Automotive Summit 2026

Trotz KI entscheidet die menschliche Komponente

Beim Automotive Summit erfuhren 120 Marketing- und Vertriebsprofis aus der Schweizer Automobilbranche, wo aktuell der Schuh drückt, wie KI den Alltag erleichtern kann und wieso persönlicher Kontakt weiterhin wichtig bleibt.
Publiziert: 11. Mai 2026

Von

Jürg A. Stettler


										Trotz KI entscheidet die menschliche Komponente
120 Marketing- und Vertriebsprofis aus der Schweizer Automobilbranche nahmen am Automotive Summit 2026 in Sempach teil. Foto: Automotive Summit/Nadine Kägi

Über 120 Interessierte nutzten die 2017 als Garagen-Marketing Camp gestartete und nun zum zweiten Mal als Automotive Summit durchgeführte Plattform, um sich unter dem Motto «Think digital. Act human» über Trends bei Vertrieb und Marketing in der Autobranche auszutauschen. Thomas Rücker, Direktor Auto-Schweiz, legte zum Start die Herausforderungen der Branche dar und machte klar, dass die Vereinigung offizieller Automobilimporteure politisch aktiver werde: «Der Kampf um die Verkehrsfläche läuft. Wir vertreten das Transportmittel, mit dem 69 Prozent der Personenkilometer in der Schweiz zurückgelegt werden und das 62 Prozent der Transportleistung erbringt.»

Die Autobranche bezahle über die Mineralölsteuern ihre Infrastruktur, dennoch sehe man in der Politik einen Trend zum Ausbau des Langsamverkehrs. Rücker wies zudem darauf hin, dass die E-Mobilität als System funktionieren müsse. «Es reicht nicht, dass unsere Branche das Auto und das Modellangebot im Griff hat. Es gibt viele ungelöste Themen, ob Ladeinfrastruktur, E-Restwerte, Energiepreise oder Recycling», erklärte er. Hier müsse die Branche selbst etwas tun – und den politischen Willen beeinflussen, damit die Rahmenbedingungen nicht immer nur aus noch mehr Abgaben bestünden. 

Christian Panzeri, Geschäftsführer von Hashcap und Organisator des Automotive Summit 2026 mit Moderatorin Zoe Torinesi. Fotos: AGVS-Medien
Thomas Rücker, Direktor Auto-Schweiz.
Auto-Zürich-Geschäftsführerin Ines Nägeli.
Partner Excellence: Anerkennung der Sponsoren und Partner der Automotive Summit 2026.
Nadja Buri, AGVS Kommunikations- und Eventmanagement, mit dem Partner-Award.

Eine emotionale Entscheidung

Die Rahmenbedingungen nicht angepasst, sondern seit 40 Jahren mit denselben Quadratmeterpreisen Erfolg hat die Auto Zürich. Was alles hinter dem Erfolg der mit rund 60'000 Besuchenden grössten Automesse der Schweiz steckt, die mittlerweile Neuwagen von knapp 70 Marken zeigt und stets eine Verkaufsmesse geblieben ist, erläuterte Geschäftsführerin Ines Nägeli. «Digitalisierung ist unser Betriebssystem, aber Emotionen sind unser Treibstoff. Wir haben viel in die Kundenführung investiert, ob beim Ticketsystem oder E-Testfahrten», so Nägeli. «Doch 70 Prozent schätzen vor allem den persönlichen Kontakt und wollen immer noch das Auto spüren, die Tür ins Schloss fallen hören oder das frische Leder in der Nase riechen.»

Im November will die Auto Zürich mit einer intelligenten Leadgenerierung den perfekten Match zwischen Kunde und Verkauf noch vereinfachen. Doch Nägeli gibt zu bedenken: «Ein Autoverkauf ist und bleibt eine emotionale Entscheidung. Und was bleibt und den Unterschied ausmacht, wenn alle Autos immer ähnlicher und digitaler werden, ist der menschliche Kontakt!» Die Auto Zürich schaffe eine Bühne und Begegnungszone, um gemeinsam das Auto zu feiern.
 

Kenny Eichenberger, Verwaltungsrat von Kenny’s Auto-Center AG (links), erhielt von Christian Panzeri den Award «Pioneer in Automotive Excellence» überreicht.

Auf ein «feines Käfeli» und einen Award

Eine Erfolgsstory ist auch, was vor 50 Jahren als Einmannbetrieb in Buchs ZH begann und heute ein etabliertes Unternehmen mit vier Standorten und dem legendären «feinen Käfeli» als Markenzeichen ist: die Kenny’s Auto-Center AG. Gründer und Verwaltungsrat Kenny Eichenberger verriet Moderatorin Zoe Torinesi nach der Ehrung zum «Pioneer in Automotive Excellence» Details der Firmengeschichte. «Mein Ziel war immer ein eigener Betrieb, aber ich musste meine Visionen auf dem Weg anpassen», so Eichenberger. «Wichtig: Egal ob Smart- oder Maybach-Käufer: Jeder Kunde ist bei mir gleich viel wert. Ein Kunde muss merken: Er ist willkommen und wird ernstgenommen.» Eichenberger machte klar: «Digitalisierung und KI kommen einfach, ob wir wollen oder nicht. Nur. Der Mensch bleibt das Wichtigste. Alles andere sind Hilfsmittel.» Es zähle die Sympathie. 

