Bidirektionales Laden

Technik ist bereit, Markt noch nicht

Aktuell werden immer mehr E-Autos lanciert, die bidirektional laden können. Sie werden dabei zu rollenden Energiespeichern, die nicht nur Mobilität ermöglichen, sondern auch das Stromnetz stabilisieren.
Publiziert: 22. Juni 2026

Von

AGVS-Newsdesk


										Technik ist bereit, Markt noch nicht
Aktuell laden auf dem Papieri-Areal in Cham ZG Elektroautos der Amag-Tochter Allride über bidirektionale Ladestationen Strom und geben diesen bei Bedarf wieder ab. Foto: Amag

Bidirektionales Laden gilt als Schlüssel zur Energiewende. Netzbetreiber, Autohersteller und Politik setzen europaweit grosse Erwartungen in die Technologie. Normalerweise fliesst Strom nur in eine Richtung: vom Netz in die Batterie des Elektroautos. Bidirektionales Laden ändert das. Das Auto kann Energie nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder abgeben – an andere Geräte (z. B. E-Bikes oder Elektrogrills), das eigene Haus oder ins Stromnetz.

In der Schweiz verlief ein Forschungsprojekt von Herbst 2022 bis Frühling 2024 mit 50 bidirektionalen Honda-e-Autos bei Mobility im regulären Carsharing-Betrieb erfolgreich. Aktuell werden auf dem Papieri-Areal in Cham ZG Elektroautos der Amag-Tochter Allride über die bidirektionale Ladestation Helion BiDi mit dem Netz verbunden. Gesteuert werden die Energieflüsse durch das Energiemanagementsystem Helion One. Diese Plattform vernetzt Solaranlage, Wärmepumpe sowie E-Ladestation und optimiert deren Zusammenspiel für mehr Effizienz und Rentabilität. Die Technik ist also auch bei uns bereit, dennoch geht es am Markt nur schleppend vorwärts.
 

Bekanntheit ist schon hoch

Damit ist die Schweiz nicht allein, obwohl sich hierzulande mit rund 600 lokalen Elektrizitätsversorgungsunternehmen und dem entsprechenden Tarifdschungel das Zurückspeisen von Strom ins Netz nicht ganz so einfach gestaltet wie in anderen Ländern mit nur wenigen grossen Energieanbietern. Zwischen medialem Hype und tatsächlicher Kaufbereitschaft klafft beim bidirektionalen Laden jedoch eine erhebliche Lücke. Das zeigt eine Fünf-Länder-Studie des 

Marktforschungsunternehmens Uscale, das über 10’000 Personen in Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Schweden befragte.
Zudem: Wer keinen privaten Parkplatz hat, kann sein Auto in der Regel zu Hause nicht mit dem Netz verbinden, wenn er parkt. Unter den E-Auto-Fahrern mit einem privaten Parkplatz wissen aber immerhin rund 38 Prozent, was bidirektionales Laden ist. Weitere 34 Prozent geben an, den Begriff schon einmal gehört zu haben. Auch unter Verbrenner-Fahrern mit eigenem Parkplatz zu Hause ist die Technologie bekannter als erwartet: Immerhin 20 Prozent kennen die Technologie, weitere 32 Prozent zumindest den Begriff.
 

Interesse ja, Umsetzung eher nein

Stellt man den Befragten die Grundidee des bidirektionalen Ladens vor, finden sie die Technologie zunächst attraktiv: 53 Prozent der BEV-Fahrer aus den fünf Ländern können sich vorstellen, bidirektionales Laden zu nutzen. Unter den Verbrenner-Fahrern mit eigenem Parkplatz sind es immerhin 22 Prozent. Müssen die Befragten die möglichen Vor- und Nachteile bewerten, ändert sich jedoch ihre Meinung. Sind die Angebotsbedingungen aus Nutzersicht nämlich nicht attraktiv, fällt der Anteil rapide ab. Die realistisch adressierbare Zielgruppe unter den BEV-Fahrern sinkt auf 17 Prozent, bei den Verbrenner-Fahrern gar auf 6 Prozent. Als grössten Bremsklotz nennen die meisten die nötige Vorabinvestition in eine passende Ladeinfrastruktur. Hinzu kommen Bedenken wegen möglicher Batteriealterung, Unsicherheiten rund um eine noch nicht ausgereifte Technologie und der als hoch empfundene Aufwand im Alltag.

Kombinierte Angebote von Herstellern und Technologiepartnern, die Fahrzeug, Ladeinfrastruktur und Garantien bündeln, könnten die Vorbehalte teilweise adressieren. Doch es dürfte noch ein langer Weg sein. «Die Technologie ist bereit, aber bidirektionales Laden löst vor allem ein Problem der Energieversorger mit dem stockenden Netzausbau», so Axel Sprenger, Gründer und Geschäftsführer von Uscale. «Ohne die Nutzer geht die Rechnung nicht auf. Und die Studie zeigt, dass diese Nutzer noch überzeugt werden müssen.»
 

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