Das neue AGVS-Geschäftsleitungsmitglied Kevin Rawyler im grossen Interview

«… dann ziehe ich Grenzen»

Anfang August hat Kevin Rawyler die Nachfolge von Markus Aegerter angetreten. Im Interview sagt der Berner, wie er Konflikte löst, warum es nicht schadet, bestimmte Prozesse neu zu denken – und wieso sein junges Alter nicht immer ein Vorteil ist.
Publiziert: 04. August 2026

										«… dann ziehe ich Grenzen»
Kevin Rawyler will beim AGVS «anpacken» und auch «ein jüngeres Mindset implementieren». Fotos: AGVS-Medien

Kevin Rawyler, was genau führt Sie zum AGVS?
Kevin Rawyler: Oha, eine spannende Frage gleich zu Beginn (lacht). Nun, nach meinem Studium hatte ich stets für die Autobranche gearbeitet, sie ist mir immer am Herz gelegen. Der AGVS ist das Branchenzentrum der Automobilindustrie, die ausgeschriebene Stelle machte mich logischerweise neugierig. Mir wurde schnell klar, dass es sich um eine enorm vielseitige Aufgabe handelt, was mir wiederum in die Karten spielt.

Inwiefern?
Ich bin jemand, der probiert, das grosse Ganze im Blick zu behalten und verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Ich war in meiner bisherigen Tätigkeit breit aufgestellt; das dürfte im neuen Job ebenfalls so sein.

Sie sind also der perfekte Allrounder.
Gut möglich, ja. Am Hauptsitz von Desa Autoglass, wo ich vor dem AGVS tätig war, arbeiten rund 30 Personen. Das ist recht überschaubar, alle sitzen zusammen. Einerseits sind die Wege sehr kurz, andererseits habe ich gelernt, über die Grenzen einzelner Abteilungen hinauszudenken. «Gärtli-Denken» widerstrebt mir ohnehin.  

Das heisst gleichzeitig, Sie sind sich für kaum einen Auftrag zu schade?
Diese Aussage würde ich so unterschreiben. Mir liegt es am Herzen, Dinge voranzutreiben. Ich blocke selten ab, ausser ich merke, dass plötzlich alles auf meinem Schreibtisch landet – dann ziehe ich Grenzen.

Es ist meist schlicht eine Frage der eigenen Kapazitäten.
Absolut. Zusätzliche Verantwortung ist zwar ein schönes Kompliment, bloss hat man somit weniger Zeit, um sich um die anderen Sachen zu kümmern. Zu guter Letzt ist mir auch die Qualität meiner Arbeit wichtig.

Sie hätten sich durchaus vorstellen können, bei Desa Autoglass zu bleiben?
Definitiv. Ich bin rückblickend stolz auf den Weg, den ich dort beschreiten durfte. Ich konnte einiges bewegen und optimieren. Ich hatte ein prima Verhältnis zu allen Mitarbeitenden und dem Geschäftsführer. Trotzdem fand ich, es sei Zeit für einen neuen Schritt, neue Wände und neue Leute. Verbandsarbeit kannte ich bis dato nur aus der Sicht eines Verbandsmitgliedes.

Sie ist spannend und gleichzeitig herausfordernd – gerade in der aktuellen Phase des Umbruchs. 
Davon gehe ich aus, wenn man, wie der AGVS, eine so heterogene Masse an Mitgliedern vertritt. 

Persönlich
Kevin Rawyler, Jahrgang 1991, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich und absolvierte den Master in Betriebswirtschaftslehre an der Uni Fribourg. Bei Marti Tunnelbau war er in der Buchhaltung tätig, wollte sich aber «lieber mit Menschen und mit der Zukunft statt mit der Vergangenheit» beschäftigen. Nach Abschluss des Studiums war er bei Jaguar Land Rover Schweiz als Product Manager und zuletzt bei Desa Autoglass als Leiter Marketing und HR tätig. Zudem hat er dort die Nachhaltigkeitsstrategie aufgebaut und diverse Projekte im Bereich Unternehmensentwicklung mitgeprägt. Kevin Rawyler hat eine Partnerin und wohnt im Seeland. Er fährt häufig Rennvelo und treibt allgemein gerne Sport.

 

Wie lösen Sie Konflikte denn?
Es geht weniger darum, andere von einer Haltung, die sie ablehnen, zu überzeugen. Wichtig ist in erster Linie, dem Gegenüber gut zuzuhören, um Verständnis zu entwickeln. Tun sich Probleme auf, ist lösungsorientiertes Denken gefragt. Das mag einfacher gesagt als getan sein. Doch einfach in einer fixen Position zu beharren, bringt niemanden weiter. Bei zwei Extrempositionen braucht es Kompromisse und diplomatische Skills. Ich bin ein sehr umgänglicher Typ, die wenigsten ecken mit mir an. Wer sich nicht scheut, mit den Menschen zu sprechen, kommt irgendwann weiter.

