- und Umweltexperte Markus Peter (beide AGVS Schweiz). Die Elektromobilität löse zwar ein Umweltproblem, schaffe aber ein massives Loch in den Bundeskassen, weil die Mineralölsteuer wegbricht. Die geplante Ersatzabgabe des Bundes ab 2030 soll diese Ausfälle kompensieren und die Strasseninfrastruktur sichern, werfe jedoch wegen der nötigen Datenerfassung via Messmodul oder Software noch viele Tücken auf, sind beide überzeugt- Der AGVS fordert hier klare Bedingungen und keinen starr terminierten Schnellschuss.
Für den fulminanten Schlusspunkt sorgt Andreas Koch. Der Jurist und Eishockey-Schiedsrichter bezeichnet sich selbst charmant als «die Pfeife» und hält ein flammendes Plädoyer für mehr Mut zu Entscheidungen und Menschlichkeit im Business. Fachkompetenz sei gut, aber am Ende entscheide die Wahrnehmung und die positive Ausstrahlung. Sein sportliches Fazit, das nach den Grussworten von ESA-Chef Giorgio Feitknecht und dem abschliessenden Dank von Barbara Germann direkt zum Znacht überleitete: «Es geht im Leben schlicht darum, mehr Tore zu schiessen».
Hier sind die besten Bilder des dritten Garagisten-Höcks in Bern.