Unter den Besten der Welt
Rund 1400 Teilnehmende aus knapp 70 Ländern und Regionen traten bei den diesjährigen WorldSkills im chinesischen Shanghai in 33 Skills an. Mit dabei: Die SwissSkills-Delegation mit 42 Teilnehmenden aus der Schweiz. Bis zu 15’000 Zuschauende verfolgten die Wettkämpfe in der Arena – und Janik Schumacher aus Hergiswil bei Willisau LU, der unser Autogewerbe in der Disziplin «Automobile Technology» vertrat.
Für den Automobil-Mechatroniker Janik war die Reise nach China angesichts der Grösse und Internationalität des Anlasses ein ganz besonderer Moment auf seinem Berufsweg und nach Gold an der nationalen SwissSkills 2025. Erstmals konnte er jetzt sein Können auf der Weltbühne mit den Besten seines Fachs messen. «Die Teilnahme an den WorldSkills war für mich ein riesiger Schritt in meiner beruflichen Karriere», sagt er.
Hinter diesem einmaligen Erlebnis liegen viele Monate Vorbereitung und unzählige Teamwochenenden und Trainingsstunden, seit der 2025er SwissSkills-Sieger Janik letztes Jahr auch den EuroCup gewann und sich damit für die WorldSkills qualifiziert hatte. Am Ende zählte in Shanghai jedoch nicht der Ruhm der vergangenen Wettbewerbe, sondern wie an jeder Berufsmeisterschaft vor allem eines: der Augenblick, in dem das ganze Wissen unter Zeitdruck abgerufen werden muss. «So ein Wettkampf ist eine Momentaufnahme und stark abhängig von vielen Faktoren», sagt Janik Schumacher.
An den vier Wettkampftagen zeigte Janik eine konstante Leistung. Wie nah aneinander dabei aber Glücksgefühl und Unsicherheit liegen können, zeigte sich bereits am ersten Tag. So überzeugte Janik im «Engine-Test» und löste die Aufgabe schneller als seine Konkurrenten aus Australien, Brasilien und Chile. Am Nachmittag folgte der kombinierte Posten «Body Electrical» und ADAS, bei dem bei Janik ein durchzogenes Gefühl zurückblieb, da er nur wenige Fehler finden konnte. Auch der Austausch mit den internationalen Experten gestaltete sich bei dieser Aufgabe nicht ganz einfach. Davon liess Janik sich jedoch nicht verunsichern. An den weiteren Wettkampftagen waren bei Aufgaben wie «Motor Management», «Steering and Suspension» oder «Motor Overhaul» erneut Ruhe, Konzentration und technisches Know-how gefragt. Selbst ein MG-Prüfungsfahrzeug eines Modells, das in der Schweiz gar nicht erhältlich ist, brachte ihn nicht aus dem Konzept.
Disziplin war aber nicht nur während, sondern auch abseits der Wettkampffläche gefragt. «An den Wettkampftagen hatte ich keine Freizeit für mich. Jeder Tag war vom Ablauf her gleich: Wettkampf, Essen, Vorbereiten für den nächsten Tag und Schlafen», blickt Janik zurück. Sein Einsatz zahlte sich am Ende aus. Auch der Schweizer Experte Riet Bulfoni zieht ein positives Fazit. Der Automobil-Mechatroniker und Garagist weiss aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, an einem solchen Grossanlass anzutreten: 2017 vertrat er die Schweiz selbst an den WorldSkills in Abu Dhabi (VAE). «Ich bin sehr stolz auf Janiks Entwicklung, sowohl fachlich als auch menschlich. Er ist in diesen Tagen an seine körperlichen und mentalen Grenzen gegangen und hat es toll gemacht», so Bulfoni. Und damit am Ende alles klappte, brauchte es neben Janiks Experte Bulfoni auch sonst ein starkes Umfeld, das förderte und unterstützte. Etwa Janiks Arbeitgeber Urs Steffen von der Touring Garage in Huttwil BE. Oder das AGVS-Team und vorherige Champions sowie viele Bekannte und Freunde. Oder natürlich seine Familie. «Wir haben natürlich mitgefiebert», so Janiks Vater. René und Susanne Schumacher waren extra nach China gereist, um ihren Sohn anzufeuern.
Für einen Platz auf dem Podest, wie ihn Janik selbst erhofft hatte, reichte es am Ende nicht. Doch Janik Schumacher beendet seine WorldSkills-Reise mit einem starken 9. Rang unter 36 Teilnehmenden und mit der begehrten «Medal for Excellence». Mit dieser werden Teilnehmende ausgezeichnet, die einen internationalen Exzellenzstandard erreichen (mindestens 700 von 800 Punkten; Janik hatte 715). Unmittelbar nach dem Wettkampf überwiegt bei Schumacher zwar trotzdem kurz Enttäuschung. «Es hat mich persönlich sehr hart getroffen», gesteht er. «Über viele Monate hatte ich meine technischen Fähigkeiten trainiert und gleichzeitig an Disziplin und mentaler Stärke gearbeitet.»
Mit etwas Abstand rückt jedoch schnell das in den Vordergrund, was über die Rangierung hinaus bleibt. «Es war mir eine grosse Ehre, die Schweiz und den AGVS an der Weltspitze zu vertreten», sagt Janik. Die WorldSkills waren für ihn der Abschluss eines langen Weges, auf dem er sich fachlich und persönlich weiterentwickelt hat. «Ich konnte in diesem Jahr enorm viele Kontakte in unserer Branche knüpfen und habe sehr vieles gesehen und gelernt, was ich mein Leben lang nutzen kann.» Olivier Maeder, AGVS-Geschäftsleitungsmitglied für den Bereich Bildung, der in Shanghai an Janiks Seite mitfieberte, resümiert: «Janik hat gezeigt, dass die Schweizer Berufsbildung weltweit vorne mitspielt – und wie spannend die Autoberufe für junge Menschen sind. Wir sind stolz auf ihn und das Erreichte!»