Wie würden Sie sich sonst beschreiben?
Als offenen, vertrauenswürdigen Teamplayer. Ich habe es gerne gut mit den Mitarbeitenden, nur so lässt sich gemeinsam etwas erreichen. Meine Tür wird, ausser bei Meetings, immer offen sein. Ich sage auch selten Nein zu Apéros (schmunzelt).

Haben Sie sich beim AGVS bestimmte Ziele gesetzt?
Schwierig, diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt zu beantworten. In erster Linie möchte ich anpacken und darüber hinaus ein jüngeres Mindset implementieren.  

Das heisst konkret? 
Mehr Dynamik in gewisse Prozesse bringen. Nicht, dass beim AGVS alles eingerostet wäre, das kann ich ja noch gar nicht beurteilen – doch es schadet nicht, bestimmte Prozesse auch mal anders zu denken.

Wovor haben Sie am meisten Respekt? 
Wenn ich auf meinem bisherigen Berufsweg etwas gelernt habe, dann, dass es immer wieder zu unangenehmen Situationen kommt. Das gehört dazu, Herausforderungen muss man angehen. Manche auf der Geschäftsstelle haben eventuell gar keine Lust auf jemand Neues (lacht). Ich behaupte von mir, eine umgängliche Person zu sein, die mit unterschiedlichsten Charakteren zurechtkommt – doch das hängt nicht zuletzt vom Vis-à-vis ab. Vor den vielen neuen Gesichtern und davor, einen solch wichtigen Bereich verantworten zu dürfen, habe ich tatsächlich Respekt. Ich bin ausserdem nicht der Älteste, was ebenfalls zu Spannungen führen kann.

Wie meinen Sie das?
Gewisse Menschen reagierten in meiner bisherigen Laufbahn schon mal mit: «Was will mir denn der hier überhaupt erzählen?», das merke ich.

Ein jüngeres Alter als Grund für fehlenden Respekt?
Selten bis nie im Umgang mit Mitarbeitenden. In der Vergangenheit kam es allerdings durchaus vor, dass ich mir mein Standing erst verdienen musste.

Der AGVS gendert seit längerem, was mitunter zu kritischen Reaktionen geführt hat. Zudem wurde der Ehrenkodex aktualisiert.
Das finde ich toll. Aber, und das meine ich ganz generell: Eine Idee zu Papier zu bringen, ist das eine, sie im Alltag auch zu leben respektive umzusetzen, das andere. Letzteres ist machtentscheidend.

Was können Sie eigentlich weniger gut?
(Überlegt) Geduld habe ich manchmal zu wenig. Es fällt mir ausserdem schwer, als Begründung «Das haben wir immer so gemacht» zu akzeptieren.

Gab es zu Ihrem Abschied Ende Juli ein grosses Fest?
Nein. Ich spendierte ein ausgiebiges Znüni, weil die meisten am Freitagabend vor dem Nationalfeiertag ohnehin dieses und jenes zu erledigen hatten.

Es lag bloss ein Wochenende zwischen dem alten und dem jetzigen Job? 
Für mich stand im Fokus, sauber abzuschliessen und zu übergeben. Ich hatte dieses Jahr bereits Ferien – hier gibt es ja dann wieder neue (lacht).

 

10 private Fragen an Kevin Rawyler

Wie sieht Ihr Traumauto aus? 
Sportlich, Aussenfarbe in British Racing Green und das Interieur in Vintage Tan.

Wie oft wurden Sie von der Polizei schon gebüsst?
Vermutlich kann man es an einer Hand abzählen. Die Bussenhöhe war nie dreistellig.

Wie lautete Ihr Spitzname als Kind? 
Kevä.

Ihre bisherige Lieblingsreise? 
Australien; die Westküste und Sydney haben es mir besonders angetan.

Wann hatten Sie das letzte Mal Liebeskummer? 
Das liegt schon einige Jahre zurück.

Wie alt möchten Sie sein, wenn Sie wählen dürften?
34. Aktuell fühle ich mich sehr wohl und ich freue mich auf die kommende Herausforderung.

In welche Zeitepoche würden Sie am liebsten zurückreisen? 
2050. Back to the Future.

Was schmeckt Ihnen kulinarisch überhaupt nicht? 
Austern, Rucola und Gorgonzola.

Was können Sie mit Alkohol besser?
Fremdsprachen wie Spanisch, die ich nur gelegentlich nütze.

Mit welchem Promi würden Sie unbedingt ein Selfie machen wollen? 
Roger Federer.

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