Garageneinbrüche und kein Ende – die neuesten Entwicklungen

Auch junge Schweizer «Soldaten» klauen mit

Sie rekrutieren über Snapchat und versprechen bis zu 10'000 Euro Belohnung: Die Drahtzieher der Einbruchsserie in Schweizer Garagen sitzen in Frankreich. Die Täter sind oft minderjährig. Was hinter dem Phänomen steckt und wieso nun auch einheimische Jugendliche mitmischen.
Publiziert: 31. Juli 2026

										Auch junge Schweizer «Soldaten» klauen mit
Junge Erwachsene werden über soziale Medien rekrutiert. Oft müssen sich die Täter dabei selber filmen (Symbolbild). Foto: ChatGPT

Es vergeht kaum eine Woche, in der keine besorgniserregenden Meldungen über Garageneinbrüche die nationale Automobilbranche erschüttern. Seit dem Jahr 2025 haben sich in der gesamten Schweiz Einbruchdiebstähle in Garagenbetriebe sowie der Diebstahl von hochwertigen Luxusfahrzeugen massiv gehäuft. 

Die Kriminellen gehen dabei ohne Skrupel vor. Wie das Bundesamt für Polizei Fedpol gegenüber dem AGVS erklärt, beschränkt sich das Phänomen zwar nicht ausschliesslich auf Autos – auch Einbrüche in Waffengeschäfte und vereinzelte Bijouterien sowie gewaltsame «Homejackings» bei Privatpersonen gehören dazu. Doch für das hiesige Autogewerbe ist die Lage besonders akut. 

 

Waffen kommen bei Bandenkämpfen zum Einsatz

Die Spuren dieser Straftaten führen die Ermittlungsbehörden primär ins westliche Nachbarland. Die Delikte werden mehrheitlich kriminellen Gruppierungen aus Frankreich zugerechnet. Darauf deutet unter anderem hin, dass in der Schweiz entwendete Fahrzeuge und Waffen auf schnellstem Weg nach Frankreich überführt werden.

Die gestohlenen Waffen werden dort innert kürzester Zeit bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Banden eingesetzt. Erkenntnisse aus laufenden Ermittlungen zeigen eindringlich, dass diese französischen Gruppierungen in den vergangenen Jahren spürbar an Schlagkraft gewonnen haben. Sie agieren nicht nur zunehmend gewaltbereiter und risikofreudiger, sondern auch mit einer beängstigenden Professionalität. 

 

Bis zu 10'000 Euro Belohnung

Besonders auffällig ist die moderne Methodenwahl der Banden. Dabei greifen die französischen Gruppierungen laut Fedpol vermehrt auf den sogenannten CaaS – ausgeschrieben «Crime-as-a-Service» (Kriminalität als Dienstleistung) – zurück. Dieses Prinzip funktioniert wie ein krimineller Dienstleistungsmarkt: Straftaten werden nicht mehr zwingend von den Drahtziehern selbst begangen, sondern gezielt ausgelagert. Dafür werden Minderjährige und junge Erwachsene über soziale Medien wie Snapchat oder TikTok für die konkrete Begehung der Einbrüche rekrutiert. Die Rekrutierer nutzen dabei ganz gezielt Jugendsprache, bunte Emojis und Memes, um das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen und die Hemmschwelle drastisch zu senken. 

Im Austausch gegen verlockende Geldbeträge von 500 bis weit über 10'000 Euro werden diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen in schwerwiegende Straftaten eingebunden, die häufig vollkommen grenzüberschreitend organisiert und ausgeführt werden. Die sogenannten Soldaten haben dabei meist keinen direkten Bezug zu ihren eigentlichen Auftraggebern.

Aktuell steigen die auf den sozialen Medien angebotenen Geldsummen laufend an. Damit nimmt auch das Risiko zu, dass immer schwerere Straftaten mit Bezug zur Schweiz in Auftrag gegeben werden. Das Fedpol wies bereits Anfang 2026 darauf hin, dass zunehmend auch Schweizer Jugendliche von solchen Rekrutierungsversuchen betroffen sein könnten – mittlerweile sind konkrete Fälle unter anderem in den Kantonen St. Gallen und Zürich aktenkundig. 

Zur Bekämpfung dieses grassierenden Phänomens wurde auf internationaler Ebene bei Europol die Taskforce «Grimm» eingerichtet. Obwohl die Eidgenossenschaft derzeit kein offizielles Mitglied dieser Taskforce ist, pflegt sie einen engen und direkten Austausch mit den schwedischen Partnerbehörden, welche die Taskforce ursprünglich geführt haben. Die aus der Taskforce «Grimm» gewonnenen Erkenntnisse veranschaulichen detailliert, wie das Phänomen CaaS in der Praxis strukturiert ist und wie die Arbeitsteilung unter den Tätern verläuft. 

 

Rekrutiert wird über Snapchat und Co. 

An der Spitze des Netzwerks stehen jene Personen, welche die Straftaten gezielt in Auftrag geben und finanziell alimentieren. Dahinter folgen die Rekrutierer, welche potenzielle Soldatinnen und Soldaten über die sozialen Medien anwerben und weitere operative Details oft über verschlüsselte Messaging-Dienste austauschen. 

Die Rekrutierung erfolgt bei den Fällen mit nationalem Kontext meist über Snapchat, während entsprechende Werbevideos auf TikTok und Telegram zirkulieren. Schliesslich stellen Logistiker sicher, dass die für die Tat notwendigen Mittel – wie etwa Fluchtfahrzeuge, Werkzeuge, Kontakte oder Bargeld – bereitstehen. 

