Die Werkstatt wird sicherer – das Risiko liegt in der Freizeit
Um ein aktuelles Bild der Situation in den Betrieben zu erhalten, führte die Geschäftsstelle der Branchenlösung für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz des Auto- und Zweiradgewerbes (BAZ) im Frühjahr 2026 eine Umfrage zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) durch. Die Befragung bezog sich auf das Jahr 2025 und wurde von 544 angeschlossenen Betrieben beantwortet. Die Ergebnisse geben Einblick in Unfallgeschehen, krankheitsbedingte Ausfälle sowie mögliche Ansatzpunkte für Prävention und Gesundheitsförderung im Autogewerbe.
Ein Blick auf die Struktur der teilnehmenden Unternehmen zeigt, dass das Autogewerbe stark von kleinen Betrieben geprägt ist. 73 Prozent der Unternehmen beschäftigen bis zu 20 Mitarbeitende, während lediglich 27 Prozent mehr als 20 Personen beschäftigen.
Gerade in kleineren Teams können einzelne Ausfälle schnell spürbare Auswirkungen auf den Betriebsalltag haben. Umso wichtiger ist ein funktionierendes Gesundheitsmanagement.
Die Zahlen zu Berufsunfällen (BU) zeigen ein insgesamt stabiles Bild. Die meisten Berufsunfälle führen zu kurzen Absenzen von bis zu drei Tagen. So entstehen durchschnittlich rund 9 Fehltage pro Betrieb und Jahr, was etwa 0,7 Fehltagen pro Mitarbeitenden entspricht.
Erstmals wurde in der Umfrage auch nach der konkreten Arbeitstätigkeit und der Unfallursache gefragt. Die Rückmeldungen bestätigen bekannte Risiken im Werkstattalltag: Mehr als die Hälfte der Berufsunfälle ereignet sich bei manuellen Tätigkeiten mit oder ohne Werkzeug.
Als häufigste Ursachen wurden Abrutschen (30 Prozent) sowie Einklemmen oder Quetschen (26 Prozent) genannt. Auch bei den verletzten Körperteilen zeigt sich ein bekanntes Muster: Besonders häufig betroffen sind Finger und Hände. Dies ist einerseits tätigkeitsbedingt. Andererseits zeigt es auch, dass die persönliche Schutzausrüstung nicht immer konsequent getragen wird.
Deutlich höher fallen die Ausfalltage durch Nichtberufsunfälle (NBU) aus. Durchschnittlich entstehen 26 Fehltage pro Betrieb und Jahr, was rund 2,05 Fehltagen pro Mitarbeitenden entspricht. Damit verursachen Nichtberufsunfälle etwa dreimal so viele Ausfalltage wie Berufsunfälle. Zudem dauert die Abwesenheit pro Unfallereignis oft länger.
Viele dieser Verletzungen betreffen den Bewegungsapparat und stehen häufig im Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten, insbesondere im Sport.
Die Auswertung der Krankheitsdauer zeigt, dass die grosse Mehrheit der Absenzen nur kurz dauert: 66 Prozent der Krankheitsfälle führen zu Ausfällen von höchstens drei Tagen. Weitere 20 Prozent dauern zwischen vier und zwanzig Tagen. Längere Krankheitsabsenzen von mehr als 20 Tagen machen mit 14 Prozent nur einen vergleichsweisen kleinen Anteil aus. Insgesamt zeigt sich damit, dass die meisten krankheitsbedingten Ausfälle kurzfristig bleiben und längere Abwesenheiten deutlich seltener auftreten.
Die Ergebnisse basieren auf den Angaben der angeschlossenen BAZ-Betriebe und nicht auf offiziellen Statistiken. Dennoch liefern sie ein klares Bild der Situation in der Branche. Während die bestehenden Massnahmen im Bereich der Arbeitssicherheit Wirkung zeigen, liegt das grösste Verbesserungspotenzial bei Nichtberufsunfällen und krankheitsbedingten Ausfällen – also in Bereichen, die der Betrieb nur indirekt beeinflussen kann.
Erfahrungsgemäss können hier vor allem Sensibilisierungsmassnahmen, Präventionsangebote sowie ein gesundes und positives Arbeitsklima dazu beitragen, Ausfalltage langfristig zu reduzieren.