 

KI als Führungselement nutzen

Chris Beyeler, Präsident & Gründer des Schweizer Verbands für Künstliche Intelligenz, lieferte danach ein eindrückliches KI-Update. «97 Prozent der Mitarbeitenden nutzen KI, ohne dass der Chef es weiss. Aktuell kursieren im Internet mehr Bots als Menschen», erläuterte Beyeler. Claude, Gemini und ChatGPT seien für unterschiedlichste Aufgaben sehr gute Tools, es brauche aber immer noch kritisches, menschliches Denken. «Bringt eure menschliche Note ein. Hört auf, nur mehr und schneller Content zu produzieren. Lernt, was KI kann. Schult eure Mitarbeitenden, entwickelt eine KI-Strategie und nutzt sie auch als Führungselement.»

Chris Beyeler, Präsident & Gründer des Schweizer Verbands für Künstliche Intelligenz.
Ines Nägeli zeigt sich wie der Rest des Publikums verblüfft über die Fähigkeiten von Mentalist Gianni Videa.
Joscha Rosenbauer von LeaseTeq.
Jens Zillich, einst Vertriebsleiter von Gumpert Apollo.
Comedian Rob Spence.

Emotionen auszulösen zählt

Jens Zillich, einst Vertriebsleiter von Gumpert Apollo, und Comedian Rob Spence brachten die 120 Gäste mit ihrem Leadership-Beitrag nicht nur zum Lachen, sondern sprachen ernste Themen wie toxische Führung und Depressionen an. «Verkaufen ist die Kombination von Sympathie und Kompetenz. Der erste Moment, der erste Kontakt ist extrem wichtig für alles, was noch kommt», verriet Zillich. «Die Emotionen müssen nicht nur vom Auto, sondern vom Verkäufer kommen. Es gilt, den Verkauf zu einem Erlebnis zu machen. Dafür braucht es gute Verkäufer, aber eben auch gute Führungskräfte!»

Der Nachmittag stand im Zeichen verschiedener Workshops und konkreter Take-Aways für den Alltag. Joscha Rosenbauer stellte sein Unternehmen LeaseTeq und die Möglichkeit der Restwertabsicherung auch für unabhängige Garagen vor. Mostafa Abaza von der Moccamedia Schweiz GmbH sprach über die neue Automotive Journey, Belinda Weibel wie man eigene Mitarbeitenden fürs Employer Branding nutzt und Pierre De Montillet von Nextlane, wie ein perfektes Autoinserat aussehen sollte. Fabien Rossetti von RCC Flow Framework schliesslich zeigte auf, wie wichtig richtige Prozesse in einem Betrieb für Effizienz sind: «Vertrieb darf nicht isoliert betrachtet werden, zur Optimierung braucht es eine End-to-End-Betrachtung», so Rossetti. «Wichtig: Immer zuerst optimieren und dann erst digitalisieren, denn KI ist ein Brandbeschleuniger. Wenn etwas schlecht läuft, dann läuft es einfach nur schneller schlecht.»

Fabien Rossetti von RCC Flow Framework.
Reinhard Ahlborn von der car-i Services AG.
Reinhard Ahlborn und Kundin Nathalie Rupp-Preisig von der Auto Dünki AG.
Organisator und Marketing-Experte Christian Panzeri.

Auch Skeptiker überzeugt

Reinhard Ahlborn von der car-i Services AG zeigte dann mit seiner Kundin Nathalie Rupp-Preisig von der Auto Dünki AG in Neftenbach ZH, wie KI das Reifengeschäft effizienter gestaltet und als Anknüpfungspunkt für Zusatzgeschäfte dient. Die AGVS-Garagistin: «Unsere Datenqualität hat sich klar verbessert, seit wir das Tool nutzen. Und wir sind nun definitiv schneller.» Skeptiker habe es auch in ihrem Betrieb gegeben, aber spätestens bei der Frage, ob ein Mechaniker wirklich eine ganze Saison lang Reifentiefen messen oder lieber schrauben wolle, sei der Fall klar gewesen. Rupp-Preisig gab aber zu bedenken: «Nehmt euch Zeit für die Schulungen und gebt den Mitarbeitenden die nötige Zeit, sich daran zu gewöhnen – es lohnt sich!»

 

Gezielter werben auf Meta

Zum Abschluss legte Christian Panzeri, Geschäftsführer von Hashcap, dar, wieso er Garagen empfiehlt, auf Meta aktiv zu sein und Kampagnen zu fahren. «Auf Facebook und Instagram kannst du alle abholen und hast den besten Kosten-Nutzen-Effekt.» Wichtig sei: Ohne Tracking bringe alles nichts. «Wenn ich eine Kampagne nicht tracke, kann ich nicht sagen, ob ich das Geld optimal einsetze.» Serverseitiges Tracking sei dabei zwar aufwendiger, liefere aber dafür bessere Daten. Dadurch könne man die Zielgruppe genauer verstehen, das Budget besser und effizienter einsetzen «und zwar dort, wo ich Leads reinhole. Denn Likes und Reichweite bringen nichts», so der Marketingexperte. «Mehr Daten heisst auch: Retargeting und Remarketing sind möglich. Das schafft mehr Touchpoints entlang der Customer Journey.» Ohne Landingpage verliere eine Kampagne jedoch enorm Wirkung, denn wenn ein Kunde klicke, wolle er am richtigen Ort landen.

Richtig gelandet sind am Automotive Summit 2026 sicherlich die 120 Marketing- und Vertriebsprofis, die sehr viele Inputs und Impulse mit nach Hause nahmen. Organisator Christian Panzeri: «Wenn jeder nur etwas mitnimmt von dem Tag in Sempach, ob für Werkstatt oder Verkauf, hat der Tag nachhaltigen Erfolg gehabt und ich bin zufrieden.»

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