Erfolg kennt keine Vorurteile
Bei Schweizer Autoimporteuren sind weibliche Chefs nicht ungewöhnlich. Nicole Sahlmann etwa, bei Astara Chefin von MG, oder Nicol Fleissner (VW Nutzfahrzeuge). Oder Claudia Meyer (57, Bild), Schweiz-Chefin von Renault und somit auch Alpine und Dacia sowie im Vorstand von Auto-Schweiz. Selbst aus einer Garagistenfamilie, war Meyer etwa bei DaimlerChrysler und der Fiat-Gruppe Schweiz, leitete das Nissan-Marketing, wurde Country Direktorin Nissan und 2021 Managing Director Renault Group Schweiz. Auch international ist die Schweiz in Teppichetagen präsent: Renata Jungo Brüngger sass bis Ende 2025 neun Jahre lang im Mercedes-Benz-Vorstand.
Ohne Bertha Benz (1849 bis 1944, Bild) wären unsere Passion und unser Broterwerb, das Auto, vielleicht nie gross geworden: Anfangs traute niemand dem 1886er Benz Patent-Motorwagen als erstem Auto zu, als Pferdersatz zu taugen. Als Gattin von Carl Benz (1844 bis 1929) hatte Bertha Benz dessen Erfindung eng begleitet und sah: Ohne Marketing wird das nichts. Und brach 1888 auf eigene Faust mit ihren Söhnen zur weltweit ersten Fernfahrt auf. Auf 106 Kilometern behob sie Pannen per Hutnadel und Strumpfband, ersann nebenbei den (noch ledernen) Bremsbelag, kam an – und wieder zurück. Die Sensation zerstreute alle Bedenken, fortan lief der Verkauf.
Nicht nur mit Managerinnen wie BYD-Zentraleuropachefin Maria Grazia Davino, einst CEO bei Fiat Schweiz, setzt der chinesische Autoriese und Batteriegigant BYD auf Frauenpower. Die Vizepräsidentin Stella Li (56, Bild) kam bereits 1996 zu BYD und gerade mal 20 Mitarbeitenden. Heute sind es fast eine Million – und hinter der Expansion des Autogeschäfts steckt auch Li. Sie baute das US-Geschäft auf und ist heute für Europa (neu ausser BYD auch die Premiummarke Denza) verantwortlich. Übrigens: Auch der US-Autoriese General Motors (GM) wird von einer Frau gelenkt: Seit 2014 steht Mary Barra an der Spitze von Cadillac, Chevrolet und Co.
In unzähligen Garagen sind nicht nur Mitarbeiterinnen, sondern auch weibliche Führungskräfte längst Alltag. Ein Beispiel ist Claudia Dubach (42), Geschäftsführerin der Garage Dubach AG in Oensingen SO. Der 1972 gegründete Betrieb mit 19 oft langjährigen Mitarbeitenden (darunter vier Frauen, zwei Lernende) vertritt die Marken Renault, Dacia, MG und Maxus und wird seit 2012 von ihr in zweiter Familiengeneration geführt. Dubach, im Vorstand der AGVS-Sektion Solothurn aktiv, betont: «Frauen bereichern das Autogewerbe. Wir finden neue Wege und sind vielleicht nicht immer so nahe an der Technik, aber näher am Menschen – was immer wichtiger wird.»
Das Schweizer Autogewerbe ist an internationalen Berufsmeisterschaften fast schon auf Gold abonniert. Immer wieder beweist der Nachwuchs die Qualität der Bildung – dies zunehmend von weiblicher Seite. Erst im letzten Jahr errang die Nutzfahrzeug-Mechatronikerin Alina Knüsel aus Meierskappel LU an den EuroSkills in Dänemark Gold in ihrer Kategorie «Truck and Bus Technology». Und 2024 feierte die Nutzfahrzeug-Mechatronikerin Sophie Schumacher (24, Bild) aus Treiten BE an den WorldSkills in Lyon (F) eine doppelte Premiere: Sie bestritt als erste Frau für den AGVS eine Berufs-WM in der Disziplin «Heavy Truck Maintenance» – und holte den Titel.
Die Schweizer Autozulieferer waren stets eine hoch innovative und erfolgreiche, aber öffentlich fast unsichtbare Branche – obwohl mit 13 Milliarden Franken Umsatz rund halb so gross wie die vielbeschworene Uhrenindustrie. Dank Anja Schulze (52, Bild), der Direktorin von Swiss Car und Professorin für Mobilität und digitales Innovationsmanagement an der Uni Zürich, werden die fast 600 Autozulieferer mit 32'000 Mitarbeitenden heute wahrgenommen: Seit 2008 publizieren Schulze und ihr Team alle fünf Jahre eine Studie zu Lage, Trends und Märkten der Zulieferer, vom Kleinbetrieb bis zu Riesen wie Autoneum, Weltmarktführer in der Wärme- und Akustikdämmung.
Regnet es, vertrauen selbst Hightech-Mobile bis heute auf eine genial einfache, einfach geniale Erfindung von Mary Anderson (1866 bis 1953, Bild). Die amerikanische Farmerin und Winzerin ärgerte sich, dass bei Regen zwecks Sicht die Frontscheibe abgeklappt werden musste, ersann 1903 einen Metallarm mit Gummilippe, der die Scheibe überstreicht – und erfand so den ersten Scheibenwischer (mit Handbetrieb; 1926 folgte Boschs Scheibenwischermotor). Doch kaum ein Autobauer wollte die Lizenzgebühr zahlen. Erst als Andersons Patent 1920 auslief, wischten die Wischer richtig los. Anbei: Auch Rückspiegel (1906) und Bremslicht sowie Blinker (1914) erdachten Erfinderinnen.