Wenn Laien plötzlich zu Juristen «mutieren»
Zunächst gilt: Ein juristisch formulierter Brief entfaltet für sich allein keine besondere Wirkung. Die Erfahrung zeigt, dass KI-generierte Reklamationen häufig Standardargumentationen enthalten, die nicht auf den konkreten Sachverhalt zugeschnitten sind. Besonders im Fahrzeughandel betreffen dies etwa Gewährleistungsrechte trotz vertraglich gültig vereinbartem Gewährleistungsausschluss, unzutreffende Fristansetzungen oder die pauschale Berufung auf Wandelung oder Minderung ohne Prüfung des Kaufvertrags oder der gesetzlichen Voraussetzungen. Entscheidend bleibt ausschliesslich die tatsächliche Vertragslage, weshalb ein solches Schreiben nicht zu Panik verleiten sollte.
Im Fahrzeughandel ist zentral, was konkret vereinbart wurde: Besteht ein Gewährleistungsausschluss, wurden Eigenschaften zugesichert oder liegt allenfalls eine Garantie vor? KI-Texte berücksichtigen diese Differenzierungen erfahrungsgemäss nur unzureichend. Massgeblich bleibt deshalb immer der unterzeichnete Kaufvertrag und nicht die juristische Formulierung eines Reklamationsschreibens.
Rechtlich ebenfalls nicht entscheidend ist, ob ein Schreiben überhaupt mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Für die praktische Einordnung kann dies jedoch hilfreich sein. Typisch sind etwa sehr allgemein gehaltene Argumentationen ohne Bezug zum konkreten Fahrzeug oder zum tatsächlichen Ablauf des Kaufs. Auffällig sind zudem umfangreiche Aufzählungen angeblicher Ansprüche mit zahlreichen Gesetzesartikeln, ohne dass deren Voraussetzungen nachvollziehbar geprüft werden.
Sprachlich zeigen sich häufig Merkmale, die in der schweizerischen Geschäftskorrespondenz unüblich sind. Dazu gehören etwa die Verwendung des deutschen Doppel-ß statt «ss», eine Häufung von Gedankenstrichen, ungewohnte juristische Formulierungen oder stilistisch stark standardisierte Absätze. Besonders deutlich wird der KI-Ursprung häufig dann, wenn auf deutsches Recht verwiesen wird, beispielsweise auf Bestimmungen des BGB, oder wenn Artikel des Obligationenrechts genannt werden, die im konkreten Zusammenhang gar nicht einschlägig sind.
Bei Erhalt solcher Schreiben ist ein strukturiertes Vorgehen empfehlenswert. So sollte zunächst geprüft werden, welche vertraglichen Regelungen gelten. Insbesondere relevant sind Gewährleistungsausschlüsse, zugesicherte Eigenschaften, Übergabeprotokolle sowie allfällige Garantiezusagen. Anschliessend ist zu beurteilen, ob überhaupt ein rechtlich erheblicher Mangel vorliegt und ob dieser rechtzeitig gerügt wurde.
In vielen Fällen genügt eine kurze sachliche Antwort mit einer geordneten Sachverhaltsdarstellung, Verweis auf die vertragliche Situation und einer daraus abgeleiteten Schlussfolgerung. Umfangreiche juristische Stellungnahmen sind meist nicht erforderlich. Wichtig ist jedoch, dass Garagen ihre Position schriftlich festhalten. Dies schafft Klarheit und verhindert unnötige Eskalationen.
Häufig setzen solche Schreiben zudem sehr kurze Fristen von nur wenigen Stunden oder Tagen. Diese sind rechtlich in der Regel nicht verbindlich, sofern sie nicht vertraglich vereinbart wurden oder sich direkt aus dem Gesetz ergeben. Betriebe dürfen sich deshalb die notwendige und verhältnismässig angezeigte Zeit nehmen, um den Sachverhalt sorgfältig zu prüfen.
Trotz dieser Entwicklungen gilt weiterhin: Auch ein offensichtlich KI-unterstütztes Schreiben kann auf einem realen Problem beruhen. Entscheidend bleibt deshalb immer die Prüfung des konkreten Mangels und der vertraglichen Ausgangslage. Nicht die Form des Schreibens ist massgeblich, sondern der rechtliche Sachverhalt.
Die zunehmende Verbreitung solcher Schreiben verändert die Rechtslage nicht. Es gelten unverändert die gesetzlichen Bestimmungen des Kaufrechts sowie die individuell vereinbarten Vertragsbedingungen. In vielen Fällen besteht deshalb kein Anlass zur Beunruhigung. Bei Unsicherheiten empfiehlt es sich dennoch, frühzeitig die Rechtsberatung des AGVS oder gar die direkte juristische Beihilfe der AGVS-Partneranwälte beizuziehen. So lässt sich sicherstellen, dass angemessen reagiert wird und unnötige rechtliche Risiken vermieden werden.
Disclaimer
Dieser Rechtsratgeber wurde unter Mitwirkung von Künstlicher Intelligenz (ChatGPT-Modell 5.3) erstellt und anschliessend juristisch überprüft. Er soll exemplarisch aufzeigen, dass KI im Arbeitsalltag auch für Garagenbetriebe ein hilfreiches Instrument sein kann, etwa zur Strukturierung von Informationen oder zur Vorbereitung von Schreiben. Gleichzeitig zeigt gerade das Thema dieses Beitrags, dass KI-generierte Inhalte rechtlich nicht immer zuverlässig sind und stets kritisch geprüft werden müssen. Sie ersetzen weder eine einzelfallbezogene rechtliche Beurteilung noch eine fachkundige Beratung. Massgeblich bleiben immer die konkreten vertraglichen Vereinbarungen sowie die geltenden gesetzlichen Bestimmungen.