«Die E-Mobilität hat sich durchgesetzt»

Boxenstopp: Heute mit Michael Jost

«Die E-Mobilität hat sich durchgesetzt»

27. April 2021 agvs-upsa.ch – Im März hatte Michael Jost überraschend angekündigt, seine Position als Chief Strategy Officer beim Volkswagenkonzern aufzugeben. Der Deutsche, Referent am «Tag der Schweizer Garagisten» 2020, zu seinen Beweggründen und künftigen Plänen. Andreas Walingen, aktuell Leiter Konzern Produktstrategie bei VW, übernimmt zum 1. Mai 2021 die Nachfolge.

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Foto: AGVS-Medien

kro. Herr Jost, wie kommt man dazu, einen der spannendsten Jobs in der Automobilindustrie aufzugeben?
Michael Jost, bis April 2021 Chief Strategy Officer Volkswagen: Über 10 Jahre hinweg konnte ich die Zukunft der Marken und des Volkswagen-Konzerns mit einem ausgezeichneten Team entscheidend mitbestimmen. Ohne Frage, es waren bewegte und bewegende Zeiten. Wir haben kraftvolle und wesentliche strategische Impulse für die Marken und den gesamten Konzern gesetzt. In der öffentlichen Wahrnehmung steht sicher an erster Stelle das klare Bekenntnis zu den Pariser Klimazielen. Es wurde zur Triebfeder der Dekarbonisierungsstrategie des gesamten Unternehmens. Wir haben die konsequenteste E-Offensive der Automobilindustrie angestossen und den Standort Deutschland gestärkt. Zur  Transformation gehört aber nicht nur die E-Mobilität, sondern unbedingt auch die Digitalisierung. Mit dem Projekt «Trinity» verbindet sich nun die Vision des autonomen Fahrens als Zeitmaschine für die Menschen. Die Fahrt von A nach B wird dann Freiraum für andere Tätigkeiten bieten. Die Menschen bekommen von uns Zeit geschenkt. Zeit, das ist auch mein Thema.  Nach vielen Jahren, in denen ich nur an Wochenenden zuhause war, will ich mich mehr meiner Familie und eigenen Unternehmensideen – wie etwa elektrisch betriebenen und autonom fahrenden Jachten – widmen.

Eine der grossen Herausforderungen der Automobilindustrie ist die rasche Elektrifizierung der Fahrzeuge. Ganz allgemein und nicht markenspezifisch: Geht der Fortschritt rasch genug voran?
Vor allem Volkswagen hat geliefert: mit dem ID.3 und dem ID.4. Die ID.-Familie wird sukzessive erweitert. Audi hat mit dem e-tron ein Erfolgsmodell in seiner Klasse auf die Räder gestellt. Der Porsche Taycan elektrifiziert die Sportwagenwelt und auch Skoda und Seat kommen mit attraktiven reinen E-Autos auf den Markt. Die E-Mobilität hat sich durchgesetzt, das ist auch am Angebot der Konkurrenz zu erkennen.

Hat die Elektromobilität den «Tipping Point» erreicht – oder was braucht es noch dazu?
Vor fünf Jahren haben wir die Transformation der Marke Volkswagen auf den Weg gebracht. Volkswagen hat sich klar zum E-Antrieb bekannt. Bis 2030 werden wir bei der Marke Volkswagen den Anteil reiner E-Autos in Europa auf 70 Prozent unseres Absatzes verdoppeln. Wir sind weit jenseits des «Tipping Points». Wir sind auf dem Weg zu CO2-neutraler Mobilität für alle. Was aber unbedingt dazu gehört, ist die nötige Ladeinfrastruktur. Nur so überzeugen wir immer mehr Kunden und erhöhen damit das Tempo der Elektrifizierung.

Von aussen betrachtet wird die Automobilindustrie, gerade die deutsche, von der Politik demontiert; ein Stichwort dazu ist unter anderen die Euro-7-Abgasnorm. Wo wird das enden – und wie?
Schon heute setzen wir auf höchste Effizienz bei den Verbrennungsmotoren. Die NOx-Werte unserer Euro-6-Fahrzeuge sind bereits auf ein Minimum reduziert. Für weitere Massnahmen müsste hoher Aufwand betrieben werden, ohne dass die Umwelt wirklich profitiert. Am Ende kostet all das Entwicklungsausgaben, wodurch Mittel entzogen würden, die wir für die Transformation zur E-Mobilität brauchen. Es scheint aber so, dass sich die EU-Kommission bei diesem Thema bewegt.

Sie kümmern sich künftig unter anderem der Entwicklung von elektrifizierten Booten. Woher kommt die Motivation, sich so stark für die Elektrifizierung einzusetzen?
Ich halte den Klimawandel für eine der grössten Herausforderungen der Menschheit, die wir gemeinsam lösen müssen. Die UN-Klimakonferenz 2015 in Paris hat einen klaren Weg aufgezeigt. Im Jahr 2050 wird eine CO2-neutrale Gesellschaft angestrebt – und das geht nur, wenn wir bei der individuellen Mobilität auf E setzen – wenn man einmal vom Fliegen absieht. Da ist es nur konsequent, weiterzudenken. Von der Strasse auch auf das Wasser. CO2-neutrale Mobilität ist ein Muss, wenn wir das Ruder beim fortschreitenden Klimawandel rumreissen wollen. 
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Kommentare


Urban Stöckli 27. April 2021 - 22:31
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