Die Tatausführung vor Ort erfolgt schlussendlich durch die rekrutierten Soldaten – meist unerfahrene Minderjährige oder junge Erwachsene, die ohne direkte Verbindung zu einer kriminellen Organisation agieren. Bei den in der Schweiz eingesetzten Soldaten handelt es sich fast ausschliesslich um männliche Personen, wenngleich es vereinzelt auch Fälle mit weiblicher Tatbeteiligung gibt, wie das Fedpol weiter ausführt. 

 

Jugendliche müssen sich selbst filmen

Die unerfahrenen Jugendlichen werden in der Regel dazu verpflichtet, sich bei der Tatausführung im Garagenbetrieb zu filmen. Dieses Videomaterial dient den Kriminellen einerseits als Propagandamaterial für weitere Rekrutierungen, andererseits kann es zur Erpressung der Jugendlichen und zur Erzwingung weiterer Straftaten eingesetzt werden. Können die Jugendlichen den Auftrag nicht erfolgreich ausführen – etwa weil sie von der Polizei festgenommen werden –, drohen ihnen massive Repressalien durch die Rekrutierer. 

Die bisherigen Fälle mit Schweiz-Bezug zeigen deutlich, dass beim Phänomen «Crime-as-a-Service» verschiedene soziale Faktoren eine Anwerbung erleichtern. Dazu gehören ein tiefes Bildungsniveau, Armut sowie fehlende Arbeitsmarktchancen, beispielsweise in bestimmten französischen Vororten. Hinzu kommen Identitätsunsicherheiten durch den ständigen Vergleich auf sozialen Medien, wo andere mit teuren Autos, Luxusartikeln und viel Geld protzen, wie auch das Suchen nach Zugehörigkeit zu einer kriminellen Gruppe sowie das trügerische Gefühl von Selbstverwirklichung und Identitätsstiftung. 

 

Auch junge Schweizer beteiligt 

Die Dimensionen des Problems sind keineswegs abstrakt, sondern lassen sich klar beziffern. Für Straftaten hierzulande wurden seit 2025 bis Ende Juli bereits mindestens 450 rekrutierte Soldaten identifiziert, davon mindestens 10 Schweizer Jugendliche, teilt das Bundesamt für Polizei weiter mit. Das Durchschnittsalter bei diesen über 450 rekrutierten Soldaten liegt bei gerade einmal 21 Jahren – beim jüngsten bekannten Fall war der Täter erst 14 Jahre alt. Zudem sind einige der identifizierten Soldaten bereits polizeilich bekannt.  

Seit Januar 2026 können rund 300 bis 350 Fälle in der Schweiz direkt dem Phänomen CaaS zugeschrieben werden (Stand Ende Juli 2026). Die deutliche Mehrheit dieser Fälle betrifft Einbrüche und Einbruchsversuche in Garagenbetriebe sowie die damit verbundenen Diebstähle von Neuwagen und Kundenfahrzeugen. Darüber hinaus stehen einzelne Einbrüche in Bijouterien oder Raubüberfälle ebenfalls mit dem Phänomen CaaS in Zusammenhang Die Zahlen verdeutlichen: Das Autogewerbe steht besonders stark im Fokus dieser kriminellen Machenschaften. 

 

Behörden bündeln ihre Kräfte in einer Taskforce

Um die kriminellen Aktivitäten der französischen Gruppierungen und das damit verbundene Vorgehen «Crime-as-a-Service» langfristig und wirksam zu bekämpfen, haben Bund und Kantone im Rahmen der Vereinigung der Schweizerischen Kriminalpolizeichefinnen und -chefs (VSKC) eine nationale operative Taskforce eingerichtet. Die Gesamtleitung liegt offiziell seit Anfang Mai bei dem Fedpol und der Kantonspolizei Zürich. Auch die operative Führung erfolgt gemeinsam durch das Fedpol und die Kantonspolizei Zürich. Im Fokus stehen insbesondere die Identifikation, Aufklärung und Zerschlagung der dahinterstehenden Täterstrukturen. 

Dabei setzen die Behörden auf ein breites Bündnis: Neben der Kantonspolizei Zürich beteiligen sich derzeit das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, die Kantonspolizei St. Gallen, Neuenburg, Aargau, Schwyz, Waadtland sowie die Kantonspolizei Bern an dieser schlagkräftigen Taskforce. Für Garagistinnen und Garagisten sowie Autohäuser in unserem Land bleibt Wachsamkeit deswegen das oberste Gebot.

 

So schützen Sie Ihre Autos vor Langfingern

  • Fahrzeuge sichern: Parkieren Sie exklusive Fahrzeuge in alarmgesicherten Räumen. Stellen Sie diese so ab, dass sie nicht direkt entwendet werden können. Beschränken Sie die Fahrzeugbetankung auf das Nötigste. 
  • Schlüssel sicher aufbewahren: Bewahren Sie Fahrzeugschlüssel in einem alarmgesicherten Tresor an einem separaten und sicheren Ort auf. 
  • Sicherheitskonzept prüfen: Überprüfen Sie Ihr Sicherheitskonzept in Bezug auf die baulichen, elektrotechnischen und organisatorischen Sicherheitsmassnahmen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Alarmierungsprozess funktioniert. Bei Bedarf beraten Sie Spezialisten Ihrer Polizei. 
  • Verdächtiges melden: Melden Sie verdächtige Beobachtungen in oder um Ihren Garagenbetrieb sofort der Polizei via Notrufnummer 112 oder 117.

(Quelle: Kantonspolizei Bern)

 

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