Halbe Sachen fürs ganze Jahr

31. August 2020 agvs-upsa.ch – ​Die Winter werden milder. Schnee erreicht das Flachland immer seltener. Als Folge wächst das Segment der Ganzjahresreifen. Der TCS hat einen Reifentest mit insgesamt sieben Reifentypen für SUV durchgeführt. Die Resultate sind ernüchternd.


Quelle: TCS

sco. Getestet wurden Allseason-Reifen der Dimension 235/55 R17 103 V/Y, die sich für Mittelklasse-SUV und Vans eignen. Als Beispiele nennen der TCS und seine Partnerorganisationen ADAC und ÖAMTC Fahrzeuge wie Audi A7 und Q3, Ford Galaxy und Kuga, Mercedes S- und V-Klasse oder VW Tiguan oder T6.

Für den Test berücksichtigt wurden ausschliesslich Reifen namhafter Hersteller: Continental, Goodyear, Michelin, Nokian, Uniroyal, Vredestein und Bridgestone. Resultat: Keines der sieben Produkte kommt über ein «bedingt empfehlenswert» hinaus und kein Ganzjahresreifen kann sich nur im Ansatz mit Spezialisten unter sommerlichen beziehungsweise winterlichen Bedingungen messen. Jeder der Reifen wurde aufgrund mangelnder Performance in einem Hauptkriterium in der Gesamtnote abgewertet. 

Ein Ganzjahresreifen ist immer ein Kompromiss. Er muss sowohl bei Minusgraden auf Schnee und Eis wie auch bei sommerlich hohen Temperaturen dem Fahrer genügend Sicherheit bieten. Diesen Spagat gehen die Konstrukteure von Allseason-Reifen pragmatisch an, indem sie auf einen der beiden Aspekte fokussieren. Liegt der Fokus auf der Wintertauglichkeit (Schnee-Performance), beeinträchtigt dies in aller Regel die Reifeneigenschaften auf trockener Fahrbahn. Legt man den Reifen in seiner Grundcharakteristik als Sommerreifen aus, sind die Wintereigenschaften eingeschränkt.

Dies erklärt auch die teilweise starken Unterschiede der sieben Ganzjahresreifen in den jeweiligen Testkategorien: So schneidet der Testsieger Continental «Allseason Contact» auf Schnee und Eis verhältnismässig gut ab, zeigt aber deutliche Schwächen auf trockener Fahrbahn. Auf der anderen Seite des Rankings steht der Bridgestone «Weather Control A005». Er schneidet auf trockener und nasser Fahrbahn deutlich besser ab als der Continental, dafür fällt er auf Schnee komplett durch. Er wurde deshalb (wie auch der Vredestein «Quatrac Pro») von den Testern als «nicht empfehlenswert» bewertet.


Quelle: TCS

Soll man also auf jeden Fall die Finger lassen vom Ganzjahresreifen der japanischen Premiummarke? Nicht zwingend. Für eine seriöse Verkaufsberatung müssen die Bedürfnisse des jeweiligen Fahrzeugbesitzers eruiert werden, schreiben die TCS-Tester: «Wohnt man in einer Region mit seltenem Schneefall oder kann bei winterlichen Verhältnissen auch auf das Fahrzeug verzichtet werden, lohnt sich die Wahl des Bridgestone ‹Weather Control A005›». Dasselbe gelte für den Michelin «Cross Climate +», der wie der Bridgestone ein «sommerausgerichteter» Ganzjahresreifen ist. 

Allseason-Reifen spielen in der Schweiz aufgrund der Topografie und der gerade in Bergregionen ausgeprägten Jahreszeiten nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Aber sie sind ein Wachstumssegment, weil für viele Autobesitzer der halbjährliche Reifenwechsel eine lästige Pflicht ist. In seinem Testbericht liefert der TCS neben den bescheidenen Resultaten der Allseason-Reifen ein weiteres gutes Argument für die Garagisten, um ihre Kundinnen und Kunden vom Kauf von Winter- und Sommerreifen zu überzeugen. Auch mit Allseason-Reifen muss der Autobesitzer mindestens einmal pro Jahr zum Reifenwechsel in die Garage. Aufgrund des unterschiedlichen Verschleissverhaltens von Vorder- und Hinterreifen ist «ein jährlicher Wechsel der Räder je nach Kilometerleistung von vorn nach hinten sinnvoll. Dies garantiert einen gleichmässigen Abrieb aller vier Reifen», schreiben die Tester.

Wird auf den Wechsel verzichtet, nutzen sich die Profile der Antriebsachse deutlich schneller ab, was zu einer früheren Neuanschaffung von mindestens zwei Reifen führt. Regelmässiger Reifentausch reduziert zudem den sogenannten Sägezahnverschleiss, der den Komfort und das Geräuschverhalten negativ beeinflusst.

Hier geht es zur Übersicht.

Mehr Informationen gibt es zudem im AUTOINSIDE 09/2020.
 
Wie testet der TCS?
Der TCS testete und bewertete die sieben Allseason-Reifen nach denselben Kriterien wie Winter- und Sommerreifen. Die Bewertungen auf trockener Fahrbahn fanden im Sommer bei 30 Grad Celsius statt, die Eigenschaften auf nasser Fahrbahn wurden im Herbst im Temperaturbereich zwischen 5 und 15 Grad Celsius bewertet und jeweils mit einem Sommer- und einem Winterreifenmodell verglichen. Die Eigenschaften auf Schnee und Eis wurden im Winter geprüft und mit einem Winterreifen verglichen. Für den TCS gilt ein Ganzjahresreifen als «echter» Allseason-Pneu, wenn er sich unter winterlichen und sommerlichen Extrembedingungen mit den Spezialisten behaupten kann. Diesen Spagat schaffte keiner der getesteten Reifen.
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Kommentare


Dom 1. September 2020 - 10:18
Wir als Garge raten seit eh und je von Ganzjahresreifen ab. Leider wird man des öfteren als "Abzocker" beschimpft da ja auch der Durchschnitts 20min und Blick-Leser meist alles besser weiß. Dieser Test zeigt einmal mehr, das unsere Erfahrung und Empfehlung doch nicht so weit hergeholt ist wie viele vermuten.