«Die Umstellung verschleiert die effektive Senkung»

CO2-Emissionen

«Die Umstellung verschleiert die effektive Senkung»

2. Juli 2020 agvs-upsa.ch – Der CO2-Austoss der neuen Personenwagen konnte nicht gesenkt werden. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Energie Bfe. Auto-Schweiz führt das auf die Einführung des neuen Prüfzyklus WLTP zurück. Die Details.

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Quelle: 123rf

cst./pd. 6,18 Liter Benzinäquivalent pro 100 km. Das verbrauchen die in der Schweiz im letzten Jahr neu zugelassenen Personenwagen im Durchschnitt. Wie das Bundesamt für Energie Bfe am Donnerstag mitteilte, stellt dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme um 1,6 Prozent dar. 2018 lag der Verbrauch bei 6,08 Liter pro 100 km. Auch die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Neuwagen waren 2019 mit rund 138,1 Gramm CO2 pro Kilometer leicht höher als noch im Vorjahr (137,8), was einem Wachstum von 0,2 Prozent entspricht. Die geringere Zunahme der CO2-Emissionen im Vergleich zum Verbrauch lässt sich gemäss Bfe auf den weiter gestiegenen Anteil von Elektrofahrzeugen (CO2-Wert von 0 g/km) zurückführen. Blickt man auf den Energieverbrauch pro 1000 Kilogramm Fahrzeuggewicht, blieb dieser konstant bei 3,6 Liter Benzinäquivalent pro 100 km. Erfreulich sind die Werte der neuen Lieferwagen und leichten Sattelschlepper: Im vergangenen Jahr verbrauchten diese im Durchschnitt 7,95 Liter Benzinäquivalent pro 100 km, während die CO2-Emissionen bei 181,5 Gramm CO2 pro Kilometer lagen. Das sind 1,8 Gramm weniger als noch 2018.
 
Wie das Bfe mitteilt, gibt es verschiedene Gründe, weshalb Verbrauch und CO2-Emissionen bei den neuen Personenwagen zugenommen haben. Nicht nur ist der Anteil der Allradfahrzeuge gewachsen und das Leergewicht gestiegen, auch der Rückgang des Anteils der Dieselfahrzeuge hat zu höheren Werten geführt. Gemäss Bundesamt könnte zudem das Messverfahren zu einer Erhöhung der CO2-Emissionen beigetragen haben – nämlich dann, wenn die Messwerte anhand der realitätsnäheren Bedingungen des WLTP-Verfahrens ermittelt und auf NEFZ zurückgerechnet worden sind. Dank des neuen WLTP-Verfahrens wurde aber die Realverbrauchsabweichung reduziert, die in den letzten Jahren um über 40 Prozent gestiegen war, hält das Bfe fest.
 
Bis 2015 hätten die CO2-Emissionen der neu immatrikulierten Personenwagen im Durchschnitt auf 130 Gramm CO2 pro km gesenkt werden sollen. Mit durchschnittlich 138,1 Gramm im Jahr 2019 wurde dieser Zielwert im vierten Jahr in Folge nicht erreicht. Bei den Autoimporteuren wurden dafür Sanktionen von insgesamt rund 78,1 Millionen Franken erhoben (2018: 31,7 Mio.).
 
Dass die CO2-Emissionen nicht gesunken sind, obwohl die Neufahrzeuge auf der Strasse effektiv verbrauchsärmer geworden sind, führt Auto-Schweiz vor allem auf die Einführung von WLTP zurück. Dieser führe bei vergleichbaren Modellen zu höheren CO2-Werten. «Bereits 2018 haben wir den Einfluss der WLTP-Umstellung gespürt», sagt Mediensprecher Christoph Wolnik. «Laut dem Bfe liegen die CO2-Emissionen eines vergleichbaren Modells rund 5 bis 6 Prozent höher, wenn die Messung per WLTP erfolgt und in den NEFZ 2.0 zurückgerechnet wird als bei einer direkten Messung im NEFZ. 2018 traf diese Anpassung erst auf rund 25 Prozent der neuen Personenwagen zu, 2019 lagen wir bei über 90 Prozent WLTP-Anteil. Die Umstellung des Testzyklus verschleiert also die effektive Senkung der CO2-Emissionen von Neuwagen.» Dieser Effekt mache auch die deutlichen Marktanteilgewinne der alternativen Antriebe mehr als wett, so Wolnik weiter.
 
Was die gestiegenen Sanktionszahlungen betrifft, rühren diese her von der Erhöhung des Betrages für die ersten drei Gramm über dem markenspezifischen Zielwert. Bislang waren dafür zwischen 5.50 und 27.50 Franken pro Fahrzeug zu bezahlen. Für das Referenzjahr 2019 wird ab dem ersten Gramm der Betrag von 111 Franken fällig. Somit wurde etwa die Sanktionszahlung für eine minimale Zielwertüberschreitung von einem Gramm pro Kilometer von einem Jahr auf das andere mehr als verzwanzigfacht. «Die Änderung des in Europa gültigen Prüfzyklus müssen die Schweizer Importeure also teuer bezahlen», hält Auto-Schweiz fest.
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